Die Evakuierungsaktion aus der Krisenregion wird fortgesetzt. Inzwischen sind mehr als 1000 Bürgerinnen und Bürger der EU außer Landes gebracht worden. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell warnt vor einem Zusammenbruch des Landes.
Die Absage von Annalena Baerbock kommt wenig überraschend. Wenige Stunden vor Beginn des Treffens der europäischen Außenminister am Montag in Luxemburg informierte die deutsche Chefdiplomatin ihre Kollegen, dass sie sich um den Evakuierungseinsatz der Bundeswehr im Sudan kümmern wollte. Die deutsche Luftwaffe hat seit Sonntagabend mehr als 300 Menschen aus dem nordostafrikanischen Land ausgeflogen, darunter auch viele Bürger anderer Nationen. Die Bundesregierung wollte nach eigenen Angaben die Evakuierungsaktion für deutsche und ausländische Staatsbürger auch am Montag fortsetzen. Mehrere andere Länder, darunter Frankreich, Italien, Saudi-Arabien und die Türkei, leiteten ebenfalls Flüge aus der Krisenregion ein. Zuvor hatten bereits die USA und Großbritannien Botschaftsmitarbeiter aus Khartum evakuiert.
Es sei eine komplizierte Operation, sagt der EU-Außenbeauftragte
Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell erklärte in Luxemburg, dass auch die Europäische Union ihre Mitarbeiter aus der umkämpften Region geholt habe. Es sei eine komplizierte, aber erfolgreiche Operation gewesen, sagte der Spanier. Nach seinen Angaben sind inzwischen mehr als 1000 Bürgerinnen und Bürger der EU außer Landes gebracht worden. Der Botschafter der Europäischen Union für den Sudan, Aidan O’Hara, verbleibe im Sudan. Er sei aber nicht länger in Khartum, sagte Borrell. O’Hara war vergangene Woche in seinem Haus attackiert worden. Borrell mahnte eine politische Lösung für den Konflikt an. „Wir können es uns nicht leisten, dass der Sudan implodiert. Das würde Schockwellen in ganz Afrika auflösen“, sagte er.
In der Kritik steht die Regierung in London. Nach der Evakuierung britischer Diplomaten aus dem Sudan beschweren sich viele Staatsbürger in Medien, sie fühlten sich alleingelassen. Die Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Parlament, Alicia Kearns, sagte dem Sender BBC Radio 4, vermutlich wollten mehr als 1000 Britinnen und Briten in Sicherheit gebracht werden. Premierminister Rishi Sunak hatte zuvor mitgeteilt, das britische Militär habe britische Diplomaten und ihre Familien evakuiert. Außen-Staatssekretär Andrew Mitchell verteidigte den Einsatz. Die Rettung des Botschaftspersonals habe Priorität gehabt, da es eine „sehr konkrete Drohung gegen die diplomatische Gemeinde“ in der Hauptstadt Khartum gegeben habe, sagte Mitchell.
Die Bevölkerung darf nach dem Abzug der Europäer nicht vergessen werden
Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn mahnte am Rande des Außenministertreffens, dass nach dem Abzug der Europäer die lokale Bevölkerung im Sudan nicht vergessen werden dürfe. Was im Land passiere, sei eine große Katastrophe, sagte er. „Denken wir auch an die Menschen, die nicht evakuiert werden können, die im Sudan leben.“ Er sagte, die internationale Gemeinschaft müsse verhindern, dass sich eine Situation wie im Südsudan wiederhole, wo „kein Mensch hingeschaut“ habe. „Wir haben nur manchmal in den Südsudan geschaut, wenn Menschen in UN-Gebäuden ihr Leben verloren haben“, kritisierte er.