Die Entwicklung der Einwohnerzahl gehört zu den wichtigsten Strukturdaten bei der Fortschreibung des Flächennutzungsplans.
Das machte Stadtplaner Andreas Quentin bei einem Informationsabend im Kursaal Hirsau deutlich. Und Calw wird wachsen: von derzeit 25223 Einwohnern auf bis zu 29500 bis 2040, wie ein von der Stadt beauftragtes Tübinger Fachbüro errechnet hat.
Es ist höchste Zeit
Derzeit ist die Stadt dabei der Flächennutzungsplan zu erstellen. Das letzte Mal geschah das 2002. Da war Werner Spec noch Oberbürgermeister. Und alle 15 bis 20 Jahre sollte das geschehen. Es wird also höchste Zeit. Inzwischen sind 25 Änderungen vorgenommen worden.
Bei einer wachsenden Bevölkerung braucht es auch mehr Platz für Wohnen und Gewerbe. Im laufenden Verfahren wurden für den Wohnbau 50 bis 60 Hektar ermittelt, für das Gewerbe 30 Hektar.
Nicht nach Gutdünken
Nun ist es nicht so, dass Stadtverwaltung und Gemeinderat nach Gutdünken Bauland erschließen können. Da haben in Sachen Raumordnung und Landesplanung der Regionalverband Nordschwarzwald und das Regierungspräsidium Karlsruhe ein gewichtiges Wort mitzureden, wie Quentin erläuterte.
So gibt es Bauverbote, etwa in Biotopen. Zu berücksichtigen sind zudem die Belange des Hochwasser-, Landschafts- und Naturschutzes. Das machte der Leiter des Fachbereichs Planen & Bauen an einem konkreten Beispiel deutlich. Da eine Freiluftschneise frei gehalten werden muss, ist es nicht möglich, die Baulücke zwischen dem Stadtteil Stammheim und dem Gewerbegebiet Kimmichwiesen zu schließen.
Auch gestalten sich die Verhandlungen mit Grundstückseigentümern zuweilen schwierig. Im Gewann Ochsenäcker in Hirsau sind sie gescheitert. Erweiterungsmöglichkeiten verbleiben dort, so Quentin, im Conventrain und in Ernstmühl westlich der Nagold. Erfolgreicher verliefen die Verhandlungen in Altburg entlang der Weltenschwanner Straße.
Schwierige Topographie
Aufgrund der Topographie sind die Möglichkeiten vor allem in der Innenstadt stark eingeschränkt. Der Blick fällt da auf das Krankenhausareal vor dem Hintergrund des Neubaus des Gesundheitscampus im Stammheimer Feld. Da laufen, so Quentin, spannende Verhandlungen mit dem Landratsamt, denn das Gelände befindet sich im Besitz des Kreises.
Was die Gewerbegebiete anbelangt, ist mit dem Lindenrain mit einer Fläche von 21 Hektar schon eine ganze Menge vervespert. Gedacht wird an einen dritten Abschnitt im Würzbacher Kreuz. Allerdings ist dort wegen der Eingriffe in den Wald laut Quentin mit umfangreichen und damit teuren Umweltverträglichkeitsprüfungen zu rechnen, so dass eine Umsetzung derzeit fraglich ist.
Sichtlich enttäuscht
Vom Besuch der Infoveranstaltung war Quentin sichtlich enttäuscht, schließlich geht es um die städtebauliche Entwicklung der Hesse-Stadt in den nächsten 15 Jahren. Um die 100 Bürgerinnen und Bürger hatte er erwartet, mehr als eine Hand voll Interessierter war nicht erschienen.
Seit dem 11. Juli läuft die Beteiligung der Bürger und der Träger öffentlicher Belange. Sie endet am 12. September. Dann geht der Flächennutzungsplan wieder in die Ortschaftsräte, den Bauausschuss und den Gemeinderat. Den Feststellungsbeschluss erwartet Quentin spätestens im zweiten Quartal 2027.