In Oberndorf finden Fledermäuse Quartiere in Kirchen und Gärten. Bei der Suche nach diesen kann nun jeder mithelfen.
Wenn die Dämmerung einsetzt und die ersten Sterne am Himmel funkeln, beginnt für die Fledermäuse der wichtigste Teil ihres Tages – die nächtliche Jagd auf Insekten. Im Gespräch mit einer Expertin erfahren wir mehr über die Tiere, und was es mit der Suchaktion auf sich hat.
„Die häufigste Fledermausart in der Region und in Baden-Württemberg ist die Zwergfledermaus“, erzählt Daniela Schmieder von der Arbeitsgruppe Fledermausschutz Baden-Württemberg. „Sie ist die kleinste Fledermausart bei uns und wird am häufigsten an Gebäuden in kleinen Spalten gefunden. Eine Zwergfledermaus kann in einer Nacht mehrere Hundert Stechmücken fressen, weshalb sich glücklich schätzen kann, wer diese Tierchen als Untermieter hat.“
Schmieder ist Biologin und engagiert sich für den Schutz der Fledermäuse rund um Oberndorf, Sulz und Dornhan. „Ein sehr wichtiges Sommerquartier ist die Mausohrwochenstube in der Kirche Hopfau“, berichtet Schmieder. „Dort bringen jedes Jahr über 300 bis 400 Weibchen ihre Jungen zur Welt.“
Zwischen Bäumen, Kirchen und Garagen
Weitere typische Quartiere finden sich in „Habitatbäumen, die natürliche Fledermausquartiere bieten, insbesondere für Arten, die im Wald leben. In Kirchen gibt es häufig Quartiere im Dachboden des Kirchenschiffs, aber auch im Glockenturm. Gebäude mit Spaltquartieren, etwa in der Verschalung, hinter Fensterläden oder unter Blechverkleidungen, zum Beispiel bei Garagen, sind ebenfalls wichtige Rückzugsorte.“
Doch das Leben der Fledermäuse wird immer herausfordernder. „Ein großes Problem für sie ist die immer intensivere Landwirtschaft und der Einsatz von Insektiziden. Die Zahl der Insekten ist stark gesunken, und somit sind auch weniger nachtaktive Insekten für die Fledermäuse verfügbar“, erklärt Schmieder.
Positive Entwicklungen
Auch das Licht beeinträchtigt die Tiere: „Die künstliche Beleuchtung wirkt sich negativ aus. Es gibt zum Beispiel immer mehr Privatgärten, in denen nachts Licht leuchtet.“ Gleichzeitig verschwinden natürliche Quartiere, wenn Bäume gefällt oder Gebäude ohne Rücksicht auf die Fledermäuse saniert werden.
Trotz dieser Herausforderungen sieht Schmieder auch positive Entwicklungen. Etwa dass es inzwischen Regeln bezüglich Renovierungsmaßnahmen an Gebäuden mit Fledermausvorkommen gibt.
Zudem wächst das Interesse der Bevölkerung: „Die Anzahl der Leute, welche sich in der Region im Fledermausschutz engagieren, ist stark gestiegen. Die Leute beteiligen sich in der Öffentlichkeitsarbeit, der Fledermausquartiersuche, der Versorgung von verletzten Fledermäusen, der Wochenstubenbetreuung, dem Bau und Anbringen von Fledermauskästen oder bei den gemeinsamen Winterkontrollen, bei denen wir Fledermäuse in Höhlen, Stollen und Erdkellern zählen.“
Fledermausfreundliche Gärten
Viele Hausbesitzer möchten selbst aktiv werden: Sie gestalten ihren Garten mit Pflanzen, die nachts blühen, vermeiden Licht im Garten oder hängen Fledermauskästen am Haus auf.
Fledermaussuchaktion
Vom 19. bis 22. Juni findet eine Fledermaussuchaktion in Sulz, Dornhan und Oberndorf statt. Mitglieder des NABU/BUND Gruppe Oberndorf-Sulz unterstützen die Fledermausexperten bei der Suche, um das Wissen über Fledermausarten und deren Vorkommen in der Region auszubauen.
Jeder, der in den drei Ortschaften lebt und unterwegs ist, kann helfen, Fledermausquartiere zu finden: Wer Kotspuren oder lebende und tote Fledermäuse beobachtet, wird gebeten dies der NABU/Bund Gruppe Oberndorf-Sulz mitzuteilen.