Schon mit knapp drei Jahren hielt Nils den Steuerknüppel fest in den Händen. Foto: Zeller

Kürzlich war zum Saisonabschluss nochmals reger Flugbetrieb auf dem Flugplatz Wächtersberg. Der krönende Abschluss war der erste Alleinflug von Nils Zeller, der an diesem Tag zugleich seinen 14. Geburtstag feierte. Nils hält damit eine Familientradition hoch.

Wildberg - Nils Zeller saß mit eineinhalb Jahren, beim Flug mit dem Vereins-Ultralight, das erste Mal mit seinem Vater in einem Flugzeug. Es folgten mehrere Flüge auf dem Schoss vom Onkel Jan. Vier Jahre später absolvierte er den ersten Segelflug im Vereinsdoppelsitzer Twin Acro. Es wurde Tradition, jedes Jahr an seinem Geburtstag zu fliegen. Mit sieben Jahren war er erstmalig bei einem auswärtigen Fluglager des Vereins in Leibertingen dabei. Bereits seit ein paar Jahren verbrachte er viele Wochenenden auf dem Flugplatz und unterstützte beim Flugbetrieb, wodurch er auch regelmäßig in den Genuss eines Mitflugs kam.

Beginn der Flugausbildung

So wunderte es keinen, dass Nils im April dieses Jahres mit der Flugausbildung begann. Sicherlich wäre er schon früher soweit gewesen für einen ersten Alleinflug, musste aber bis zu seinem 14. Geburtstag warten. So durfte er diesmal seinen traditionellen Geburtstagsflug selber alleine im Flugzeug sitzend steuern. Er war damit an diesem Tage der jüngste Pilot Deutschlands (in Ausbildung, mit der A-Prüfung). Den letzten Checkflug mit Fluglehrer vor seinem Alleinflug führte er mit seinem Großonkel durch.

Nils ist nun ein Pilot in der vierten Generation, denn sein Urgroßvater Herbert Goller hat seine Leidenschaft für das Fliegen neben seinen beiden Söhnen Jochen und Bernd, den Enkeln Jan, Jonas und Tim, auch seinem Urenkel Nils vererbt.

62 Jahre lang Mitglied im Flugsportverein

Erst im September nahmen die Mitglieder der Flugsportvereinigung Wächtersberg Abschied von Herbert Goller. Er war 62 Jahre lang Mitglied im Flugsportverein. Im Jahr 1959 begann er als 23-Jähriger seine Segelflugausbildung auf dem alten Wächtersberg. Erste Erfahrungen sammelte er als Windenfahrer, noch bevor er mit seiner Flugausbildung begann. Seine Kenntnisse über Motoren und Fahrzeuge waren damals hochwillkommen.

Anfang 1969 machte er seinen ersten Flug mit dem Motorsegler RF5 auf dem Kengel. Er war einer der Mitbegründer der neuen Sparte Motorsegler. Deren Heimat war der Kengel, wo Herbert Goller wesentliche Beiträge zum Aufbau von Halle und Gelände leistete. Nach dem Brand der Segelflughalle auf dem alten Wächtersberg im Jahr 1971 musste übergangsweise der gesamte Vereinsbetrieb auf den Kengel verlegt werden, während ein neues Fluggelände auf dem heutigen Wächtersberg aufgebaut wurde. Auch dort wäre es ohne Herbert Goller nicht gegangen. Wochenlang saß er auf der Planierraupe, um das neue Gelände betriebsbereit zu machen. Unvergessen sind seine Arbeiten an verschiedenen Schleppwinden, die er zusammen mit Erwin Röhm gebaut und betreut hat.

Erster Fünf-Stunden-Dauerflug

Herbert Goller war auch ein sehr aktiver Flieger. Zu seinen fliegerischen Höhepunkten zählte 1961 der erste Fünf-Stunden-Dauerflug auf dem Wächtersberg, der rein in der Thermik geflogen wurde, und nicht wie damals üblich im Hangaufwind. Viele Fluglager führten ihn mit Familie und Vereinskameraden nach Südfrankreich. Dort gelang ihm mit dem Nimbus II seines Vereinskameraden Jörg Schumacher ein Rekordflug. Er stieg mit Sauerstoffunterstützung in einer Leewelle bis an den Rand der Atmosphäre auf über 8000 Meter. Das brachte ihm den Höhendiamanten zum damaligen goldenen Leistungsabzeichen. Von diesem Flug hat er immer leidenschaftlich berichtet.

Herbert hat sich immer zuerst für die Belange des Vereins eingebracht. Die Erweiterung vom reinen Segelflugverein zum Motorflug und der Aufbau der Fluggelände Kengel und Hub waren im Wesentlichen sein Verdienst. Dafür erhielt er im Jahr 2009 die silberne Ehrennadel des BWLV.

2019 wurde er in der Mitgliederversammlung für 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Seinen letzten selbstgesteuerten Flug machte er im Dezember 2015.