Stolz präsentiert Hobbyschnitzer Gebhard Rebmann seinen Holzstich von der Fischinger Burg „Wehrstein“ Foto: Schwind

Sein Ziel, die Burg Wehrstein pünktlich zur 1250-Jahr-Feier von Fischingen in Holz zu schnitzen, hat Gebhard Rebmann erreicht.

Sulz-Fischingen - Durch seine Heimatverbundenheit hat der Zeit seines Lebens in Fischingen wohnende Hobbyschnitzer und Holzkünstler Gebhard Rebmann das ehrgeizige Ziel, alle markanten Fischinger Bauwerke und Zeitzeugen in Holz zu schnitzen.

Große und kleine Fasnetsmasken

Nach dem Fischinger Ortswappen mit dem markanten Fisch, hat er die drei Narrentypen Buzefallus, Hakenmann und die Gründungsfigur der Fischinger Burghexe als große und kleine Fasnetsmasken, sowie in einem Holzstich alle drei Narrentypen gemeinsam vereint. In seinem Flur befindet sich der Holzstich der Pfarrkirche.

Eine eigene Geschichte ist für Rebmann seine Schnitzarbeit des Fischinger Kriegerdenkmals. Das steinerne Werk auf dem Friedhof hat nämlich sein Opa, der ihm auch noch den Vornamen teilt, als Steinbildhauer erschaffen. So schließt sich ein Kreis für ihn.

Das Schnitzen der Fischinger Burg Wehrstein, als wohl bisher schwierigste Herausforderung, hat sich Rebmann für das Jubiläumsjahr zu "1250 Jahre Fischingen" aufgehoben. Allerdings hat er nicht die Ruine, sondern die Rekonstruktion des Bauwerks als Burg in Holz gefasst. Da es keinerlei Baupläne zur Burg gibt, war die Herausforderung für den ehrgeizigen Fischinger groß.

Rolf Kreher unterstützt

Doch wie konnte er ohne Baupläne die Burg detailgetreu im verkleinertem Maßstab auf das Holz bringen? Nach einem Tipp wandte sich Rebmann an den Fischinger Burgenkundler Rolf Kreher, der bereits ein plastisches 3D-Modell von der Burg erstellt hat. Kreher ist in Fischingen kein Unbekannter. Neben seinem Burgenfieber betreut er in Fischingen die steinernen Zeitzeugen – in der Hauptsache die Fischinger Grenzsteine. Und bei ihm sollte Rebmann tatsächlich ein großes Stück weiterkommen. Kreher hat seine aufwendigen Nachforschungen als Rekonstruktion in einer Handzeichnung und einer Maßskizze festgehalten.

Der Fischinger Ortsvorsteher Jürgen Huber unterstützte Rebmann mit einem Luftbild von seinem Drohnennflug. Huber retuschierte das Foto, indem er alle nicht schnitzbaren Elemente entfernte und letztlich nur noch die Mauern der heutigen Ruine übrig blieben. Auch das Stadtbauamt Sulz hatte das Fischinger Wahrzeichen früher schon einmal ausgemessen.

Durch die Kombination der drei Vorlagen kam Rebmann an die Maße des 100 Meter langen und 50 Meter breiten Bauwerks. Durch hochkopieren seiner Vorlage kam er auf den gewünschten Maßstab von 1:100. Diesen übertrug er auf Pergamentpapier und anschließend auf sein Lindenholzwerkstück. "Da es für mich eher unwahrscheinlich war, dass im Eingangs-Wehrturm keine Wohnung untergebracht war, habe ich noch Fenster hinzugefügt", gestand Rebmann. Um die Kontur hervorzuheben und zum Abkürzen der Schnitzarbeit, hat er den Hintergrund als Vertiefung ausgefräst.

40 Stunden Arbeit investiert

Einen Dämpfer erhielt er allerdings, als er sein fertiges Werk betrachtete. Er musste feststellen, dass der linke Burgbereich in Richtung Neckarhausen im Verhältnis zu kurz geraten war. Die 40 Stunden Arbeit waren, wie Rebmann sagt, nicht ganz umsonst. "Beim zweiten Mal geht es in der Regel schneller." So machte der Perfektionist an einigen Stellen noch ein Feintuning und war mit seiner Arbeit nach dem zweiten Versuch zufrieden.

Rebmann begann mit der Schnitzerei im Jahr 1983. Gleich zum Start hat er sich nichts Einfaches ausgesucht. Es sollte gleich das handgeschnitzte Familienwappen sein. Nach diesem Erfolgserlebnis war die Neugierde geweckt und Rebmann kam in eine Art "Holzrausch". Die Musterung des Holzes, die Farben: Alles interessierte ihn. Das Schnitzfieber hat Gebhard Rebmann, wie er erzählt, seit seiner Berentung und der jetzt vorhandenen Zeit erst richtig gepackt.