In der Kernstadt sind die Entwicklungspotenziale für Neubaugebiete gering. Foto: Thomas Fritsch

Calw erarbeitet momentan einen neuen Flächennutzungsplan. Trotz Einschränkungen aus dem Naturschutz stehen künftig wohl mehr Bauflächen zur Verfügung als bis bisher.

Der bisherige Flächennutzungsplan stammt aus dem Jahr 2002. Er wurde zwar mehrfach überarbeitet, zuletzt 2021. Doch seit mehr als einem Jahr arbeitet die Stadt daran, diesen Plan für die Jahre bis 2040 grundsätzlich neu aufzustellen. Das liegt auch daran, dass das der Regionalverband Nordschwarzwald gleiches mit dem Regionalplan vorhat. Der wiederum ist Grundlage für den Flächennutzungsplan. Und der ist die Basis für künftige Bebauungspläne.

 

Ein Flächennutzungsplan legt also fest, wo im Stadtgebiet langfristig Gewerbe und Wohnbau umgesetzt werden könnte. Dazu definiert er Grünflächen, die nicht bebaut werden dürfen. Für Letztere spielen Naturschutzvorgaben eine Rolle. Flächen, die im Regionalplan als Grünzüge ausgewiesen sind, sind für Bauvorhaben tabu.

Und, so erklärte der Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen, Andreas Quentin, im Bau- und Umweltausschuss, es kommen noch weitere Einschränkungen hinzu. Denn die Landesanstalt für Umwelt habe im Stadtgebiet Flachlanmähwiesen kartiert. Diese dürften künftig ebenfalls nicht bebaut werden. Davon gebe es viele in Calw. „Das ist ein harter Einschnitt in die Planungshoheit der Stadt“, sagte Quentin.

Altburg

Diese Kartierung betrifft direkt die Peterlesäcker. Diese Fläche wäre wegen der Flachlandmähwiesen aktuell nicht genehmigungsfähig, steht in der Vorlage. Ähnlich ist es bei der Fläche östlich der Weltenschwanner Straße. Kleinere Flächen am nördlichen Ortsrand von Speßhardt oder an der Krokusstraße in Weltenschwann sind aber weiterhin in der Planung.

Alzenberg/Wimberg

Auch in Alzenberg behindern die Flachlandmähwiesen ein größeres Neubaugebiet. Das hatte die Stadt ursprünglich auf Flächen auf beiden Seiten der Ortseinfahrt von der Bäckerei Raisch her kommend vorgesehen. Doch das Gebiet nördlich der Straße scheidet nun aus. Übrig bleibt nur die deutlich kleinere Fläche südlich der Straße. Auf dem Wimberg wurden alle in den vergangenen Jahren ausgewiesenen Gebiete bebaut. Neuausweisungen habe die Stadt deshalb nicht vor, so Quentin. Denn eine Erweiterung sei nur möglich, wenn dafür Waldfläche verbraucht würde.

Kernstadt

In der Kernstadt sind die Entwicklungspotenziale für Neubaugebiete gering. Das liegt hier aber nicht an Flachlandmähwiesen, sondern an der engen Tallage. Eine Ausnahme bildet hier das Areal des alten Krankenhauses. Diese kauft die Stadt dem Landkreis ab. Hier soll künftig eine Wohnbebauung realisiert werden. Der Gemeinderat ist in ein entsprechendes Verfahren bereits eingestiegen, wartet aber noch auf Fördergelder.

Heumaden

Etwas mehr Potenzialflächen für Neubaugebiete gibt es in Heumaden. Eine große Fläche im Calwer Feld könne jedoch erst genutzt werden, wenn es die Süd-Ost-Umfahrung gebe, so Quentin. Denn die Vogteistraße sei als alleinige Zufahrt nicht ausreichend. Beim Schafweg im Nordwesten Heumadens gebe es aber noch eine Restfläche. Und eine Erweiterung des Baugebietes Galgenwasen nach Norden sei ebenfalls noch möglich. Diese Erweiterung müsse aber näher an die Bundesstraße rücken. Denn auf der eigentlich ins Auge gefasste Fläche befinden sich nun eine Flachlandmähwiese, erklärte Quentin.

Hirsau

Quentin führte aus, dass der Naturschutz die Erschließung neuer Baugebiete in Hirsau stark einschränke. Lediglich eine kleine Fläche unterhalb des Conventrains steht noch im Flächennutzungsplan. Ein Baugebiet Ochsenäcker in der Nähe des Bahnhofs sei an der Weigerung mancher Grundstückseigentümer gescheitert, so Quentin.

Holzbronn

Naturschutz, Landschaftsschutzgebiete, Vorrangebiete für die Landwirtschaft - in Holzbronn „gibt es keine weiteren Potenziale“ für Neubaugebiete, so Quentin. Lediglich kleinere Erweiterung am nördlichen und westlichen Ortsrand seine möglich.

Stammheim

In Stammheim wurden in den letzten Jahrzehnten zwei große Neubaugebiete erschlossen. Zum einen wurde das Gebiet Lunkteile erweitert, zum anderen die Mühläcker realisiert. In Planung ist bereits das Neubaugebiet Hubäcker. Mögliche Flächen an der Galgenbergsteige werden wegen des regionalen Grünzuges verkleinert, so Quentin. Ein weiteres Gebiet auf dem Bühl Richtung Rottannen falle wegen des Naturschutzes heraus. Eventuell ändere sich aber der Regionalplan, was eine Bebauung ermöglichen könnte. Eine Umnutzung der Fläche des Campingplatzes sei aber möglich.

Insgesamt mehr Flächen

Während im alten Flächennutzungsplan knapp 35 Hektar für neue Wohnbauflächen zu Verfügung standen, sind es im neuen - trotz aller Einschränkungen - knapp 39 Hektar, rechnete Quentin vor. „Wir haben mehr Flächen, obwohl wir unsere Landschaft schützen“, sagte Rainer Burkhardt (SPD/Grüne) dazu. Die vielfache geäußerte Kritik an der Ausweisung der Flachlandmähwiesen könne er deshalb nicht verstehen. Quentin gab noch an, dass der neue Flächennutzungsplan in etwa einem Jahr final stehen soll.