Viele Interessierte lauschten den Ausführungen von Ulrich Kälberer, Gerhard Kälberer und Christine Dietz über die Kunst ihrer Väter Günther und Paul Kälberer
Sulz-Glatt - In der diesjährigen Sonderausstellung richtete die Kunststiftung Paul Kälberer den Fokus auf die künstlerische Auseinandersetzung von Günther Kälberer und Paul Kälberer mit dem Sujet Landschaft. Am vergangenen Sonntag endete die Ausstellung mit einer Finissage bei der Ulrich Kälberer, Gerhard Kälberer und Christine Dietz über die Landschaftswahrnehmungen und -annäherungen ihrer Väter Günther und Paul Kälberer reflektierten. Zahlreiche interessierte Besucher folgten den Ausführungen in der Gartenanlage.
Paul Kälberers Arbeiten werden dem neusachlich orientierten Realismus zugeschrieben. Stilistisch bewegte sich sein Neffe Günther Kälberer mit den Frühwerken ebenfalls in der Neuen Sachlichkeit. Doch allmählich wurde seine Formensprache vom Kubismus inspiriert. Den freischaffenden Maler und Grafiker Paul Kälberer, Jahrgang 1896, und den Lehrer Günther Kälberer, Jahrgang 1932, verband mehr als Verwandtschaftsgrad: die Passion für die bildende Kunst, die Liebe zur schwäbischen Heimat. Die Arbeiten von Paul Kälberer waren bereits sehr früh in Berlin und Düsseldorf zu sehen.
Von heimatlichen Alblandschaften bis zu untergegangenen Städten
Günther Kälberer unterrichtete Bildende Kunst an Gymnasien, veröffentlichte Werke für den Kunst- und Werkunterricht. Neben seiner beruflichen Tätigkeit hat er stets künstlerisch gearbeitet und sich vor allen Dingen mit Landschaft und Tektonik beschäftigt. Seine Arbeiten reichen von heimatlichen Alblandschaften über Industrie- und Verkehrsanlagen bis hin zur abstrakten Spurensuche nach untergegangenen Städten.
Die Betonung des geschichtlichen Werdens und Vergehens der unterschiedlichen menschlichen Siedlungsformen war ihm wichtig. Im inhaltlichen Mittelpunkt steht immer das Gebäude, primär die Architektur in ihrem städtischen Umfeld, sekundär deren Einbettung in die Landschaft. Der Fotoapparat war sein ständiger Begleiter. Man kann ihn als Chronisten des schwäbischen Albvorlands bezeichnen, so Ulrich Kälberer.
Die Landschaft spielt eine besondere Rolle
Das Thema seines Schaffens hat Günther Kälberer selbst folgendermaßen zusammengefasst: "Die Arbeiten greifen anhand von Radierung und Malerei die Vergänglichkeit der historischen Architektur auf und versuchen ihr Weiterleben in neuen Zusammenhängen darzustellen." Gerhard Kälberer erklärte, dass im Werk von Paul Kälberer neben Porträts die Landschaft eine besondere Rolle spiele. Auch ihn faszinierte neben Motiven in Italien, der Schweiz, der Niederlande, Frankreich und Teneriffa natürlich Deutschland und ganz besonders die Schwäbische Alb mit ihren vielen Burgen, Schlössern und Ruinen.
Im Gegensatz zu seinem Neffen, war ihm die weite Landschaft der Alb vor den historischen Bauwerken sehr wichtig. Er befragte Förster und Landwirte nach Plätzen mit den besten Ausblicken auf die Bausubstanzen. Die Skizzen, die er vor Ort anfertigte, waren oft mit Farbangaben versehen für die malerischen Umsetzungen im Atelier. Paul Kälberer erwanderte die Landschaft für die Bildfindung mit der allmählichen und vielseitigen Annäherung an die Orte, an das Ziel, so Christine Dietz.
Künstler lässt Betrachter an Empfindungen teilhaben
Was macht den Reiz einer Landschaft für Paul Kälberer aus? Wesentliche Elemente sind Bäume und Felsen, markante Bauwerke bis hin zu den regional typischen Scheunen und Hütten, Straßen, Wege, Felder und Wiesenflächen. Ziel ist nicht das Festhalten eines Zustands der Örtlichkeit wie bei einer Ansichtskarte. Vielmehr lässt der Künstler den Betrachter an seinen Empfindungen teilhaben.