Käthe Kabeljau hatte Fischspezialitäten zum Genießen dabei, der Amsterdammer Piet befüllte den Magen der Gäste mit holländischen „Frietjes“. Foto: Norbert Sedlak

Die Marktschreier lassen in Weil am Rhein keine Möglichkeit aus, um sich aufzuziehen. Am „Wattwurm“ wird dem Kunden für jedes Kind eine Wurst versprochen – da kommt der dritte „Zwerg“.

Er ist berühmt, der Hamburger Fischmarkt, die Marktschreier brachten ihre Version davon jetzt auf den Platz vor dem LGS-Gelände. Zum Auftakt hatten die Nordlichter nicht nur ihre Waren, sondern auch das typische norddeutsche Schmuddelwetter mitgebracht. Der Auftakt am Karsamstag verlief entsprechend verhalten: Der Besucherandrang hielt sich zunächst in Grenzen.

 

Mit der Sonne kommt die Volksfeststimmung

Die Mitglieder der „Echten Gilde der Marktschreier“ ließen sich vom zunächst nicht wirklich schönen Wetter die Laune nicht verderben – sie hatten sichtlich Spaß und nahmen sich gegenseitig humorvoll auf die Schippe. Die gute Laune schien abzufärben, das Wetter besserte sich. Bei 20 Grad und entsprechend spürbaren Sonnenstrahlen ging es dann in Richtung Volksfeststimmung – zumal nebenan der Rummel eröffnete und immer mehr Menschen kamen.

Auf das traditionelle „Original Marktschreier-Frühstück“ mit Fassanstich und Freibier mussten die Besucher in diesem Jahr allerdings verzichten. Mit steigenden Temperaturen und zunehmendem Sonnenschein füllte sich der Festplatz jedoch zusehends, so dass die Marktschreier und die rund 30 weiteren Marktbeschicker noch auf ihre Kosten kamen.

Der Fischmarkt ist von Mitte Februar bis Ende November deutschlandweit auf Tour – von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen. Dabei sorgen die Marktschreier-Ikonen für echte Fischmarkt-Atmosphäre und norddeutsches Flair. Es war erst der zweite Oster-Fischmarkt, die Marktschreier glauben allerdings an mehr Potenzial in der Grenzecke.

Die Marktschreier: Originell, laut, witzig ...

Mit Hamburger Akzent und in der typischen Hamburger Aufmachung empfangen die Marktschreier ihre Kunden und sorgen für echtes Fischmarkt-Ambiente. Mit lockeren Sprüchen locken sie die Kunden an ihre Stände. Vor den Augen der Besucher stellen sie die Tüten mit verschiedenen Waren zusammen, natürlich gehen sie auch auf die individuellen Wünsche ein, ohne den finanziellen Rahmen zu überschreiten. Mit unverwechselbaren Akzent verhökern sie die Waren umrahmt von lockeren Sprüchen. Mit dazu gehört es auch, sich gegenseitig auf höchst unterhaltsame Weise herunter zu machen. „Ist Dir von der Wurst dann übel, schick ich Dir gleich ’nen Kübel.“ Käse-Mey verkauft seine veredelten Milchprodukte nämlich in Plastikeimern. „Ich bin ehrlich zu Euch, wenn Ihr betrogen werden wollt, müsst Ihr Wurst kaufen“, ist ein weiterer gängiger Spruch.

Verschiedene Fischsorten gibt es bei „Aal-Hinnerk“, wobei der Aaö extra kostet – so teuer sei dieser mittlerweile. Foto: Norbert Sedlak

Ein echtes Urgestein ist „Aal-Hinnerk“, der seit 1994 mit dem Hamburger Fischmarkt und der „Echten Gilde der Marktschreier“ unterwegs ist. Sein Erfolgsrezept als Marktschreier: „Man darf keine Angst vor den Leuten haben, sollte auf sie eingehen sowie mit viel Witz und Spaß sie zum Kauf animieren.“

Mit markigen Sprüchen und Humor locken die Marktschreier die Besucher des Fischmarkts an ihre Stände. „Darf ich Sie glücklich machen, ohne Sie anzufassen“, rief Nudel-Kiri, und pries lautstark seine „Pasta vom Lasta“ an. Neben bekannten Markenprodukten wanderten auch Spaghetti und eine Flasche Pfirsich-Fruchtcocktail in die prall gefüllten Tüten – ein Angebot, bei dem kaum jemand widerstehen konnte.

Süßer Schokoladengenuss zur Osterstimmung

Unter dem Motto „Weil nascht“ sorgte Milkaaa-Maaaxxx, der selbst ernannte Schokogigant von der Küste, für süße Osterstimmung. Mit seinen launigen Sprüchen und großzügigen Portionen brachte er nicht nur Kinderaugen zum Leuchten.

Markige Sprüche

Für deftige Unterhaltung war ebenfalls gesorgt: „Leute, holt die Kohle raus, ich muss heute Abend ins Freudenhaus“, rief der „Wattwurm“ aus dem Bördeland in Sachsen-Anhalt und brachte die Menge zum Lachen. Besonders gefragt waren dabei seine Spezialitäten, die „legendären Lümmel von der Küste“, die reißenden Absatz fanden.

Deutlich ruhiger geht es am Stand von „Simply Clean“ zu. Ohne großes Geschrei, dafür mit ruhiger Hand, reinigt er die Brillen seiner Kunden und bietet damit einen wohltuenden Kontrast zum lauten Treiben der Marktschreier.

Internationale Käsespezialitäten gibt es bei Käse-Mey – und das, wie er versichert, zu „echten Kampfpreisen“: Zehn verschiedene Sorten für „sensationelle 20 Euro“ wechseln hier den Besitzer und sorgen für volle Einkaufstaschen.

Auch die Besucher zeigen sich begeistert: Gaby Lüdtke schwärmt vom original Fischmarkt. Eigentlich war sie auf der Suche nach frischem Obst – da dieses jedoch nicht im Angebot war, griff sie kurzerhand zu einem gut gefüllten Eimer mit Käse.

Valery und Tobias Nordmann beim Einkaufen

Peter Weber liebt vor allem das besondere Flair und die lockeren Sprüche der Händler. Fisch und Käse gehören für ihn dabei einfach dazu. Valery und Tobias Nordmann besuchen den Oster-Fischmarkt zum ersten Mal, sind bestens unterhalten und entscheiden sich schließlich für Schokolade und Wurst.

Hunger gleich vor Ort stillen

Für das leibliche Wohl ist ebenfalls bestens gesorgt: Zahlreiche Imbiss- und Getränkestände bieten eine große Auswahl. Besonders gefragt sind die Fischspezialitäten bei Käthe-Kabeljau – von Matjes über Nordseekrabben bis hin zu knusprigem Backfisch ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Wer es lieber herzhaft mag, greift zu Spezialitäten vom Holzkohlegrill oder gönnt sich Crêpes, Langos sowie holländische Pommes und Frikadellen, die vom „Amsterdamer Piet“ serviert werden.

Neben den Marktschreiern lädt auch der Krämermarkt zum entspannten Bummeln ein. Das Angebot reicht von Lederwaren, Süßigkeiten und Schuhen über Textilien und Körbe bis hin zu Trauer- und Glückwunschkarten sowie Schmuck.

Bis zum Ostermontag jeweils von 10 bis 19 Uhr haben Besucher noch die Gelegenheit, das bunte Treiben mit „Nudel-Kiri“, „Käse-Mey“, „Aal-Hinnerk“, „Milka-Maxxx“ und den „Wattwurm“ in voller Aktion zu erleben.