So sieht es in Rottweil aus - auch dort musste eine Kreissporthalle für die Flüchtlingsaufnahme gesperrt werden. Ähnliches passiert nun in Donaueschingen. Foto: Alexandra Alt

Die Situation, die viele befürchtet haben, ist eingetroffen: Der Landkreis muss eine erste Turnhalle für die Unterbringung von Flüchtlingen schließen.

Es ist gerade einmal zwei Tage her, als Landrat Sven Hinterseh den Haushaltsentwurf für das nächste Jahr in den Kreistag zur Beratung eingebracht hat und den nicht abreißenden Flüchtlingsstrom als eine der größten Herausforderungen dieser Zeit bezeichnete.

 

Seit Monaten kämpft man darum, die im Landkreis ankommenden Flüchtlinge unterzubringen.

Der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab – hier ein Archivbild des Grenzübergangs Medyka zwischen Polen und der Ukraine. Auch aus anderen Ländern kommen immer mehr Menschen in den Landkreis. Foto: Cornelia Spitz

Was lange Zeit gut ging...

Man wolle verhindern, so die feste Absicht, dass erneut Turn- und Festhallen für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt und für den eigentlichen Zweck geschlossen werden müssen. Lange Zeit ging das gut – trotz der monatlich 125 bis 130 Personen, die in die Region kommen. Doch jetzt war es offenbar unabwendbar: Landrat Hinterseh musste tun, was er unbedingt verhindern wollte, und eine erste Sporthalle für die Unterbringung von Flüchtlingen heranziehen.

„Mit zwölf Gemeinschaftsunterkünften, die in sieben Landkreisgemeinden geschaffen wurden, stehen 1298 Plätze bereit. 1072 Plätze sind belegt. Eine weitere größere Zahl an Flüchtlingen wird dem Landkreis für den Dezember zugewiesen“, so schildert Pressesprecherin Heike Frank aus dem Landratsamt im Schwarzwald-Baar-Kreis die aktuelle Situation. Um die geflüchteten Menschen, die dem Landkreis durch das Land Baden-Württemberg zugewiesen werden, unterzubringen, habe nun eine kurzfristige Lösung gefunden werden müssen.

Warum das Schüler trotzdem kaum tangiert

„Der Schwarzwald-Baar-Kreis wird hierfür die Kreissporthalle in Donaueschingen in der Beethovenstraße nutzen.“

Die Sporthalle der Schule in Trägerschaft des Landkreises wird jetzt für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Foto: Gewerbliche Schulen

Es war offenbar das „kleinste Übel“, das man nun unter den zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten unter Regie der Kreisverwaltung gefunden hat, denn der Sportunterricht der Gewerblichen Schulen in Donaueschingen wird davon offenbar nicht tangiert: „Die Halle ist bereits derzeit als Sporthalle nicht nutzbar, da ein Wasserschaden den Hallenboden beschädigt hat“, erläutert die Kreisverwaltung. Sie soll nun für die zeitweise Unterbringung der Flüchtlinge provisorisch ertüchtigt werden.

Trotzdem ist klar: Eigentlich hatte man mit der Halle anderes vor und standen Bauarbeiten auf dem Plan, um sie zeitnah wieder für den Schulsport zur Verfügung stellen zu können.

Worum der Landrat jetzt bittet

Landrat Sven Hinterseh appelliert vor diesem Hintergrund um Verständnis für die Maßnahme. „Es ist uns wichtig, dass wir diese Unterkunft so kurz als möglich belegen. Eine Unterkunft in einer Sporthalle kann für alle Beteiligten nur eine Notlösung sein. Wir werden die Sporthalle für ein paar Wochen nutzen, bis die anderen Unterkünfte fertiggestellt sind. Ziel muss es sein, dass wir die Kreissporthalle in Donaueschingen wie geplant in 2024 für den Sportunterricht und die Wiederaufnahme der Vereinsnutzung sanieren.“

Notdürftig sollen in der Sporthalle bis zu 150 Plätze für geflüchtete Menschen geschaffen werden. Hierzu muss die Halle zunächst hergerichtet und ausgestattet werden. Eine Belegung soll zum Ende des Jahres möglich sein.

Nur eine Übergangslösung

Ein deutliches Zeichen dafür, dass sich hier keine Dauerlösung einschleichen soll, ist die Tatsache, dass parallel zur Flüchtlingsunterbringung auch die Vorbereitungen für die geplante umfangreiche Sanierung der Halle im Jahr 2024 laufen, nach der die Räumlichkeiten endlich wieder als Sporthalle genutzt werden sollen. Die Kosten liegen hierfür voraussichtlich bei rund 2,6 Millionen Euro.

Gemeinschaftsunterkünfte des Landkreises

Im ganzen Landkreis verteilt liegen solche Gemeinschaftsunterkünfte unter Regie des Landkreises für die vorläufige Unterbringung von Flüchtlingen: In Donaueschingen sind sie in der Emil-Rehmann-Straße 1, der Käferstraße 43, der Friedhofstraße 14 und der Alte-Wolterdinger-Straße 70, in Villingen-Schwenningen in der Schertlestraße 2, der Sturmbühlstraße 177 und der Alleenstraße 13, in Schönwald in der Hauptstraße 21, in Triberg in der Rohrbacher Straße 35 sowie in St. Georgen in der Schramberger Straße 20a und der Bahnhofstraße 70 und in Blumberg in der Schaffhauser Straße 11.

Besondere Rolle der Donaustadt

Das Platzproblem bei der Unterbringung weiterer Flüchtlinge aber bleibt akut und stellt sich längst nicht nur bei ihrer vorläufigen Unterbringung in den Gemeinschaftsunterkünften, sondern auch bei der Anschlussunterbringung. Immer mehr der im Landkreis lebenden über 4000 Geflüchteten drängen auf die ohnehin engen Wohnungsmärkte der Region. Wo Wohnraum Mangelware ist, wie in Villingen-Schwenningen beispielsweise, spricht man über Container-Lösungen für die Unterbringung. In Donaueschingen kann man noch leerstehende Gebäude nutzen. So sollen neben der Gemeinschaftsunterkunft in der Schul-Sporthalle weitere Plätze für die Anschlussunterbringung der Flüchtlinge durch die Stadt in eigener Zuständigkeit eingerichtet werden.

Die Unterkünfte

Für die Anschlussunterbringung wurden in der Donaustadt neben den bereits bestehenden Unterkünften in der Baarstraße und in der Schillerstraße zunächst im Juli 2022 ein Gebäude in der Villinger Straße und im April 2023 in der Prinz-Karl-Egon-Straße bereitgestellt. Unter der Berücksichtigung ansteigender Zuweisungen wird nun ein weiteres Gebäude in der Prinz-Karl-Egon-Straße angemietet, das derzeit eingerichtet wird. „Dort werden ab Dezember 2023 zusätzliche 50 Plätze zur Verfügung stehen“, erklärt Oberbürgermeister Erik Pauly. „Ich danke daher der Konversions- und Entwicklungsgesellschaft mbH Donaueschingen, dass sie dieses leerstehende Gebäude der Stadt zur Bewältigung der aktuell herausfordernden Situation zur Unterbringung von Flüchtlingen vorübergehend zur Verfügung stellt.“ Der Donaustadt im Südkreis kommt zur Bewältigung der Flüchtlingskrise seit Jahren eine Schlüsselrolle zu – bis Jahresende 2019 war hier eine von acht Erstaufnahmestellen für Flüchtlinge, die vom Regierungspräsidium in Karlsruhe betrieben wurden.