Hübsch rausgeputzt legen die Schiltacher Flößer die letzten Meter auf dem Rhein zurück. Foto: Fritsche

Nach den Herausforderungen der Fahrt von Steinmauern nach Hitdorf sind die Flößer aus Schiltach glücklich am Zielort angekommen und wurden von vielen Schaulustigen und der Gemeinde begeistert empfangen.

Schiltach/Hitdorf - Für 16.30 Uhr war die Ankunft des Floßes der Schiltacher Flößer am Freitag im Hafen von Hitdorf angekündigt. Schon Stunden vorher bevölkerten viele Schaulustige das Rheinufer und die Umgebung des Hafens. Einige ließen es sich nicht nehmen, selbst mit dem Rollator oder im Rollstuhl über das holperige Gelände an den Rhein zu kommen. "Ich hab im ›Leverkusener Anzeiger‹ gelesen, dass sie heute Hitdorf erreichen", sagte Dieter Guss aus Leverkusen. Und Heinrich Schmitz aus Hitdorf erzählte, er habe noch als Kind das letzte große Floß in den 1960er-Jahren gesehen. Die Besatzung eines Löschzugs der Freiwilligen Feuerwehr Hitdorf bemannte derweil beim Fähranleger ihr Feuerwehrboot, beim Hafen bereiteten sie Schläuche und Pumpe für die Wasserfontäne vor.

Der Schwarzwälder Bote hat die Flößer auf Instagram begleitet. Hier geht es zum Rückblick.

Zuschauer klatschen und jubeln

Um 16.22 Uhr war es dann soweit. Gleichzeitig blickten alle am Ufer stromaufwärts, wo sich zunächst noch winzig das Floß im Strom abzeichnete, flankiert von dem Feuerwehrboot, das mit seinen Scheinwerfern signalisierte, dass da etwas tief im Wasser lag, und einem Boot des DLRG, seit Köln dabei. Schnell kam das Floß in der Strömung näher. Als es auf Höhe des Fähranlegers war, grüßte die Fähre langanhaltend mit ihrem Signalhorn und dann – ja, das war wirklich so – ließ Pfarrer Peter Beyer die Glocken der Doppeltürme der St.-Stephanus-Kirche läuten. Die Flößer winkten zum Ufer, die Menschen klatschten und jubelten. Beklemmung kam kurzzeitig auf, als sich ein riesiges Tankschiff schnell näherte und aus der Uferperspektive gesehen dem Floß ziemlich nahe kam.

Wasserfontäne der Feuerwehr

Das Floß umrundete die lange Landzunge, passierte die Wasserfontäne der Feuerwehr und legte unter Beifall und Jubel der Zuschauer im Jachthafen stilvoll an: Heide Pfaff und Elke Kipp sogar in Heimattracht. Die Flößer schauten zufrieden, aber die Anstrengungen der vergangenen Tage der Rheinfloßfahrt waren ihnen durchaus anzusehen.

Rheinlieder erklingen

Es wird viel gefilmt und fotografiert, auch von oben durch drei Drohnen. Die Zuschauer waren begeistert, die meisten hatten ein Lächeln im Gesicht, vergessen waren für kurze Zeit Pandemie und Krieg. Die Älteren unter ihnen erzählten, wie es früher mit den Flößen war, die an dieser Stelle ankamen, und wie die Stämme dann unter der Uferstraße durch einen Tunnel zum danebenliegenden Sägewerk Freiberg transportiert wurden. Volksfeststimmung kam auf, der Männergesangverein sang Rheinlieder, vom Akkordeon begleitet, die Menschen sangen mit, viele schunkelten.

Erinnerung an die Zeit der Flößerei

Nach dem ersten Händeschütteln und Umarmungen durch den Heimatverein zogen alle auf den Parkplatz des Yachtclubs zum offiziellen Empfang. "Lev Hetdörper Lück", begrüßte Karlheinz Lange vom Heimatverein die Gäste aus dem Ort und dann namentlich die Floßmeister Thomas Kipp und seine Frau Elke, Flößervereins-Vorsitzender Hartmut Brückner, Heide und Friedrich Pfaff, Erwin Wolber, Friedrich Trautwein, Otto Schinle und Klaus Maier. Er begrüßte auch Maxi Paluch, die Tochter des letzten Sägewerksbesitzer Peter Freiberg. "Das Rheinfloß-Projekt der Schiltacher Flößer gibt uns noch einmal die Gelegenheit, an die Zeit der Flößerei zu erinnern", betonte Lange.

Alte Tradition lebt auf

"Gäste mit einem solch außergewöhnlichen Gefährt hat der Hitdorfer Hafen schon lang nicht mehr gesehen. Die letzten Flöße mit Holz auf dem Schwarzwald legten um 1968 hier bei uns an", erklärte Bezirksbürgermeisterin Michaela Di Padova. "Ich bin froh, dass Sie wohlbehalten bei uns angekommen sind. Vor allem freue ich mich, dass Sie diese alte Tradition wieder aufleben lassen und ein Stück Historie nach Hitdorf bringen", fuhr sie fort.

An Bernd Bilitzki vom Heimatverein war es, den Mitwirkenden vor Ort zu danken: dem DLRG, der Feuerwehr, dem Männergesangverein Hitdorf mit Annette Mörsberger am Akkordeon und dem Yachtclub Hitdorf für die Nutzung des Hafens und des Geländes. Das alles zeige, "dass wir eine tolle Gemeinschaft in Hitdorf haben, auf die wir stolz sein können." Er sprach von einer großen Erleichterung darüber, "dass es auf der Fahrt keine Unfälle und Verletze gegeben hat".

Keine Angst, aber Respekt vor dem Rhein

"Wir sind froh und glücklich, dass uns der Rhein nach 27 Anlandungen und 360 Rheinkilometern in Hitdorf hat ankommen lassen. Das ist nicht selbstverständlich. Alles lief gut, aber mit viel Respekt für den Rhein, ich danke der Mannschaft", erklärte denn auch Floßmeister Thomas Kipp, Initiator der Aktion. "Wir sind angekommen, es ist vorbei, jetzt müssen wir das Erlebte erst einmal verdauen", sagte der Flößer-Vereinsvorsitzende Hartmut Brückner. Angst habe keiner vor dem Rhein gehabt, aber viel Respekt, meinte auch er. "Ich danke Thomas Kipp, ohne ihn wäre diese Floßfahrt nach Hitdorf nicht zustande gekommen", betonte Brückner. Die Flößer unternahmen am Samstag noch einen Ausflug nach Köln, bevor es am Sonntag für alle zurück in die Heimat ging.

Info: Besondere Nächte, kalter Wind und lange Unterhosen

Die müdesten Augen bei der Ankunft in Hitdorf hatte der Flößer-Vereinsvorsitzende Hartmut Brückner: Jede Nacht hat er unterwegs auf dem Floß geschlafen. Eine Urlaubsfahrt sei das Ganze nicht gewesen, erzählte er am Rande des Empfangs in Hitdorf. Um 6 Uhr aufstehen, – da seien abends, als es dunkel wurde, alle müde und froh gewesen, ins Bett zu kommen. "Der ständige kalte Fahrtwind von vorn am Bug macht müde", so Brückner. Auf dem Floß waren lange Unterhosen angesagt.

Außerdem hatten die Flößer gut zu tun: "Bei plötzlich auftretenden wechselnde Strömungen mussten wir kräftig rudern. Es war gut, dass immer mehrere gleichzeitig aufgepasst haben." Brückner lobte auch die Kapitäne der großen Schiffe: "Die haben vorausschauend ihre Richtung geändert, wenn sie uns sichtete. Und viele haben gewunken und getutet bei der Vorbeifahrt." In Königswinter habe sogar der Juniorchef einer großen Rheinschifffahrtslinie mit dem Beiboot einen Blumenstrauß an Bord gebracht. Dieser schmückte dann bei der Einfahrt in Hitdorf den Bug des Floßes.