Auch im Winter 2015 musste am Feldberg auf den Schnee lange gewartet werden. Jetzt wird gehofft, dass nächste Woche endlich Schnee fällt. Foto: dpa/Patrick Seeger

Zwei schneereiche Winter haben die Hoteliers im Hochschwarzwald wegen Corona weitgehend verstreichen lassen müssen. Jetzt dürfen sie wieder öffnen, doch statt weißer Pracht gibt es nur braune Hänge. Aber lohnt der Ausbau der künstlichen Beschneiung überhaupt noch?

Vom Schlepplift in Waldau bei Titisee-Neustadt tropft traurig das Regenwasser. Schneeberg heißt der Hang, doch nur winzige weiße Reste sind übrig geblieben. 300 Meter höher, auf dem Feldberg, ist es das gleiche trostlose Bild. Auf fünf Betriebstage kommt der Liftverbund bisher in diesem Winter. Vor einem Jahr waren es zur selben Zeit schon mehr als 30 gewesen. Ein Drittel der Saisoneinnahmen ist weggebrochen.

 

Thomas Banhardt, Chef des Feldberger Hofs, blickt hinüber auf die braunen Hänge am Seebuck. Sein Familienhotel ist ausgebucht, und seine Fundorena, ein Indoor-Spielplatz mit Hochseilgarten, Trampolinpark und Eislaufbahn, boomt. 30 Prozent betrage das Besucherplus, schätzt er. Eigentlich könnte der Hotelier zufrieden sein. „Die Gäste vermissen den Schnee, aber wir können sie beschäftigen“, sagt er. Allerdings müsse man in die Zukunft schauen, und da könne sich ein enttäuschender Winter auf die Buchungszahlen auswirken. Die Frage sei, ob man die höheren Preise im Winter in Zukunft noch durchsetzen könne. Ohne einen Ausbau der Beschneiung werde es wohl nicht gehen.

Zuwachs auf niedrigem Niveau

Die vergangenen zwei Jahre waren schwierig für die Branche im Hochschwarzwald. 2021 fiel die Wintersaison coronabedingt ganz aus. Ausgerechnet da hatte man Schnee wie nie. Klaus-Günther Wiesler gibt sich dennoch zufrieden. „Schnee wäre natürlich besser, aber da es nirgendwo Schnee gibt, ist es nicht ganz so tragisch“, sagt der Chef des gleichnamigen Seehotels in Titisee und Sprecher der örtlichen Hoteliers. Über Weihnachten und Neujahr seien die Betriebe ausgebucht gewesen, in den kommenden Wochen gebe es noch freie Betten. „Aber wir liegen besser als im Vorjahr.“ Es sei ein Zuwachs, aber auf niedrigem Niveau.

Im für den Tourismus zuständigen Stuttgarter Wirtschaftsministerium weiß man um die besondere Wettersensibilität der Wintersportorte. Das Ministerium empfiehlt, schneeunabhängige Freizeitvergnügen wie das Wandern zu propagieren und „den Fokus auf eine Ganzjahrestourismusstrategie zu verlagern“. Doch der Feldberger Bürgermeister Johannes Albrecht ist skeptisch. Zum einen sei man längst eine Ganzjahresdestination. Zum anderen sei die Wertschöpfung im Wintersport eine ganz andere.

Ein Wintersportler lässt mehr Geld da

„Ein Skifahrer gibt vier bis fünfmal so viel Geld aus wie ein Wanderer“, sagt Albrecht. Er miete oder kaufe sich Skier, bezahle für den Lift und lasse mehr Geld in den Restaurants liegen. Der Bürgermeister führt aber auch ökologische Argumente an. „Dreiviertel der CO2-Emissionen entfallen beim Wintersport auf die Anfahrt. Da ist es doch besser, die Leute kommen zu uns ins Naherholungsgebiet, als dass sie in die Hochalpen fahren.“

Früher war der Feldberg in schwächeren Wintern Deutschlands Schneeinsel. Doch andere haben aufgerüstet. Neidisch blickt Albrecht nach Winterberg im Sauerland oder nach Garmisch, wo dank Kunstschnee auch jetzt bis hinunter auf 900 beziehungsweise 700 Meter Ski gefahren wird. Der Feldberggipfel misst 1493 Meter, doch es fehlt an einer leistungsfähigen Beschneiung.

Absage vom Land

Die beiden vorhandenen Wasserspeicher fassen zusammen 8600 Kubikmeter. 120 000 Kubikmeter wären nötig. Doch bisher ist der Ausbau nicht über die Planungsphase hinausgekommen. „Wir brauchen ein politisches Bekenntnis der Landesregierung für den Wintersport im Hochschwarzwald“, fordert Albrecht. Doch das Wirtschaftsministerium ist zurückhaltend. Große Investitionen in Beschneiungsanlagen seien vor dem Hintergrund der aktuellen Energiekrise und angesichts des Klimawandels genau zu prüfen, heißt es aus dem Ministerium. Mittel aus der Tourismusförderung des Landes stünden dafür jedenfalls nicht zur Verfügung.