Der Gemeinderat begrüßt mit großer Mehrheit die Ansiedelung eines Surfparks. Doch ehe in Lahr Surfer die Welle reiten können, gibt es noch einige Fragen zu klären, in erster Linie die nach dem Standort. Dafür kommen mehrere Flächen in Frage.
In der Sache waren sich die Stadträte einig – nämlich dass die Ansiedelung eines Surfparks für Lahr ein Gewinn sein kann. Im Ton waren die Statements bei der Sitzung am Montagabend aber durchaus verschieden – denn es gab auch Ratskollegen, die Bedingungen oder sogar Ausschlusskriterien formulierten. Zum Schluss sah sich OB Markus Ibert sogar genötigt, klarzustellen, dass die Stadt sich über einen Surfpark in Lahr freuen würde – den skeptischen Stimmen im Gemeinderat zum Trotz.
Die Abstimmung ergab dann wieder, wie berichtet, ein eindeutiges Bild: Alle Ratskollegen – einmal mehr bis auf Manfred Himmelsbach von der AfD – stimmten für den Vorschlag der Verwaltung. Demnach unterstützt die Stadt das Vorhaben eines Surfparks in Lahr und eröffnet die Suche nach einem geeigneten Standort, wobei ein noch zu entwickelnder Kriterienkatalog zum Tragen kommen soll. Eine dieser Kriterien dürfte zum Beispiel die gute Verkehrsanbindung sein.
Auf dem Flugplatzareal müssten mehrere Gebäude abgerissen werden
Konkrete Standortvorschläge gibt es noch nicht, die Investoren um Mario Gerlach haben sich aber durchaus schon dazu geäußert, wo sie sich ihren Surfpark vorstellen können. Zu entnehmen ist das Unterlagen, die sie den Stadträten zur Verfügung gestellt haben. Ilona Rompel, die Fraktionssprecherin der CDU, zitierte am Montagabend daraus. Demnach gibt es drei Alternativen – das Zuckerhof-Areal in der Nähe der Autobahn, das Flugplatz-Ostareal in Richtung Hugsweier, wo mehrere alte Gebäude abgerissen werden müssten, und das Industriegebiet West zwischen der Schaeffler-Straße und der B 415. Gut möglich, dass die Surfer beim letztgenannten Standort später Sichtkontakt zum neuen Lahrer Klinikum hätten, das auf der anderen Seite des Autobahnzubringers in der Nähe von Langenwinkel gebaut werden soll.
Beim regelmäßigen Pressegespräch im Nachgang jeder Gemeinderatssitzung äußerte sich Ibert zur Standortsuche, die dem Vernehmen nach unter der Federführung von Wirtschaftsförderer Robin Derdau laufen soll. Der OB sagte, dass der Surfpark von der Autobahn leicht erreichbar sein müsse, doch auch die „Anbindung an die Innenstadt“ solle gegeben sein. Denn während „Papa surft“, soll der Rest der Familie unkompliziert zum Einkaufen können.
Es braucht eine mindestens drei Hektar große Fläche
Nimmt man diese Aussage zum Maßstab, würde manches für den Bereich zwischen Schaeffler-Straße und B 415 sprechen. Wobei Ibert freilich keinen Standortfavoriten benannte, sondern lediglich, welche Voraussetzungen die Surfpark-Lage seiner Ansicht nach erfüllen sollte. Es komme jetzt darauf an, mutig zu sein und zusammen mit dem Investor die beste Lösung zu finden, so der Rathauschef.
Gesucht wird eine mindestens drei Hektar große Fläche, die Platz bieten soll für einen Surfpool von etwa 100 Metern Breite und 150 Metern Länge, in dem 90 Surfer gleichzeitig die Welle reiten können sollen, wie zu hören war. Es soll auch Platz sein für ein Hotel, eine Gastronomie sowie eine Indoor-Sporthalle mit Wellness-Bereich. Außerdem für Parkplätze für die rund 200 000 Besucher jährlich, mit denen die Investoren rechnen.
Stadträte äußern Zustimmung und Skepsis
Bei den Stadträten werden sie mehrheitlich mit offenen Armen empfangen. So sagte Klaus Schwarzwälder von den Freien Wählern, dass der Surfpark „eine Riesen-Chance“ für Lahr sei, die ihn persönlich begeistere. Neue Arbeitsplätze würden entstehen, außerdem Angebote für die Jugend und ein Hotel, das die Stadt ja ohnehin brauche.
Vorsichtiger äußerte sich Dorothee Granderath (Grüne): Ihre Partei sei „offen für den Prozess“, allerdings dürfe für den Surfpark keine Naturfläche verlorengehen, er dürfe nur auf bereits versiegeltem Gebiet gebaut werden. Bei der Energieversorgung müsse auf Ökostrom gesetzt, das Grundwasser dürfe nicht angetastet werden. „Die Messlatte liegt hoch für uns“, so Granderath.
Roland Hirsch plädierte für Optimismus, „wir sollten mutig und unbefangen an das Thema herangehen“, sagte der SPD-Fraktionssprecher. Es sei „erfreulich, dass sich der Investor Lahr ausgesucht hat“, denn es sei „ein Projekt mit hohem Mehrwert“. Er sei zuversichtlich, dass sich ein geeigneter Standort finden lasse.
Ilona Rompel (CDU) verdeutlichte die Dimensionen des Projekts, sie sprach von einer „in sich geschlossenen Sport- und Tourismuswelt“, die da in Lahr entstehen solle. Deshalb müsse auch einiges geprüft werden, von der Wasserversorgung (ohne Eingriff ins Grundwasser) bis zur Rückbauverpflichtung. Generell kam aber auch von ihr Zustimmung. Der Surfpark wäre nach Rompels Ansicht „ein Alleinstellungsmerkmal mit großer Strahlkraft für Lahr“.
Jörg Uffelmann (FDP) warnte vor Pessimismus, zu viele negative Stimmen würden den Investor abschrecken. „Wir wollen“ – diese Botschaft gelte es zum jetzigen Zeitpunkt zu vermitteln. Seine Parteikollegin Regina Sittler überraschte am Montag mit der Information, dass sie ein Jahr lang in einem Surfpark in Bahrain als Surflehrerin und Instructor gearbeitet habe. Die dort künstlich erzeugte „Monsterwelle“ sei eine große Attraktion, die Menschen auch von weither angelockt habe. Ihre Vorfreude auf den Lahrer Surfpark äußerte Sittler auch damit, dass sie kurz das Lied „Surfin’ U.S.A.“ von den Beach Boys anstimmte.
Wilfried Wille (CDU) lobte die unternehmerische Initiative, die hinter dem Projekt steht. Für die Stadt komme es nun in erster Linie darauf an, dem Investor ein „positives Feedback zu geben.
Während Stadtrat Jürgen Durke forderte, dass Ökologie und Naturschutz beim Surfpark beachtet werden, äußerte sich Manfred Himmelsbach (AfD) in der Gemeinderatssitzung mehr als skeptisch. Er befürchte, dass die Stadtverwaltung den Kriterienkatalog für die Standortsuche „nach den Wünschen des interessierten Investors entwickeln und sich dabei nicht vorrangig an den Belangen des Gemeinwohls orientieren“ werde.
Fahrt nach Sion geplant
Konkurrenz in der Nähe braucht der mögliche Lahrer Surfpark nicht zu befürchten. Die nächste vergleichbare Anlage befindet sich in Sion in der Schweiz, in der Nähe des Matterhorn. Der dortige, im Jahr 2021 eröffnet Surfpark hat ein 100 Mal 100 Meter großes Becken, von den Betreibern Lagune genannt. Außerdem bietet die Anlage unter anderem noch eine Surfschule, einen Surfshop, ein Restaurant und ein Hotel. Weil das Ganze vergleichbar ist mit dem, was in Lahr entstehen soll, plant die Stadt eine Informationsfahrt nach Sion für den Gemeinderat, teilte OB Ibert bei der Pressekonferenz im Nachgang der Gemeinderatssitzung mit.