Bei sommerlich warmen Temperaturen und Sonnenschein strömen in diesen Tagen bereits am frühen Nachmittag zahlreiche Besucher an den Hirschauer Baggersee.
Sie genießen die Idylle, treffen Freunde, kühlen sich im Wasser ab und verbringen entspannte Stunden – Ferien daheim. Am Rittweg parkende Autokennzeichen verraten, dass sie längst nicht nur aus dem Kreis Tübingen kommen, sondern aus Reutlingen, Böblingen, Horb, Calw, Stuttgart und teils von weiter her.
Das Landratsamt nimmt regelmäßig Proben und bestätigte jüngst, dass die Wasserqualität in der ehemaligen Kiesgrube der Firma Epple zum Baden gut geeignet sei. Neben Bakterien wird das Wasser auf Blaualgen untersucht, die zu Hautreizungen führen können. Ist das Wasser auffällig blaugrün gefärbt oder findet sich ein sichtbarer, grüner „Teppich“ auf dem Wasser, sollte vom Baden abgesehen werden.
Doch die Wasserqualität des Sees in Hirschau erhielt ebenso wie jene im Kirchentellinsfurter See bereits zum vierten Mal in Folge die Bestnote „ausgezeichnet“.
Ungestörtes Schwimmen möglich
Beim Einstieg warten zumeist einige Algen, Äste und matschiger Boden. „Das ist eben kein Freibad“, sagt Gitta (53) aus Tübingen. Dafür könne man lange Strecken ungestört schwimmen, wenngleich viele Menschen auf Luftmatratzen und Stand-up-Paddles unterwegs sind. „Im Sommer komme ich fast jeden Tag nach der Arbeit her.“ Ins Freibad gehe sie nicht. Sie schätze die Ruhe am See ohne Kindergeschrei.
„Außerdem müsste ich sonst in einen Badeanzug investieren.“ Sie hält sich in einem Bereich auf, in dem sich Nacktbader und bekleidete Schwimmer mischen. „Über die Jahre sind hier einige Freundschaften unter den Stammbesuchern entstanden.“ So hält man sich zum Beispiel mit gemeinsamem Aquajogging fit. Dazu läuft vom Ufer aus motivierende Musik. Danach gibt es Vesper aus der Tupperdose – das verursacht keinen Müll.
Obwohl es verboten ist, werden immer wieder offene Feuer zum Grillen entzündet. Die meisten Badegäste nehmen ihren Müll mit. Ufer und Wege wirken sauber. Vorne am Eingang steht ein großer Müllcontainer, der dieser Tage abends fast überquillt.
Reisen sind teuer geworden
Ein Student aus Tübingen findet: „Es könnten mehr Mülleimer stehen.“ Zusammen mit seiner Freundin komme er im Sommer regelmäßig an den See und genieße die Natur. „Reisen sind inzwischen teuer geworden“, so der 22-Jährige. Liegetuch, Sonnenschirm, Kühltasche und Luftmatratze – alles dabei in Hirschau. Und der Platz im Schatten eines Baumes war schnell gefunden. „Wir wären schon letztes Jahr gerne auf eine griechische Insel gefahren“, sagte der Student. Der heimatliche Baggersee sei dafür schneller und klimafreundlich mit dem Lastenrad erreichbar. „Das spart auch die Parkplatzsuche. Nur die Algen vorne stören etwas beim Einstieg, ansonsten ist es besser als im Freibad.“
Privatsphäre für FKK-Besucher
Das Gestrüpp rund ums Wasser gedeiht prächtig, die wildwachsende Vegetation bietet den Besuchern im FKK-Bereich Privatsphäre. Die Freikörperkultur sei allemal besser, als Schönheitsidealen aus den sozialen Medien nachzueifern, meint eine ältere Dame. „Niemand sollte sich für sein Aussehen schämen oder sich unter Druck setzen lassen, einem bestimmten Standard zu entsprechen.“ Allein die Kleidung abzulegen, sei befreiend. „Es ist doch viel bequemer, ohne Stoff“, so die Nacktbaderin. „In der Natur kann ich mich am besten entspannen.“ Sie forderte, sich an die Regeln der Natur und des Sees zu halten, die auch auf einigen Schildern erläutert sind: Hunde an die Leine, keine motorisierten Fahrzeuge, kein Campen und Fernhalten von Vogelschutz- und Naturschutzgebieten. Denn natürliche Bewohner hätten Vorrang.