Blicken auf die wirtschaftliche Situation der Unternehmen im Zollernalbkreis: IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp (von links), IHK-Vizepräsident Joachim Link und Matthias Miklautz, Leiter der IHK-Geschäftsstelle im Zollernalbkreis. Foto: Roth

Die IHK Reutlingen sieht eine leicht verbesserte Situation der Unternehmen im Zollernalbkreis. Die Folgen des Iran-Kriegs sind jedoch noch nicht absehbar. Ein Stimmungsbild.

Trotz der weiterhin schwierigen Weltlage hellen sich die Aussichten der Unternehmen im Kammerbezirk der IHK Reutlingen ganz leicht auf. Das sagt IHK-Vizepräsident Joachim Link beim Pressegespräch zur wirtschaftlichen Lage im Zollernalbkreis. Anlass für diese Einschätzung habe die jüngste Konjunkturumfrage der IHK Reutlingen gegeben, zu deren Einzugsgebiet auch der Zollernalbkreis gehört. Der Konjunkturklimaindex (Stimmungsindikator der Wirtschaft) liege derzeit bei 104 Punkten. Damit, erläutert Link weiter, schätzen zum ersten Mal seit dem Frühsommer 2024 wieder mehr Unternehmen ihre Lage positiv als negativ ein. Zwar seien die Daten für die Umfrage vor dem Angriff der USA und Israel auf den Iran erhoben worden, trotzdem seien die Ergebnisse „für uns weiter höchst relevant“.

 

Speziell im Zollernalbkreis sei der regionale Export zuletzt gut gelaufen. 2025 haben die Unternehmen im Kreis Waren im Wert von 2,37 Millionen Euro in die Welt geliefert. Die Exportquote aller industriellen Güter lag damit bei 49 Prozent. Dieser positive Trend habe sich im Januar und Februar fortgesetzt. Ende Februar brach dann der Iran-Krieg aus. Zwar spiele der Nahe Osten als Lieferland für die Unternehmen aus dem Zollernalbkreis keine überragende Rolle; Hauptabnehmer der Produkte seien Länder aus Europa, die USA und China. Doch: „Eine aus dem Takt geratene Weltwirtschaft wird über Umwege auch uns treffen“, zeigt Interstuhl-Geschäftsführer Joachim Link die Folgen auf.

Aktuell habe der Iran-Krieg mindestens drei Folgen für die Region: eine große Verunsicherung in den Betrieben, die ohnehin schon hohen Energiepreise steigen weiter und die Lieferketten werden gestört. Insbesondere das produzierende Gewerbe sei betroffen, wenn die Beschaffung von Rohstoffen und Zuliefererprodukten nicht funktioniert.

„Industrielles Herz der Region“

Der Zollernalbkreis sei weiter das „industrielle Herz der Region“. 65,3 Prozent der Beschäftigten im Kreis seien in der Industrie tätig, was einer Bruttowertschöpfung von rund 47 Prozent entspreche. Ein enorm hoher Wert im Vergleich zu ganz Baden-Württemberg (rund 40 Prozent) oder ganz Deutschland (rund 20 Prozent). Die IHK wolle als Interessenvertreterin der Unternehmen weiterhin alles dafür tun, dass dies so bleibe.

Obwohl die Wirtschaftslage momentan eingetrübt ist, werde der Fachkräftebedarf im Kreis auf absehbare Zeit weiter hoch sein. 55,5 Prozent aller Beschäftigten im Kreis haben laut der Bundesagentur für Arbeit eine mindestens zweijährige Berufsausbildung oder einen berufsqualifizierenden Abschluss an einer Berufsschule absolviert, worunter eine Fachkraft verstanden wird. Das ist im Kammerbezirk der IHK-Reutlingen, der auch die Landkreise Tübingen und Reutlingen umfasst, der höchste Wert.

Wirtschaft im Kreis hat sich gut entwickelt

IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp betont: „Es besteht im Zollernalbkreis trotz Wirtschaftsflaute ein Fachkräftemangel.“ Alle Umfragen der IHK würden zeigen, dass die im Kreis ansässigen Firmen die fehlende Verfügbarkeit gut qualifizierter Personen als Risiko für ihren weiteren Geschäftsbetrieb ansehen. Die IHK unterstütze natürlich die Hochschulen wie die Hochschule Albstadt-Sigmaringen, sehe die duale Berufsausbildung aber als Kern für die Unternehmen an. Eine Erhöhung der Meisterprämie für das Handwerk, wie sie die künftige Landesregierung offenbar plant, müsse auch für Industriemeister kommen, fordert Epp. Er prognostiziert: „Die duale Berufsausbildung bleibt der beste Einstieg in eine vergleichsweise krisensichere Berufslaufbahn.“

Insgesamt, so Epp, habe sich die Wirtschaft im Zollernalbkreis in den vergangenen Jahren gut entwickelt. War er in der Vergangenheit „das Sorgenkind“ der IHK Reutlingen, habe der Kreis hinsichtlich sämtlicher Wirtschaftsindikatoren aufgeholt. Insolvenzen wie jüngst bei den Albstädter Traditionsfirmen Mayer & Cie. und Elektra seien Teil des Laufs der Wirtschaft. „Die Wirtschaft befindet sich in einem Transformationsprozess“, führt der IHK-Hauptgeschäftsführer weiter aus.

Chinesen nicht verteufeln

Dass wie bei Mayer & Cie. Investoren aus Fernost verstärkt in der Region aktiv sind, könne die IHK aus ihren Erfahrungen insbesondere für die Textil- und Zuliefererbranche in der Automobilindustrie bestätigen. Epp warnt: „Wir dürfen die Chinesen nicht verteufeln. Eine Krise bringt immer auch Chancen.“ Hinzu komme, dass der exportgeprägte Zollernalbkreis jahrzehntelang stark von China profitiert habe. Und Joachim Link ergänzt: „Der Zollernalbkreis profitiert von offenen Märkten.“ Mittelständische Unternehmen müssten sich international aufstellen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

IHK hinterfragt Sanierung der B 27 bei Ofterdingen

Themen
Wie IHK-Vizepräsident Joachim Link bei der Pressekonferenz zur wirtschaftlichen Lage im Zollernalbkreis informierte, setze das IHK-Gremium für den Zollernalbkreis als Arbeitsschwerpunkte für die kommenden fünf Jahre auf die Themen Unternehmensnachfolge, Bürokratieabbau, Entwicklung der Innenstädte, Berufliche Bildung sowie die Verkehrs- und digitale Infrastruktur.

Austausch mit Minister
Bezüglich der Straßeninfrastruktur im Kammerbezirk haben sich IHK-Präsident Johannes Schwörer und Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp kürzlich mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder persönlich ausgetauscht. Die gute Nachricht: Alle Straßen-Ausbau-Projekte aus dem vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans bleiben auf der Agenda. Umgesetzt werden diese aber nur, wenn die Planungen rechtskräftig sind.

Irritiert
Genau daran hakt es jedoch beim Ausbau der B 27 zwischen Nehren und Bodelshausen, der für die Anbindung des Zollernalbkreises in Richtung Stuttgart von großer Bedeutung ist. Jener Planfeststellungsbeschluss zum vierstreifigen Ausbau wird derzeit vom NABU und BUND beklagt. Joachim Link fordert, dass der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim schnell entscheiden müsse, damit die neue Trasse zügig gebaut werden kann. Doch er gibt zu: „Die Zeitachse ist mehr als unklar.“ Irritiert habe ihn auch die jüngste Ankündigung des Regierungspräsidiums Tübingen, dass der Bestand der B 27 zwischen Ofterdingen und Bodelshausen auf 3,2 Kilometern demnächst saniert werden soll. Seine Kritik: Dadurch entstünde der Eindruck, dass die neue Trasse erst in „ferner Zukunft“ gebaut werde.