Dort, wo Schwenningen eigentlich schon fast zu Ende ist, erstreckt sich im Gürgele ein wahres Kleinod – besser gesagt "Paradies", wie es die Mitglieder des Bunds für Freiluftliebende (BFFL), der dort beheimatet ist, sagen. Unsere Redaktion hat sich davon einen Eindruck verschafft.
VS-Schwenningen - Das schöne Wetter und die milden Temperaturen locken an diesem frühen Morgen bereits einige sonnenhungrige Mitglieder ins Areal des BFFL, das ein bisschen versteckt hinter den Schrebergärten im Gürgele, linker Hand der Dauchinger Straße, liegt. Auf mehr als 10.000 Quadratmetern haben sie alles, was das Herz eines jeden FKK-Freundes begehrt: frisch gemähte Rasen-Liegefläche, soweit das Auge reicht, ein beheizter Pool – derzeit allerdings noch außer Betrieb –, ein großzügiges Vereinsheim, zwei Flächen für insgesamt 24 Wohnmobilstellplätze mit Sanitär- und Küchenanlagen sowie einen Saunabereich.
Viele Mitglieder kommen von auswärts
"So stell ich mir das Paradies vor", sagt Dietrich Langler, seit rund einem Jahr Leiter der Abteilung BFFL, die neben dem Sonnenbädle dem Naturheilverein Schwenningen angehört, sofort, während er auf das Areal blickt. Wie ihm geht es rund 100 anderen Bürgern, die Mitglied der seit 1946 bestehenden Abteilung sind. Doch nicht alle kommen direkt aus Schwenningen, im Gegenteil: "Da wir das einzige FKK-Gelände im Südwesten haben, kommen viele von auswärts", erklärt Langler. Er selber ist aus dem Landkreis Tuttlingen, sein Stellvertreter Rudi Bruckmeier etwa fährt extra von Albstadt hierher. Der große Anteil der Mitglieder bestehe aus Tagesgästen, der übrige Anteil seien Dauercamper, die meist über das Wochenende oder im Urlaub ihren festen Stellplatz nutzten. Zudem gebe es vier Gast-Campingplätze für Camper aus ganz Europa, die dem Dachverband DFK angehörten.
Familienfreundliche Ausrichtung
Das Publikum sei quer gemischt, sagt Bruckmeier, tendenziell aber durch Ältere geprägt. "Natürlich ist der Versuch da, vermehrt Kinder mit ins Boot zu holen, aber da tun wir uns schwer", sagt Dietrich Langler mit Blick auf das grundsätzliche Nachwuchsproblem bei Vereinen. Dabei ist das Areal durchaus familiär ausgelegt: Neben dem Pool gibt es im oberen Bereich mehrere Spielgeräte samt Trampolin für die Kleinsten, und große Bäume sollen bei Bedarf Schatten spenden. "Manchmal kommen Omas mit ihren Enkeln hierher", sagt Langler, dessen Kinder im Gürgele sogar das Schwimmen gelernt haben.
So wird auf dem FKK-Gelände nach Herzenslust entspannt, die Ruhe genossen und geschwommen – mit einem Gebot: Kleidung ist nicht erlaubt. Doch was ist eigentlich der Reiz am "Nacktbaden"? "Ich möchte nahtlos braun werden und dies ausleben können", nennt Rudi Bruckmeier als Grund. "Die Gäste kommen, um einfach das Gelände zu genießen", sagt Dietrich Langler derweil.
Hygiene und Sicherheit werden groß geschrieben
Schlechte Erfahrungen, etwa mit Spannern, habe man im Gürgele bisher nicht gemacht. Nicht umsonst ist das Gelände mit Zäunen abgeriegelt und vor neugierigen Blicken geschützt. Wer hier hinein möchte, muss klingeln – oder hat als Mitglied einen Schlüssel. Neumitglieder haben zunächst eine Probezeit und alleinstehende Männer müssen ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Denn nicht nur die Hygiene, sondern auch die Sicherheit wird beim BFFL großgeschrieben, wie der Vorsitzende deutlich macht. "Wir gehen stets mit offenen Augen über den Platz."
FKK-Tendenz rückläufig
Und was das Thema FKK in Gesamten betreffe, sieht der Abteilungsleiter Deutschland als einstiges FKK-Ursprungsland nicht mehr so offen, wie es einmal war. "Die Tendenz ist im Saunabereich gleich, beim Nacktbaden aber rückläufig."
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Zu Diskussionen, wie jene um das "Oben-ohne"-Sonnenbaden von Frauen in Göttinger Freibädern (nachdem im vergangen Sommer deswegen eine Frau aus einem Freibad verwiesen wurde, ist ab sofort zumindest am Wochenende "oben-ohne" bei Frauen erlaubt) hat Dietrich Langler keine besondere Meinung. "Ich habe kein Problem damit. In Zeiten von Emanzipation sollten Frauen, wenn sie es wollen, sich ›oben ohne‹ hinlegen können."
Gute Gemeinschaft
Rudi Bruckmeier ist seit 2015 beim BFFL und sehr angetan von der Gemeinschaft unter den Mitgliedern. Abende, die man am Campingplatz oder auf der Terrasse des Vereinsheims miteinander verbringe, gebe es im Sommer viele. Auch zum gemeinsamen Arbeitsdienst treffe man sich mehrmals im Jahr, um das Gelände in Schuss zu halten. Denn zu tun gebe es hier immer etwas.
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Ein älteres Ehepaar, das schon seit 50 Jahren kommt, kümmert sich zudem regelmäßig um die Blumen. Als Projekt für die nahe Zukunft steht der Einbau einer neuen Steuerungsanlage für den Pool auf dem Programm – damit das BFFL-Gelände schnell wieder vollumfänglich genutzt und genossen werden kann.
Info: Die Kontaktdaten
Weitere Informationen zum BFFL Schwenningen gibt es auf der Homepage https://www.bffl-schwenningen.de oder unter der Telefonnummer 07720/79 77.