Im bereits erschlossenen Gewerbegebiet Neuen ist nur noch ein Platz frei. In der Verlängerung der Erwin-Link-Straße wird die Erweiterung auf Gemarkung Durchhausen erfolgen. Zudem plant Trossingen gemeinsam mit Talheim nun ein interkommunales Gebiet. Foto:  

Ansiedlungswillige Firmen haben in der Musikstadt keine große Wahl mehr, denn aufgrund der kleinen Gemarkung und der Landwirtschaft wird es eng. Deshalb sucht man jetzt auch den Schulterschluss mit Talheim.

Wie Bürgermeisterin Susanne Irion im Gemeinderat mitteilte, ist im Gewerbegebiet Neuen nur noch ein Bauplatz frei, der rund 6000 Quadratmeter groß ist.

 

Das 20 Hektar große Gewerbegebiet Neuen wird seit dem Jahr 2010 zusammen mit der Nachbargemeinde Durchhausen vermarktet, beide Kommunen haben für die Erschließung einen Zweckverband gebildet. Ansonsten sieht es in Trossingen mit größeren Gewerbeflächen mau aus.

„Wir sind bei den Gewerbegebieten an unseren Grenzen angelangt, wir können nichts mehr ausweisen“, so Bürgermeisterin Susanne Irion.

Wunsch aus Talheim

Weil in der Stadt acht Vollerwerbslandwirte ihre Höfe betreiben, sei eine weitere Umnutzung der bäuerlichen Produktionsflächen zu Baugebieten mit der Gefahr verbunden, die Existenz der Bauern zu gefährden. Deshalb kam der Wunsch der Nachbargemeinde Talheim, zusammen mit Trossingen ein interkommunales Gewerbegebiet auszuweisen, der Rathausspitze in der Musikstadt entgegen.

Solche interkommunale Gewerbegebiete sind für Städte und Gemeinden nicht zuletzt deshalb interessant, weil die Erschließung im Rahmen des baden-württembergischen Förderprogramms ELR mit bis zu 750 000 Euro bezuschusst werden kann. Auf Talheimer Gemarkung stehen südlich der Mülldeponie in den Gewannen Pfannenstiel und Bei der Heubelenbruck Flächen mit einer Ausdehnung von knapp 21 Hektar zur Verfügung, die nun, wie der Trossinger Gemeinderat beschloss, als interkommunales Gewerbegebiet ausgewiesen werden sollen.

Angrenzend an Ried

Das neue „Interkommunale Gewerbegebiet Ried Süd“ grenzt direkt an die Bundesstraße 523 an. Im Norden liegt das bestehende Gewerbegebiet Ried West und Ost sowie die Kreisstraße 5919. Die Flächen werden derzeit als Ackerland genutzt. Eine kleine Gemeinde wie Talheim dürfte nach dem gültigen Regionalplan ein solch großes Gewerbegebiet heutzutage nicht mehr ausweisen, weil es über dem Bedarf einer Gemeinde dieser Größe liegt.

Die beiden Kommunen vereinbarten, dass die Verbandsversammlung des Zweckverbandes paritätisch besetzt wird, jeweils zur Hälfte aus Trossinger und Talheimer Ratsmitgliedern.

Vorsitzender des Zweckverbandes soll der Bürgermeister der Gemeinde sein, auf deren Gemarkung das Gewerbegebiet liegt, also Talheim.

Ganz unkonventionell sah dies Trossingens Bürgermeisterin Susanne Irion so: „Das spart uns Verwaltungskosten.“ Auch die Kosten der Erschließung, die später größtenteils wieder von den Investoren erstattet werden, teilen sich Trossingen und Talheim 50:50.

Es wird geteilt

Schließlich macht man auch bei den Einnahmen aus der Gewerbesteuer halbe-halbe, lediglich die Grundsteuer steht vollumfänglich der Standortgemeinde Talheim zu.

Es sei wichtig, dass Trossingen ansiedlungswilligen Unternehmen Flächen anbieten könne, sagte die Bürgermeisterin. Zwar habe die Stadt im Flächennutzungsplan noch weitere Areale als mögliche Gewerbegebiete ausgewiesen, „aber es ist immer besser, mehrere Eisen im Feuer zu haben“, so Irion. Wie Jochen Schweizer vom Baurechtsamt der Stadt sagte, müsse der Bedarf an weiteren Gewerbeflächen gegenüber den Aufsichtsbehörden nachgewiesen werden, beispielsweise anhand von Anfragen von Unternehmen, die nicht bedient werden konnten.

„Ein Glücksfall“

Gustav Betzler (Freie Wähler) nannte das geplante gemeinsame Gewerbegebiet mit Talheim einen Glücksfall, während Thomas Herrmann (SPD) darauf hinwies, dass die „Natur nicht unendlich zur Verfügung“ stehe und die Stadt ein Interesse haben müsse, diese zu schützen. Ingo Hohner (Freie Wähler) nannte es positiv, dass Talheim auf Trossingen zugekommen sei und nicht mit einer anderen Nachbargemeinde ein solches Gewerbegebiet ausweise. Gerhard Brummer plädierte für eine nachhaltige Ausrichtung des Gewerbegebietes. Dies könne, wie Bürgermeisterin Susanne Irion erläuterte, durch den Bebauungsplan oder privatrechtliche Vereinbarungen mit den Grundstückskäufern vereinbart werden. Sie und ihr Amtskollege Andreas Zuhl aus Talheim unterzeichneten am Tag nach der Gemeinderatssitzung die Zweckverbandssatzung.