Benjamin Luithle steht auf Steinen in der Brigach und hält Ausschau nach Fischen. Foto: Eva-Maria Huber

Noch treibt sie nicht mit ihrem weißlichen Bauch nach oben. Aber dem Sensibelchen unter den Fischen, der Bachforelle, machen Hitze und Niedrigwasser schwer zu schaffen.

Es ist einer der wenigen fast schon frühherbstlichen Tage in den vergangenen Wochen. Statt Temperaturen über 30 Grad zeigt das Thermometer an diesem Julitag keine 15 Grad. Statt azurblauen Sommerhimmel die selten gewordene starke Bewölkung.

 

Doch der Schein trügt. Das Jahr 2025, ohnehin auch im Schwarzwald eher niederschlagsarm, und dazu die Hitzewelle der vergangenen Wochen haben zu einem Niedrigwasserstand geführt, den das Landratsamt Schwarzwald-Baar unlängst zu einer Verfügung bewogen hat: Seit 9. Juli darf aus oberirdischen Gewässern kein Wasser mehr entnommen werden. Unter anderem auch, um ein Fischsterben in größerem Maße zu verhindern.

Benjamin Luithle steht in Villingen am Ufer der Brigach, einem idyllischen Ort nahe der Peterzeller Straße, und beobachtet schweigsam das Wasser. Er ist einer der beiden Gewässerwarte der Anglergesellschaft Villingen. Er kann noch so aufmerksam das Wasser absuchen. Bachforellen? „Die sehen wir hier keine, seit gut zehn Tagen.“

Die Tiere suchen das Weite, verkriechen sich in Gumpen und Rinnen, und eben dort, wo das Brigachwasser noch einigermaßen komfortabel ist und damit um die 15 Grad beträgt. „Was wir noch sehen, sind die kleineren Fisch wie Döbel beispielsweise.“

Niedriger Wasserstand

Der 39-Jährige zeigt auf ein paar Ringe im Wasser. Nur von Forellen keine Spur. Derzeit, schätzt er, sei der Wasserstand der Brigach 80 Zentimeter niedriger als sonst. Regnerisches Intermezzo hin oder her: „Derzeit sehen wir nur Kleinfische, die weniger Sauerstoff benötigen.“ Und das wird, glaubt man den Sommerprognosen, auch so bleiben.

Klimatische Veränderungen machen dem ikonischen Schwarzwaldfisch das Leben schwer, Hitze stresst das viel besungene Wasser-Lebewesen: Bei anhaltender Hitze verfallen die Tiere in eine Art Winterschlaf, fahren ihren Stoffwechsel zurück und damit ihren Energieverbrauch. Die bis 45 Zentimeter langen Fische, zumindest in unseren Gewässern, bewegen sich nur noch, um sich zu ernähren und sich am Leben zu erhalten.

Das Jagdverhalten nimmt ab. „Doch lange halten die sensiblen Fische das nicht aus. Wenn der Juli durchweg heiß und trocken wird, dann..“ Dann? „Dann gibt es Alarm und dann könnte es zu einem punktuellen Fischsterben kommen.“

Unfall 2016

Aufgrund von einer Hitzewelle wäre dies das erste Mal? Luithle bejaht. „So etwas gab es bisher noch nie.“ Das letzte große Fischsterben in der Brigach sei im Jahr 2016 und auf einen Galvanik-Unfall zurückzuführen gewesen.

Problematisch ist die angespannte Situation auch für die Angler selbst. Mit dem Fang, so Luithle, sieht es mehr als bescheiden aus. Vor kurzem erst habe er, „genau hier“, seine Angel in die Brigach geworfen und nach einigen Versuchen zu sich gesagt: „Vergiss“ es.

Luithle, von Beruf aus Servicetechniker und seit 2020 bei der Anglergesellschaft Villingen, schaut noch einmal prüfend auf die Wasseroberfläche und auf die Steine, die seit einigen Tagen klar umrissen zu sehen sind. Tippt mit seiner Schuhspitze sanft an jenen Teil der Böschung, der eigentlich von Wasser bedeckt sein sollte. „Viel machen können wir nicht“, sinniert er.

Kein Stress machen

Nur ein Stressfaktor, so Luithle im Gespräch mit unserer Redaktion, ließe sich vermeiden: „Hunde sollten derzeit nicht in die tiefen Stellen der Brigach hinein jagen. Sonst bekommen die Fische noch mehr Stress, als sie jetzt schon haben.“

Um den „Stress“ möglichst niedrig zu halten und ein Fischsterben zu verhindern, hat das Landratsamt Schwarzwald-Baar ein Wasserentnahmeverbot aus allen oberirdischen Gewässern bis zum 30. September verfügt. Die Kreisbehörde begründet ihr Entnahmeverbot mit der anhaltenden Trockenheit und mit den seit Anfang 2025 insgesamt zu niedrigen Niederschlagsmengen und den hohen Temperaturen der vergangenen Wochen.

Hitze und fehlende Niederschläge verursachen neben den anhaltend niedrigen Wasserständen in den Fließgewässern erhöhte Wassertemperaturen und niedrige Sauerstoffgehalte. Dies führe zu einer verstärkten Algenbildung und vor allem zu einer erheblichen Belastung für die Fische und Gewässerlebewesen. „Mangelnder Sauerstoffgehalt kann letztendlich Fischsterben verursachen“, heißt es in dem Schreiben.

Brigach

Fischbestand
Nicht nur die Bachforelle gleitet durch das Wasser der Brigach in Villingen, sondern auch Schmerle, Aale, Gründlinge, Döbel und Barben.