Der Isinger hat ein Ultraleichtflugzeug von 1989 in monatelanger Arbeit zum Elektroflieger umgebaut. Ein Besuch.
Die Ladung mit Solarstrom dauert drei Stunden. Klaus Wolter steht an diesem Frühlingsvormittag in der Einfahrt seines Hauses in Isingen. Hinter ihm: ein Moskito 1b. Die rot-weiße Lackierung des Ultraleichtflugzeugs (UL) glänzt in der Sonne. Der Isinger hat die Maschine zum Elektroflugzeug umgebaut. Alles in Eigenregie. Denn Wolter ist ein Tüftler, ein Autodidakt. „Ich musste mir alles selbst erarbeiten. Wenn ich etwas mache, dann mache ich es gründlich“, sagt er. Wolter zählt zur ersten Generation der Ultraleichtflieger in Deutschland.
Gekauft hat der das UL, Baujahr 1989, vor 20 Jahren ohne Motor. „Ich dachte mir: Den richte ich, wenn ich mal in Rente bin.“ Gesagt, getan. Der mittlerweile pensionierte Techniklehrer hat zunächst einen 4-Takt-Motor eingebaut. Dessen Schwingungsverhalten habe jedoch kein gutes Gefühl vermittelt. Daher kam der Gedanke an einen Elektroantrieb auf, zumal das Flugzeug dann als 120-Kilogramm-UL (Leergewicht ohne Akkus) zugelassen werden kann, wie erste Berechnungen zeigten, so Wolter.
In dieser Gewichtsklasse gelten besondere Regeln: Die Verantwortung für Wartung und Betrieb liegt weitgehend beim Piloten selbst, jährliche fliegerärztliche Untersuchungen wie in anderen Luftfahrtkategorien sind nicht erforderlich.
Mit dem Modellflug angefangen
Die Faszination fürs Fliegen reicht bis in Wolters Kindheit zurück. „Ich hatte schon mit sechs Jahren mein erstes Flugmodell: kleiner Uhu.“ Von da an hat ihn die Leidenschaft gepackt – und nie wieder losgelassen. Mit Mitte 20 machte er seinen Flugschein in der Schweiz. Wolter startete bei Wettbewerben und räumte mehrere Titel ab. „Das präzise Fliegen liegt mir schon sehr“, sagt er. Das Basteln, Ausprobieren und die Suche nach unkonventionellen Lösungen begleiten ihn seit Jahrzehnten.
Ursprünglich wollte er sein UL im Ruhestand mit einem Verbrennungsmotor ausrüsten. Die Idee zum späteren Elektro-Umbau entwickelte sich erst im Laufe der Zeit. Im Jahr 2021 entwirft Wolter schließlich einen neuen Plan: Er will klimaneutral fliegen. Ideen zum Elektro-Umbau wurden konkreter, nachdem eine Stückliste erstellt, Hersteller der Komponenten gefunden wurden und Berechnungen Erfolg versprachen. Etwas Zeit habe vor allem die Abstimmung mit dem tschechischen Motorenhersteller gekostet, der die Wicklung an die Spannung der beiden BMW-PKW-Akkus (I3) anpassen musste, erinnert sich Wolter. „Die Zulassung war dann aufwendiger als gedacht, weil das Fluggerät formal nie als Luftsportgerät zugelassen war. Die Zulassung ging zunächst über Frankreich, da es in Deutschland keine Prüfstelle für 120 Kilogramm UL gibt.“
11.200 Euro für den Umbau
Für die Umsetzung arbeitet Wolter mit einer Firma zusammen, die Fahrzeuge auf Elektroantrieb umrüstet, die nicht nur Know-how, sondern auch Infrastruktur und Kleinteile beisteuert. Probleme bereitete zunächst die Motorsteuerung, die erst konfiguriert werden musste. Am Ende entsteht ein fein abgestimmtes System, bei dem Motor, Akkus, Controller, das sogenannte Batteriemanagementsystem und die Anzeige miteinander verbunden sind. Flugzeit: 45 Minuten.
In nur sechs Monaten hat Klaus Wolter sein UL in ein Elektroflugzeug mit 27 PS umgebaut. Für die Ladung der Akkus nutzt er Strom aus seiner Photovoltaikanlage, sodass der Moskito letztlich mit Solarenergie betrieben wird. Direkt im Flugzeug selbst wird kein Strom erzeugt; die Akkus dienen als Energiespeicher für den Flug. Aufgeladen werden sie vor jedem Start. Damit verlagert sich der Energiebedarf vollständig auf die Ladeinfrastruktur am Boden.
Bis zum Flug vergehen fast zwei Jahre
Bis zum Erstflug vergehen allerdings noch einmal fast zwei Jahre. Der Grund sind umfangreiche Zulassungsverfahren und unterschiedliche Anforderungen der Behörden. Ein Prüfer bescheinigt ihm schließlich 118,9 Kilogramm Leergewicht. Der Isinger erhält daraufhin einen deutschen Eintragungsschein und ein deutsches Kennzeichen. „Es hat eine Weile gedauert.“ Rund 11.200 Euro hat ihn der Umbau gekostet. „Das ist vergleichsweise billig“, bemerkt Wolter.
Was ist es für ein Gefühl, mit seinem Elektroflugzeug in der Luft zu sein? Der Isinger schickt seiner Antwort ein Lächeln voraus. „Im Prinzip fliegt es fast von allein, es ist einfach zu fliegen. Da oben ist es ganz ruhig, nichts vibriert. Der Flieger gibt mir ein Gefühl von Geborgenheit.“