Zu lange an den Tasten? Die Gewerkschaft warnt vor den Folgen – und sieht Abgeordnete des Schwarzwald-Baar-Kreises in der Pflicht. Foto: New Africa - stock.adobe.com

Die Gewerkschaft NGG warnt vor zu langen Arbeitstagen. Aber wie lange arbeiten die Menschen im Schwarzwald-Baar-Kreis eigentlich aktuell?

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, kurz: NGG, meint: „Bei zu langen Arbeitstagen drohen Unfälle, Schlaganfälle, Schlafstörungen und Co.“

 

Sind zu lange Arbeitstage der Grund für entsprechende Krankheitsbilder in der Region? Und wie lange arbeiten die Menschen im Schwarzwald-Baar-Kreis aktuell überhaupt? Die NGG gibt hierauf eine Antwort – und will Arbeitgeber und Politiker sensibilisieren.

Zahlen aus der Region

Rund 393 000 Stunden arbeite der Schwarzwald-Baar-Kreis – und zwar im Schnitt an jedem Tag. So viele Arbeitsstunden leisten nach Berechnungen des Pestel-Instituts alle Arbeitnehmer zusammen: im Handwerk, in der Industrie, in den Dienstleistungen und im Handel. „Das ist das große Fleißpensum vom Landkreis – die ‚Tages-Stechuhr vom Schwarzwald-Baar-Kreis‘. Viele schieben täglich Überstunden. Und auch Schichtarbeit ist eine Riesenherausforderung für die Beschäftigten: Gerade der Wechsel von Früh-, Tages-, Spät- und Nachtschicht reibt viele Menschen auf“, sagt Burkhard Siebert von der Gewerkschaft.

Der Geschäftsführer der NGG Baden-Württemberg-Süd kritisiert, dass die Bundesregierung jetzt auch noch an der Arbeitszeit rüttele: „Der Bund will den Acht-Stunden-Tag kippen. Künftig sollen Zwölf-Stunden-Schichten möglich sein. Das darf auf keinen Fall passieren“, so die Kritik von Burkhard Siebert.

NGG ruft zur Kampagne auf

Der Gewerkschafter warnt: Die Beschäftigten würden das teuer bezahlen – und zwar mit ihrer Gesundheit. Die NGG ruft ihre Mitglieder dazu auf, sich an der bundesweiten Kampagne des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) „Mit Macht für die 8“ zu beteiligen. Die Gewerkschaft warnt vor „zu viel Arbeit am Stück“. Wer regelmäßig mehr als zehn Stunden am Tag oder über 40 Stunden in der Woche arbeite, der werde das irgendwann merken: „Es fängt mit Kopfschmerzen und Schwindelgefühl an“, so Burkhard Siebert. Auch Verdauungsstörungen und Schlafstörungen seien oft Folgen von einer zu langen Arbeitszeit.

„Viele Beschäftigte ignorieren diese Signale. Richtig schlimm wird es, wenn Überstunden in Dauerschleife zu einem Burnout, zu Depressionen, Diabetes oder zu einem übermäßigen Alkoholkonsum führen“, sagt NGG-Geschäftsführer Siebert.

Schichten stören die innere Uhr

Besonders belastend seien auch unregelmäßige Arbeitszeiten: „Vor allem Früh-, Spät- und Nachtschichten bringen die innere Uhr enorm durcheinander“, sagt Burkhard Siebert. Gerade auch in der Lebensmittelindustrie gebe es oft Wechselschichten. „Rückenschmerzen, Müdigkeit und Niedergeschlagenheit sind typische Phänomene bei der Arbeit in wechselnden Schichten.“

Gut die Hälfte der Beschäftigten klage über Schlafstörungen. Außerdem seien lange Arbeitstage auch aus Sicht des Arbeitsschutzes nicht ungefährlich. „Denn das Unfallrisiko steigt nach acht Stunden stark an. Die Ermüdung nimmt zu, die Konzentration ab. Zehn Stunden und mehr am Stück sind hoch riskant. Ab der zwölften Stunde passieren statistisch doppelt so viele Unfälle wie bei einem Acht-Stunden-Tag“, sagt Burkhard Siebert.

Der Geschäftsführer der NGG Baden-Württemberg-Süd beruft sich dabei auf arbeitsmedizinische Untersuchungen. Eine hohe Wochenarbeitszeit wirke sich auch auf das Schlaganfallrisiko aus. Dies steige bei 41 bis 48 Wochenstunden um zehn Prozent. Bei 55 und mehr Stunden pro Woche sogar um 33 Prozent. Gleichzeitig erschwerten noch längere Arbeitszeiten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Der Gewerkschafter weiter: „Wer holt das Kind aus der Kita ab oder unterstützt pflegebedürftige Angehörige, wenn überlange und unplanbare Arbeitstage die Regel sind?“

Appell an die Abgeordneten

Die Politiker sieht er in der Pflicht: „Wer die Tageshöchst-Arbeitszeitgrenze aus dem Gesetz streicht, sägt an einem zentralen Pfeiler des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Das müssen die Bundestagsabgeordneten aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis und der Region wissen und mit nach Berlin nehmen“, fordert Burkhard Siebert.