Eine Flaschnerei feiert runden Geburtstag: Die Firma Linder Sanitär Heizung Solar ist 100 Jahre alt geworden. Foto: Kistner

Vor 100 Jahren wurde die Ebinger Firma Linder Sanitär Heizung Solar gegründet. Nun hat sie den runden Geburtstag im Lautlinger Gasthaus Krone gefeiert.

1925 gründete Eugen Linder in der Ebinger Pfarrstraße 26 eine Flaschnerei – wie Firmenchef Sven Trauschweizer in seiner Festansprache anmerkte, war das Bleirohr damals aktueller Stand der Technik, der Hammer eines der wichtigsten Arbeitsutensilien des Flaschners und Handwerk tatsächlich schweißtreibende Handarbeit.

 

Eine Generation später, 1954, legte Arno Linder, der Sohn des Firmengründers, erfolgreich die Meisterprüfung ab – der neben dem Gabentisch in der „Krone“ ausgestellte Goldene Meisterbrief, den ihm die Handwerkskammer Reutlingen 2004 verlieh, legte Zeugnis davon ab – und nur zwei Jahre später folgte eine der wichtigsten Zäsuren in der Unternehmensgeschichte, die Eröffnung des Ladengeschäfts im Spitalhof 7. In eins damit wurde das Leistungsspektrum beträchtlich erweitert; es umfasste fortan auch den Handel mit Öfen, Herden und Sanitärartikeln.

Neben Arno Linders Goldenem Meisterbrief lag noch ein zweiter, ziemlich aktueller: 50 und ein halbes Jahr liegt Rainer Linders bestandene Meisterprüfung zurück; 1980 wurde er an der Seite seines Vater Geschäftsführer. 1994 zog die Werkstatt in die Kientenstraße um, 2009 zog sich Arno Linder 85-jährig aus dem Betrieb zurück.

Paul-Gerhard Alber, der stellvertretende Kreishandwerksmeister (Mitte), gratuliert Sven und Nicole Trauschweizer. Mit seinen beiden Nachfolgern freut sich Rainer Linder (rechts). Foto: Kistner

Die folgenden Jahre waren geprägt vom globalen Wandel, mit dem der technologische eng einherging: Speerspitze des Fortschritts ist mittlerweile die Wärmepumpe; der Kohleofen hat ausgedient. 2018 übernahmen Sven und Nicole Trauschweizer das Ruder und navigieren das Schiff seither durch die durchaus unruhige See der Energiewende – mit Zuversicht, wie Sven Trauschweizer betonte, allem bürokratischen Gegenwind zum Trotz. Man wolle Teil der Veränderung sein – allerdings lasse diese sich am ehesten meistern, wenn Handwerk, Politik und Kundschaft nicht gegeneinander arbeiteten, sondern an einem Strick zögen.

Zwei einstige christdemokratische Fraktionsgenossen: Rainer Linder und OB Roland Tralmer saßen früher zusammen im Albstädter Gemeinderat. Foto: Kistner

Die Politik kam gleich im Anschluss zu Wort: Oberbürgermeister Roland Tralmer verwies darauf, dass ein Unternehmen nur dann 100 Jahre alt werden könne, wenn Inhaber und Belegschaft mit Herz und Seele bei der Sache seien. „Schauen Sie sich um – viele gibt es in dieser Gewichts- und Altersklasse nicht mehr!“ Dass die Bürokratie derzeit ein Klotz am Bein des Handwerks sei, räumte der OB ein; das vollmundige Versprechen, die Regierung, in der seine Partei den Kanzler stelle, werde bis zum Jahresende Abhilfe schaffen, relativierte er jedoch postwendend: Hexen könne kein Politiker, wohl aber klare Rahmenbedingungen schaffen – und darauf komme es an.

Paul-Gerhard Alber, der stellvertretende Kreishandwerksmeister, rühmte den Mut sowohl des Firmengründers als auch der Nachfolger, die sich in schwierigen Zeiten zu behaupten wüssten. Die Firma Linder mache alles richtig; sie investiere in mehr als einer Hinsicht in Zukunft: Die Ausbildung werde nicht vernachlässigt, und der Generationenwechsel, an dem viele Unternehmen scheiterten, sei anstandslos über die Bühne gegangen.

Zwei Goldene Meisterbriefe: Arno und Rainer Linder machte in ihrem Handwerk keiner was vor. Foto: Kistner

Der langjährige Firmenchef griff das Lob in seinem Schlusswort auf: Die vergangenen sieben Jahre, so Rainer Linder, hätten gezeigt, dass die 2018 getroffene Entscheidung richtig gewesen sei: In Zeiten, das Firmen, Praxen „und sogar Brauereien“ schlössen, bleibe Linder auf Kurs und zeige Flagge – unter anderem auch im Schaukasten vor dem Rathaus: „Wenn ich OB wäre, würde ich den Platz einer 100-jährigen Firma ein Jahr lang umsonst anbieten.“

Wertvoller denn je: die Belegschaft der Firma Linder Sanitär Heizung Solar. Foto: Kistner

Den Schlusspunkt setzte eine Reminiszenz an längst vergangene Zeiten: Wenn in längst vergangenen Zeiten am frühem Wintermorgen die Leitungen eingefroren waren, dann, so Linder, seien zwei Mitarbeiter mit dem elektrischen Auftaugerät, das seine Firma als eine der ersten angeschafft habe, von Haus zu Haus gezogen – und nach getaner Arbeit sei dann nicht nur das Wasser geflossen, sondern, als Zeichen des Danks, noch etwas anderes: „Auch was zum Auftauen – von wegen 0,5 Promille!“