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Fischerbach Konzertfinale mit Rasta-Perücken

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Die Kapelle brachte die "First Suite in Es-Dur" mit projizierten Bilder aus dem Familienalbum des Jubilars auf die Bühne. Fotos: Dorn Foto: Schwarzwälder Bote

"Bilder und Klänge eines Jahrhunderts" standen beim Jahreskonzert der Musik- und Trachtenkapelle Fischerbach auf dem Programm. Dabei bewiesen die Musiker auch Sinn für Humor.

Fischerbach. Im 2019 komponierten "Torakusu-Marsch" spielte sich die Kapelle zu Ehren des 1916 verstorbenen Unternehmensgründers einmal durch die Produktpalette des japanischen Instrumentenbauers Yamaha. 1919 wie heute war und ist der Verein auf Spenden angewiesen. Im Gründungsjahr finanzierte Bergbäuerin Veronika Schmid die ersten Instrumente, 2019 spendierte die Wolfacher "Glückauf-Clara"-Stiftung die neue Bassposaune.

Mit den "Bildern einer Ausstellung", 1874 von Mussorgski komponiert und 1922 von Ravel für Orchester bearbeitet, führten die Kapelle große Musik-Literatur auf. Im "Alten Schloss" agierten die Musiker noch verhalten. Vorsichtig wurde Raum um Raum musikalisch entdeckt, Fenster geöffnet und der Staub aus den Vorhängen geklopft. Mit "Triller, Triangel, Tuilerien" war das zweite Bild gut beschrieben. Das Spiel der Kinder in den Pariser Gärten instrumentierte die Kapelle meisterhaft. Beim "Bydlo" war für die Holzbläser Erholung angesagt, sahen die Noten deren Einsatz doch erst vor, als die Bässe den Ochsenkarren aus dem Graben gezogen hatten. Auch dieses Bild gelang perfekt. Die "Hütte der Baba-Yaga" und das "Große Tor von Kiew" beendeten das 17-minütige Opus.

Im "Czardas-Swing" erwies die Kapelle ihrem Gründungslokal "Ochsen" die Ehre. Den Salut bliesen die Solo-Klarinettisten Bettina Waldmann und Gerd Brückner und lieferten sich mit Schlagzeuger Ulrich Heizmann ein Tempo-Duell. In Tschaikowskis Blumenwalzer war Waldmann als Solistin erneut gefordert, dann stieg die Kapelle harmonisch in die bekannte Melodie aus dem Ballett "Nussknacker" ein.

In seiner Laudatio würdigte Verbandspräsident Armin Klausmann die Trachtenkapelle als Leistungszentrum im Herzen des Blasmusikverbands Kinzigtal. Mit dem venezolanischen Tanz "Joropo" ging es in die Pause. Rhythmisch herausfordernd wurde an die Befreiung Venezuelas aus der spanischen Kolonialherrschaft 1819 erinnert.

Nach der Pause führte die Kapelle die Lebensgeschichte der Musiklehrer Gustav Holst (London) und Wilhelm Willmann (Fischerbach) zusammen. Willmann hatte 1909 die Lehrer-Stelle in Fischerbach angenommen. Im selben Jahr komponierte Holst die "First Suite in Es-Dur" als Antwort an die Kritiker, die Blasorchestern die Existenzberechtigung absprachen. 1919 stellte sich Willmann als Gründungsdirigent in den Dienst der "Harmonie" Fischerbach.

"Harmonie"-Gründer schreibt "First Suite"

In London wurde Holsts Suite uraufgeführt und ebnete der Blasmusik den Weg. Eingebettet in die Harmonie-Linien der Bässe und Tenöre begeisterten die Klarinetten, Querflöten und Oboen mit einer zu Herzen gehenden Melodie. Als weitere Stücke hatte die Kapelle "Beyond the Horizon" von Rossano Galante und ein Badnerland-Medley des 2019 viel zu früh verstorbenen Roland Kreid aufgelegt, in dem die Solisten Melanie Lehmann, Sebastian Vollet, Reinhard Scherer und Bernd Schmid als Dixieland-Combo überzeugten.

Im Finale feierte Solistin Angelina Schmid mit dem Lied "Ich gehör nur mir" aus dem Musical "Elisabeth" ihre Bühnenpremiere. Dann holte die Kapelle mit "Woodstock ‘69" "Love, Peace and Happiness" auf die Bühne. Rasta-Perücken wurden aufgezogen, selbst Dirigent Münchbach zeigte sich im Batik-Hemd. Zur Zugabe ließ sich Angelina Schmid vom Groove anstecken. Wo die 18-jährige Schnellingerin als Sissi zuvor ihr Selbstbewusstsein schüchtern deklamiert hatte, "rockte" sie jetzt zu "Katrina & the Waves‘" "Walking on sunshine" die Halle.

Im Abspann dankte Bürgermeister Thomas Schneider den Musikern für das Konzert und Vorstand Jürgen Isenmann für die Idee mit dem Jubiläumskalender zugunsten des Kindergartens und der Grundschule (wir haben berichtet). Als Gewinnerin unter allen, die zum Kalender beigetragen hatten, wurde Erika Kornmaier ausgelost. Sie gewann einen Einkaufsgutschein für das Fischerbacher Lädele.

Zu guter Letzt setzte sich Isenmann nonchalant über vorstandsinterne Absprachen hinweg und ehrte Schriftführerin Andrea Kalt für 25 Jahre im Verein, von denen sie sich 19 Jahre bereits in im Vorstand engagiert hat.

Moderatorin Edith Schmid wartete mit vielen Details auf. So haben in 100 Jahren lediglich sieben Vorstände und sieben Dirigente. Aktuell spielen 17 Musiker aus der Urenkel-Generation der zehn Vereinsgründer in der Kapelle. Seit 1987 dürfen auch Frauen in der Kapelle mitspielen.

Ihre Redaktion vor Ort Hausach

Charlotte Reinhard

Fax: 07832 9752-15

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