Hier geht gerade nichts mehr: Das Landratsamt hat die Abrissarbeiten gestoppt. Foto: Daniela Schneider

Ein ehemaliges Bauernhaus in Weigheim sollte abgebrochen werden. Doch die Arbeiten wurden gestoppt – wegen möglicher Fledermäuse und Brutvögel im Gebäude und in einer alten Linde.

Das Gebäude Alfons-Käfer-Straße 30 in Weigheim hat seine besten Zeiten lange hinter sich. Das ehemalige Bauernhaus ist verlassen und wild zugewachsen - die Natur hat sich schon einen beträchtlichen Teil des Anwesens erobert. Und genau das ist für den heutigen Eigentümer jetzt ein Problem.

 

Denn in dem Haus wohnen zwar schon lange keine Menschen mehr, aber dafür womöglich jede Menge Tiere. Auch im mächtigen Lindenbaum, der im rückwärtigen Bereich des Gebäudes steht, haben diese sich möglicherweise häuslich eingerichtet.

Der neue Eigentümer wiederum möchte das Haus abreißen und an der Stelle einen Neubau errichten. Geplant ist ein Mehrfamilienhaus mit Garagen. Dafür liegt der zuständigen Behörde, in diesem Fall der Stadtverwaltung Villingen-Schwenningen, ein Bauantrag für einen späteren Neuaufbau vor.

Im Rahmen dieses Verfahrens wurde die Untere Naturschutzbehörde, die im Landratsamt angesiedelt ist, im März 2025 angehört, wie es in einem solchen Fall üblich ist.

Vögel, Insekten und mehr

Diese wiederum meldete ihre Bedenken an. So heißt es in der Stellungnahme unter anderem: „Durch das Vorhaben müsste die etwa 100 Jahre alte Linde entnommen werden, welche aller Wahrscheinlichkeit nach als Nahrungshabitat und Brutplatz für diverse Tierarten dienen kann.” Hier ist die Rede von „Vögeln, Insekten, Fledermäusen und so weiter.” Außerdem, so heißt es weiter in der Stellungnahme, „könnten in dem bestehenden Gebäude des Flurstücks, welches vermutlich im Zuge der Arbeiten abgerissen wird, Fledermaus-Quartiere vorkommen.”

Das Areal ist dicht bewachsen. Foto: Daniela Schneider

Wäre das der Fall, könnte laut Bundesnaturschutzgesetz ein Verbotstatbestand bestehen. „Vor jeglichen Arbeiten“ müsse es daher zu einer Begehung des Gebäudes und einer Begutachtung der Linde durch eine fachkundige Person kommen, um „festzustellen, ob Gebäudebrüter oder Fledermäuse am oder im Haus vorkommen und ob Hinweise auf Baumbrüter an der Linde und gegebenenfalls geeignete Höhlen oder Spalten in der Linde für Fledermäuse vorliegen.

Sollte es Hinweise auf Fledermaus- oder Brutvogelvorkommen an der Linde und oder am Gebäude geben, sind ausführlichere Untersuchungen (Artenschutzfachliches Gutachten mit Schutz- und Ausgleichsmaßnahmen) durch eine fachkundige Person oder ein fachkundiges Büro durchzuführen.“

Ohne Gutachten losgelegt

Über die Ergebnisse und Ausgleichsmaßnahmen sei Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde zu halten. Das wurde dem Bauherrn laut Stadtverwaltung so auch mitgeteilt. Das Problem an der Sache: Gehalten hat er sich daran ganz offensichtlich nicht. Denn Mitte Juni rückten hier die Bauarbeiter an und legten mit dem Abriss los. Bis jetzt liegen der Behörde aber keine artenschutzrechtlichen Untersuchungen vor. „Aus diesem Grund wurde die Fortführung der Abrissarbeiten seitens der Unteren Naturschutzbehörde gegenüber der ausführenden Firma untersagt”, so die Sprecherin.

Das Gebäude Alfons-Käfer-Straße 30 liegt in Weigheims Mitte. Foto: Daniela Schneider

Also: Erstmal Stopp für die Arbeiten in der Alfons-Käfer-Straße - jedenfalls, bis das Gutachten vorliegt, das zeigen soll, ob und welches tierische Leben hier herrscht. Je nachdem, was dabei herauskommt, könnten entsprechende Bauzeitenregelungen getroffen werden. Diese beschränken das Fortführen der Arbeiten auf einzelne Bereiche oder schließen sie aus, bis die Brutzeit der betreffenden Tiere endet. Je nach Art könnte zudem die Verpflichtung entstehen, Ersatzhabitate zu schaffen.

Das Bestandsgebäude

Ehemaliges Bauernhaus
Das Anwesen, das abgerissen werden soll, ist schon lange Teil der Bebauung im Ort. Ein Weigheimer, der sich mit der alten Bausubstanz und deren Historie bestens auskennt, ist Ortschaftsrat Kevin Kunz, der selbst schon zwei alte Gebäude rettete und aufwendig sanierte. Bei dem Gebäude in der Alfons-Käfer-Straße 30 handle es sich um ein ehemaliges Bauernhaus, weiß er auf Nachfrage der Redaktion zu berichten. Bis vor 15, 20 Jahren war es noch bewohnt, seither steht es leer. Vor etwa zehn Jahren brach bereits ein Teil des Giebels heraus und später wurde dann wegen Einsturzgefahr verfügt, dass ein Abriss zu erfolgen hat.

Bedauern
„Grundsätzlich ist es natürlich sehr schade, dass wieder ein historisches Gebäude aus dem Ortsbild verschwindet und ein Teil der Geschichte Weigheims ausgelöscht wird“, bedauert Kevin Kunz. Aber auch er weiß: „Es ist in einem Zustand, in dem es nicht mehr zu retten ist.“

Besondere Bauart
Besonders ist die Bauart des Gebäudes: „Die Grundform ist fast quadratisch, das Gebäude kurz, aber dafür sehr hoch“, berichtet Kevin Kunz - und das ist eher untypisch für die Weigheimer Bebauung. Was die Gründe für diese Bauweise waren, ist offen - vielleicht waren sie auch einfach praktischer Natur, weil man so den Platz nutzte, der zur Verfügung stand. „In den 1930er-Jahren ist die Scheune einmal zusammengebrochen“, weiß der Ortskundige zudem zu berichten. Danach sei dieser Ökonomieteil direkt wieder aufgebaut worden - es handelt sich hierbei also um den jüngsten Bereich des Anwesens. Die Bauzeit der restlichen Teile verortet Kevin Kunz „schätzungsweise im 18. Jahrhundert oder sogar früher.“