Ingwer-Shots statt Pausenkaffee: Bei Spitzdruck setzt Chef Joachim Spitz auf Vitamin-Doping fürs Team – mit randvollem Kühlschrank, scharfem Kick und positivem Effekt.
Das Gemüsefach im Firmen-Kühlschrank der Spitzdruck GmbH ist randvoll. Darin liegen aber nicht etwa Paprika, Karotten und Gurken, sondern stapeln sich lauter durchsichtige Fläschchen mit knallgelber Flüssigkeit. Ingwer-Shots und Co. haben in der Druckerei im Schwenninger Industriegebiet Ost teilweise den Pausenkaffee abgelöst.
Joachim Spitz, einer der Chefs, steht auf Doping. Im Gespräch mit unserer Redaktion gibt er das ganz offen zu. Denn klar ist für ihn: Nur ein gesundes Team ist ein gutes Team.
An diesem Montagmorgen geht Joachim Spitz mit gutem Beispiel voran. Er greift ins Gemüsefach, zieht eines der kleinen Fläschchen mit gerade einmal 80 Millilitern Inhalt heraus, öffnet es und kippt den Inhalt in einem Zug herunter. Er verzieht das Gesicht. Scharf. Aber gut. Und vor allem: gesund. Das ist es auch, worum es dem Geschäftsführer dabei geht.
Vitamine statt Anabolika
Doping mit Vitaminen statt Anabolika hat man sich bei der Spitzdruck GmbH auf die Fahnen geschrieben.
Schon vor vier bis fünf Jahren schlugen die Spitz-Brüder Joachim und Michael diesen ungewöhnlichen Weg ein. Es war mal wieder Grippe-Saison. Wenn sich dann Krankmeldungen in der Belegschaft häufen, „dann nervt das einfach“, sagt Joachim Spitz ganz lapidar.
Und tatsächlich sprechen die Zahlen Bände: Laut einer repräsentativen Erhebung der Krankenkasse AOK im Schwarzwald-Baar-Kreis lag der Krankenstand im ersten Halbjahr 2025 bei 5,5 Prozent – das ist zwar weniger als die bundesweiten 6,6 Prozent, aber immer noch viel. 52 Prozent der AOK-versicherten Beschäftigten im Kreis meldeten sich damit bereits im ersten Halbjahr 2025 ein- oder mehrmals krank, wobei die durchschnittliche Krankheitsdauer bei 9,1 Kalendertagen liegt. 2023 waren die Krankheitstage förmlich explodiert – Jonas Zinser, Geschäftsführer der Barmer, erläuterte in einer Pressemeldung, im Schnitt sei jede Erwerbsperson aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis im Jahr 2023 19,6 Tage krankgeschrieben gewesen, landesweit hatte die Barmer 2023 so viele Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen erstellt wie nie zuvor. Und weit vorne unter den Gründen mit vertreten: Infektionskrankheiten.
Erster Versuch: Obstkörbe
Für Joachim Spitz stand schnell fest: Die Mitarbeiter bestmöglich mit Vitaminen zu versorgen, ist deutlich günstiger als einen höheren Krankenstand tatenlos in Kauf zu nehmen.
Zunächst einmal wurden bei der Firma Spitzdruck also die Obstkörbe gefüllt. Doch bei einem überschaubaren Team mit gerade einmal acht Mitarbeitern und eher zögerlichem Griff in die Obstschale verfaulten die Früchte zu schnell. „So macht das keinen Sinn“, fanden die Druckerei-Chefs. Ein neuer Plan musste her.
Vitamin-Taler kommen an
„Vitamin-C-Taler“ waren der Plan B. „Die habe ich schon früher als Kind genommen, weil ich immer dicke Mandeln hatte, und das hat geholfen“, erinnert sich Joachim Spitz. Er griff also ganz tief ins Verkaufsregal nach den Vitamin-C-Tabletten seines Vertrauens und kaufte gleich eine Firmenration davon. Er kontrolliere natürlich nicht, wer die Taler auch wirklich lutsche, aber er weiß, das kommt an: „Ich sehe das, weil immer wieder leere Packungen rumliegen“, freut sich Spitz, „die schmecken auch echt lecker“, findet er und legt flugs eine neue Packung bereit. „Da wird nicht gespart“, stellt er klar und gibt sich großzügig. „Die dürfen unsere Mitarbeiter auch gerne mit nach Hause nehmen – wenn Kinder und Partner nicht krank sind, stecken sie sich auch nicht an“, lautet sein Plan.
Als Joachim Spitz in diesem Jahr noch eins draufsattelte und Ingwer-Shots mit mächtig Feuer in den Kühlschrank füllte zur freien Bedienung für die Mitarbeiter, da sei die Stimmung gemischt gewesen: Die einen rümpften die Nase, andere griffen erfreut und beherzt zu.
Der Resultat der ungewöhnlichen Doping-Aktion? Joachim Spitz zuckt die Schultern. „Wir haben tatsächlich einen relativ geringen Krankenstand“, freut er sich und fügt lächelnd hinzu – „aber ob es nun daran liegt oder daran, dass wir so nette Chefs sind...., man weiß es nicht“.