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Firmen aus der Region Horb Homeoffice-Check in der Corona-Krise

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Veränderte Arbeitsbedingungen: Viele Menschen in der Region arbeiten derzeit im Homeoffice. Foto: Master1305 – adobe.stock.com

Unternehmen und Verwaltungen der Region setzen vermehrt auf Homeoffice. Wie Fischer, Homag, Bosch Rexroth und andere den Appell der Bundesregierung genau umsetzen, erfahren Sie in unserem (SB+)Artikel.

Horb/Region - In der Corona-Krise appelliertie die Bundesregierung, dass Unternehmen und Verwaltungen alle Möglichkeiten von Homeoffice ausschöpfen sollen. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Wo stoßen die Unternehmen der Regionen an ihre Grenzen, was das Arbeiten von zu Hause angeht?

Wir haben mit Unternehmen und Verwaltungen gesprochen.

Bosch Rexroth

"Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter haben oberste Priorität", betont das Unternehmen mit Hauptsitz in Lorch. Deshalb habe man weitreichende Schutzmaßnahmen ergriffen. Zum Beispiel gebe es Markierungen am Boden oder definierte Ein- und Ausgänge, die das Einhalten der Abstände erleichtern.

Pressesprecherin Judith Mühlich berichtet: "Auf dem Betriebsgelände tragen unsere Mitarbeiter grundsätzlich einen Mund-Nase-Schutz. Qualitätsgeprüfte Mund-Nase-Bedeckungen werden firmenseitig zur Verfügung gestellt."

Zusätzlich habe das Unternehmen technische beziehungsweise organisatorische Maßnahmen wie Trennwände, zeitliche Entzerrungen oder die Nutzung freier Raumkapazitäten ergriffen und unterstütze mobiles Arbeiten, jeweils in Abstimmung zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften. "So haben wir die Anwesenheiten vor allem in den Bereichen Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung derzeit stark reduziert."

Doch wie sieht es mit den Bereichen aus, die nicht daheim arbeiten können? "Bei allen Mitarbeitern, die im Betrieb vor Ort sind, funktioniert die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsmaßnahmen gut und wird regelmäßig überprüft. Im Bedarfsfall gibt es Verbesserungen, dabei helfen interne Audits."

Kurzarbeit gibt es laut Unternehmen am Standort Horb übrigens aktuell nicht: "Wir spüren eine deutliche Belebung des Landmaschinenmarktes, für den das Werk Horb zum großen Teil zuliefert."

Fischer

"Dort, wo es möglich ist, befinden sich 80 Prozent unserer Mitarbeiter im Homeoffice, sofern die Arbeitsprozesse dies zulassen", berichtet Wolfgang Pott, Pressesprecher der Unternehmensgruppe Fischer in Waldachtal-Tumlingen. In den einzelnen Bereichen seien kleinere Teams gebildet worden. "Dadurch arbeiten immer dieselben Mitarbeiter wechselweise im Homeoffice oder im Büro und begegnen sich nicht." Und wie läuft es in dem Bereich, in dem Homeoffice nicht möglich ist? "In unserem Produktionsumfeld wird unter anderem mit entzerrten Schichtzeiten gearbeitet." Profitieren konnte das Unternehmen bereits von seiner Erfahrung: "Auch schon vor der Corona-Krise haben wir mobiles Arbeiten ermöglicht und zwar bis zu 20 Prozent der Monatsarbeitszeit."

Arburg

Beim Maschinenbauunternehmen Arburg GmbH + Co KG mit Sitz in Loßburg werde das Thema Digitalisierung schon seit vielen Jahren vorangetrieben, berichtet Renate Keinath, die als geschäftsführende Arburg-Gesellschafterin den Bereich Personalmanagement verantwortet. Dementsprechend konnten gleich zu Beginn der Corona-Pandemie "mehrere 100 Mitarbeitende schnell remote – also mobil von zu Hause – arbeiten. Und das nicht nur in den administrativen Bereichen, sondern auch in der Konstruktion und Entwicklung, wo es um ein erhebliches Datenvolumen geht", meint Keinath. Derzeit seien mehr als 400 Mitarbeiter regelmäßig im Home-Office tätig. Insgesamt beschäftigt Arburg in Deutschland rund 2650 Mitarbeiter, weitere 550 kommen an insgesamt 35 Standorten weltweiten hinzu. "Wir tun natürlich alles, um die Gesundheit unserer Mitarbeitenden an unseren weltweiten Standorten zu schützen. Dank unseres zentralen Produktionsstandorts in Loßburg konnten und können wir Sicherheits- und Hygienemaßnahmen sehr schnell umsetzen und an die aktuelle Lage anpassen." In der Produktion, in der es logischerweise nicht möglich ist, von Zuhause zu arbeiten, wird bei Arburg auf ein Schichtmodell gesetzt, bei dem sich Mitarbeitende der verschiedenen Schichten nicht begegnen.

Laut Keinath werden Abstandsregeln und Maskenpflicht konsequent eingehalten. "Zudem machen wir bei Mitarbeitenden mit Erkältungssymptomen einen Schnelltest, bevor diese an ihren Arbeitsplatz gehen", ergänzt sie. Eine generelle Pflicht zum Homeoffice hält Keinath für nicht sinnvoll, "da für bestimmte Tätigkeiten das Arbeiten im Homeoffice gar nicht möglich ist, zum Beispiel in der Produktion und bei Aufgaben, die einen persönlichen Kontakt erfordern." Im vergangenen Jahr nutzte das Unternehmen auch sieben Monate lang Kurzarbeit, um seine Kapazitäten anzupassen. Seit November 2020 gebe es bei Arburg aber keine Kurzarbeit mehr, erläutert die geschäftsführende Gesellschafterin.

Homag

Die Homag Group beschäftigt am Standort Schopfloch rund 1800 Mitarbeiter, davon arbeiten rund 600 in der Produktion zum Großteil an Maschinen und Anlagen. Die Produktionsmitarbeiter arbeiten dabei teilweise im Schichtbetrieb. Das Unternehmen ermöglicht seinen Mitarbeitern grundsätzlich schon seit 2017 mobiles Arbeiten, in den Bereichen, in denen dies möglich ist, so Pressesprecher Jens Fahlbusch. "In der aktuellen Situation sind alle Führungskräfte angehalten, den Anteil des mobilen Arbeitens ihrer Mitarbeiter deutlich zu erhöhen, wo immer es die betrieblichen Gegebenheiten zulassen. In der Produktion ist dies leider nur zu einem sehr geringen Anteil möglich, jedoch in nahezu allen Bereichen der Verwaltung", erklärt Fahlbusch. Zusätzlich setze man auch auf weitere Maßnahmen wie die Bildung von A- und B-Teams und versetztes Arbeiten.

Bereits in der ersten Welle der Pandemie ab Mitte März 2020 seien bei Homag die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens sehr stark genutzt worden. Auch aus anfänglichen Schwierigkeiten wie kurzzeitigen Überlastungen habe man inzwischen gelernt und sei entsprechend gut vorbereitet gewesen in der zweiten Welle, erklärt der Pressesprecher. So seien die Rückmeldungen der Führungskräfte zum mobilen Arbeiten ihrer Mitarbeiter auch sehr positiv. Von verpflichtenden Regelungen seitens der Politik hält das Unternehmen dennoch wenig. "Bei uns in der Homag Group hat sich bislang gezeigt, dass die Regelungen zum mobilen Arbeiten auch ohne politische Mitsprache sehr gut funktionieren", sagt Fahlbusch.

Reck + Gass

"Wir haben seit dem ersten Lockdown Anfang 2020 entsprechend die Möglichkeiten eingerichtet, dass unsere Mitarbeiter prinzipiell vom Homeoffice aus arbeiten können", berichtet Hans-Peter Schmid, einer der drei Geschäftsführer der Ingenieurgesellschaft Reck + Gass in Horb. "Seit Anfang November 2020 haben wir eine ›Schichtregelung‹ umgesetzt, das heißt an fünf Arbeitstagen sind jeweils die Hälfte von 32 technischen und kaufmännischen Mitarbeitern wechselnd im Home-Office und dann wieder fünf Arbeitstage im Büro tätig, sodass sich die beiden Gruppen nicht begegnen und damit auch gegenüberliegende Arbeitsplätze nur mit einer Person belegt sind. Zusätzlich sind unsere elf CAD-Konstrukteure sogar dauerhaft im Homeoffice."

Es gibt jedoch auch zwölf Mitarbeiter, die aus organisatorischen Gründen kein Homeoffice machen könnten, wie zum Beispiel Teile der Verwaltung, die unter anderem zuständig für die Telefonzentrale und den Postein- und ausgang sind, sowie die Mitarbeiter für die Bauüberwachung vor Ort. "Außerdem sind unsere Auszubildenden täglich im Büro, sowie deren Ausbildungsleiterin, damit hier die Inhalte weiterhin adäquat vermittelt werden könen." Vor Ort werde sehr genau auf Hygienemaßnahmen geachtet.

Und wie sieht es mit Kurzarbeit aus? "Hier hatten wir im vergangenen Jahr über drei Monate in einer Abteilung einzelne Personen in Kurzarbeit, aktuell jedoch nicht mehr." Reck + Gass ist in der Vergangenheit stark in Brasilien engagiert. Bekannterweise ist die Corona-Situation dort sehr angespannt. Aber: "Wir haben unser Engagement in Brasilien etwas zurückgefahren – unsere Tochtergesellschaft läuft aktuell relativ autark über den brasilianischen Gesellschafter. Unser deutscher Büroleiter ist seit 2018 wieder bei uns im Büro in Deutschland tätig."

Landratsamt

Auch zahlreiche Behörden im Landkreis haben die Ärmel in Sachen Homeoffice hochgekrempelt, so etwa das Landratsamt Freudenstadt, wo ungefähr 960 Mitarbeiter beschäftigt sind. "Davon sind derzeit an die 300 im Homeoffice", sagt Landkreis-Sprecherin Sabine Eisele. "Und es läuft auch ganz gut." Darüber hinaus sei bei der Behörde vor Kurzem auch Schichtarbeit eingeführt worden, um die Mitarbeiteranzahl in den Räumlichkeiten gering zu halten und so zu garantieren, dass Abstandsregeln eingehalten werden können. Auch gebe es einen steigenden Trend beim mobilen Arbeiten. Schon nach dem ersten Lockdown im Frühjahr habe, so Eisele, eine behördeninterne Umfrage im Sommer ergeben, dass die Homeoffice-Maßnahmen von Amtsleitungen "überwiegend positiv beurteilt" worden seien. "Bei uns läuft es vor allem auch technisch sehr gut. Wir nutzen die Homeoffice-Möglichkeiten in diesen Zeiten, wo es nur geht", resümiert Eisele. In gewissen Bereichen, wie beispielsweise in der Zulassungsstelle oder in der Straßenmeisterei sei Präsenz vor Ort aber schlicht notwendig.

Verwaltung Freudenstadt

Auch bei der Stadtverwaltung Freudenstadt mit etwa 500 Mitarbeitern gibt es Bereiche, wie dem Baubetriebsamt, in denen "Homeoffice natürlich nicht möglich" ist, wie Marco Gauger von der Pressestelle der Stadt Freudenstadt mitteilt. Im Baubetriebsamt habe die Stadt auf einen Zwei-Schicht-Betrieb und eine redundante Besetzung der Schlüsselpositionen umgestellt, um persönliche Kontakte zu vermeiden. "In großen Teilen der Kernverwaltung konnten wir quasi auf kontaktloses Arbeiten in Teams umstellen", berichtet Gauger weiter.

Die Abstands- und Hygieneregeln könnten dank der räumlichen Situation mit Einzelbüros in den Rathäusern gut eingehalten werden. Der Publikumsverkehr werde mittels verpflichtender Terminvergabe begrenzt und gelenkt – zum Beispiel beim Bürgerservice oder im Standesamt.

Zusätzlich prüft die Stadt Gauger zufolge das Arbeiten im Homeoffice auf Wunsch der Mitarbeiter und ermögliche ihnen diese Lösung, wo es betrieblich sinnvoll sei. Die Mitarbeiter von Freudenstadt Tourismus und in den Bädern seien jedoch "aufgrund der aktuellen Lage leider in Kurzarbeit", teilt Gauger mit.

Einer Homeoffice-Pflicht steht die Stadtverwaltung Gauger zufolge indes "sehr skeptisch gegenüber". Zur Begründung heißt es von der Stadt, dass "viele dies gar nicht wünschen". Die Stadt Freudenstadt vertritt vielmehr den Standpunkt, "dass durch Lösungen auf freiwilliger Basis wesentlich bessere Ergebnisse erzielt werden können und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zufriedener sind."

Verwaltung Horb

"Innerhalb der klassischen Rathausverwaltung sind bei nahezu allen etwa 140 Mitarbeitenden die Voraussetzungen für Homeoffice geschaffen", erklärt Stadtsprecherin Inge Weber. Um den Infektionsschutz aber auch die Leistungsfähigkeit der Verwaltung zu gewährleisten, würden Büros momentan immer nur von einer Person genutzt. Bei Bürogemeinschaften, wie sie häufig im Rathaus vorkommen, wechseln sich die Büropartner zwischen Arbeitsplatz und Homeoffice ab. "Dadurch ist sichergestellt, dass immer wieder auch auf nicht digital vorhandene Papierakten zugegriffen werden kann, gleichzeitig ist aber gewährleistet, dass im Falle einer Infektion der Büropartner nicht automatisch in Quarantäne muss."

Das führt laut Weber dazu, dass momentan etwa 50 Prozent der Mitarbeitenden im Verwaltungsbereich, also etwa 70 Personen, abwechselnd im Homeoffice tätig sind.

Homeoffice sei natürlich nicht für alle Bereiche der Stadtverwaltung möglich und sinnvoll. Genannt seien hier unter anderem der Bauhof, Kindergärten, Schulsekretariate, Reinigung oder Forst. Auch in Bereichen mit Kundenkontakt bei dringenden Anliegen sei Homeoffice keine Alternative, zum Beispiel im Bürgerbüro. Auch Trauungen sind nach wie vor nur durch persönliche Anwesenheit möglich.

Bei der "kritischen Infrastruktur", also beispielsweise im Wasser- und Abwasserbereich, wurden Schichtsysteme eingeführt, um die Aufrechterhaltung der Versorgung zu gewährleisten.

Weber fügt hinzu: "Da die Stadt Horb als Arbeitgeber bereits vor der Corona-Pandemie Homeoffice ermöglicht hat, konnte auf diese Erfahrungswerte und bereits vorliegende Regelungen zurückgegriffen werden. Deshalb war es dem städtischen EDV-Team möglich, kurzfristig die Voraussetzungen für Homeoffice im notwendigen Umfang zu schaffen. Investiert wurde hierbei vor allem Zeit durch das EDV-Team."

Insgesamt könne man auch bei Stadtverwaltung feststellen, dass durch die Corona-Pandemie das Thema Homeoffice einen neuen Stellenwert bekommen habe. Weber: "Verwaltungsspitze und Personalrat sind deshalb im Gespräch, auch nach der Corona-Pandemie die Möglichkeiten des Homeoffice, wo dies sinnvoll ist, weiter auszubauen."

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