Den neuen Teil der Flüchtlingsunterkunft Haus Waldeck in Nagold hatte der Kreis noch selbst gebaut. Weitere Neubauten schließt der Landkreis aus. Foto: Thomas Fritsch

Die Lage bei der Unterbringung von Flüchtlingen im Kreis Calw wird immer dramatischer. Es fehlt schlicht der Platz.

Kreis Calw - "Wir stehen massiv unter Druck", berichtete Andreas Knörle, Infrastruktur-Dezernent im Calwer Landratsamt, dem Kreistag. "Wir benötigen sofort große Kapazitäten an Unterbringungsmöglichkeiten." Und sofort heißt in diesem Fall wirklich sofort. Gut zwei Wochen komme man noch zurecht, dann sei das absolute Limit erreicht. Man führe intensive Gespräche mit möglichen Investoren, noch aber sei kein Ergebnis zu vermelden. "Wir müssen aber kurzfristig zu Abschlüssen kommen", stellte Knörle unmissverständlich klar.

"Werden Flüchtlinge nicht in Turnhallen unterbringen"

Zwei weitere Dinge stellte die Landkreisverwaltung in diesem Zusammenhang klar: "Wir werden Flüchtlinge nicht in Turnhallen unterbringen", bekräftigte Landrat Helmut Riegger eine schon zu Beginn der großen Flüchtlingsproblematik 2015 gefasste Leitlinie der Landkreisverwaltung. Anders will man sich in Sachen Neubau von Unterkünften verhalten. Früher hatte man etliche Unterkünfte selbst errichtet, etwa in Nagold, Wildberg oder Calw-Wimberg. Das wird jetzt nicht mehr passieren: "Wir werden nicht neu bauen", machte Knörle klar.

Pro Monat weitere 120 Flüchtlinge

Dass die Lage so dramatisch ist, liegt an der Zahl der Flüchtlinge, die in den Kreis Calw kommen. 2600 ukrainische Kriegsflüchtlinge sind schon jetzt im Kreis Calw, dazu kommen noch diejenigen aus Ländern wie Syrien oder Afghanistan. Jeden Monat kämen 120 weitere Flüchtlinge dazu, berichtete der Ende des Jahres aus dem Amt scheidende Sozialdezernent und Flüchtlingsbeuftragte Norbert Weiser. "Aktuell sind es mehr Flüchtlinge als 2015", berichtete Weiser.

Erst Plätze abgebaut, dann neue geschaffen.

Und das trifft auf die Tatsache, dass der Landkreis nach dem Abflauen der ersten Flüchtlingswelle – auf Druck der Landesregierung – Unterbringungskapazitäten abgebaut hat, bis nur noch 477 Plätze übrig waren, sagte Weiser. Inzwischen habe man – etwa durch die Übernahme eines ehemaligen Hotels in Bad Wildbad und des ehemaligen Gertrud-Teufel-Seniorenzentrums in Nagold – 356 neue Plätze schaffen können. Doch auch damit war und ist das Problem nicht gelöst. Im Gegenteil, der Druck auf die Landkreisverwaltung wird immer größer.