Der Burghof steckt weiter in einer wirtschaftlich schwierigen Situation. Ohne Sonderzahlungen der Stadt bleiben unterm Strich rote Zahlen.
Auf den ersten Blick sieht die Bilanz gut aus: Die Burghof Kultur- und Veranstaltungsgesellschaft weist für das Jahr 2024 einen Jahresüberschuss in Höhe von 154 000 Euro aus. Allerdings ist bei dieser Rechnung auch zu berücksichtigen, dass die Stadt Lörrach vor einem Jahr eine Million Euro zusätzlich in die GmbH gesteckt hat. Die Summe diente zu etwa gleichen Teilen als Verlustausgleich für 2023 und für die damals bereits absehbaren Fehlbeträge in 2024.
Die Schlussrechnung
Wie sich nun im Hauptausschuss des Gemeinderats bei der Präsentation der Schlussrechnung für 2024 zeigte, hat es der Burghof zwar geschafft, unter diesen Voraussetzungen ein positives Ergebnis zu liefern. Doch ohne die Sonderzahlung wäre die Burghof GmbH mit dem städtischen Regel-Zuschuss in Höhe von 1,5 Millionen Euro abermals nicht zurecht gekommen und hätte im operativen Geschäft einen Verlust von 350 000 Euro eingefahren.
Fehlbetrag von rund 100 000 Euro
Die Krise hält offenbar weiter an. Wie im Lagebericht vermerkt und von Burghof-Geschäftsführer Timo Sadovnik in der Sitzung auch bestätigt, ist für das laufende Geschäftsjahr 2025 wieder mit einem Fehlbetrag von etwa 100 000 Euro zu rechnen. Daraus lässt sich zwar eine gewisse Wirkung der Konsolidierung ablesen. Doch trotz der gravierenden Einschnitte beim Stimmen-Festival 2025 (Verzicht auf Spielorte außerhalb von Lörrach, keine Konzerte im Rosenfelspark) und trotz der Verschiebungen im Saison-Programm (noch mehr Kabarett und Comedy, so gut wie keine Klassik) sind die Regel-Zuschüsse und die Sponsoring-Einnahmen nicht auskömmlich.
Hinzu kommt, dass das abgespeckte Stimmen-Programm mit seiner Konzentration ausschließlich auf Lörrach für Sponsoren weniger interessant wird. Laut Geschäftsführer Sadovnik hätten die Sponsoren Verständnis für Konsolidierungsmaßnahmen. Aber auf Dauer würden sie wieder mehr überörtliche Strahlkraft erwarten, weshalb die erneute Internationalisierung des Festivalangebots ein Ziel bleibe.
Neben den Folgen des Ukrainekriegs, steigenden Kosten und einem veränderten Konsum- und Kulturverhalten des Publikums führt die Burghof GmbH begrenzte Marketingmöglichkeiten als Grund für die „deutlich kritische“ Ertragslage an.
„Vielversprechende Entwicklungspotenziale“
Laut Geschäftsbericht wurden 2024 insgesamt 39 000 Tickets verkauft (2023: 43 000). Der Besucherrückgang war beim Saisonprogramm besonders deutlich. 19 000 verkaufte Karten für den Burghof bedeuten einen Rückgang um 3000 Besucher, während der Zuspruch für das Stimmen-Festival um 1000 auf 20 000 zahlende Gäste zurückging. Somit betrug die Auslastung im Jahr 2024 bei „Stimmen“ 62 Prozent und beim Burghof 48 Prozent.
Bessere Auslastung
Für 2025 rechnet Timo Sadovnik mit einer besseren Auslastung, wobei wegen des geringeren Angebots die absoluten Besucherzahlen bei Stimmen 2025 noch einmal zurückgegangen sind.
Dennoch sieht die Burghof GmbH laut Lagebericht „vielversprechende Entwicklungspotenziale“. Die „wachsende regionale Vernetzung sowie die starke Verankerung in der Stadtgesellschaft bilden tragfähige Ansätze für eine langfristige Stabilisierung“, heißt es allgemein gehalten in der Lagebeschreibung.
Gegenwind
Eine Aussprache über die Burghof-Bilanz erfolgte im Hauptausschuss nicht. Diese soll in der nächsten Gemeinderatssitzung stattfinden. Gleichwohl wurde aus Fragen deutlich, dass es Gegenwind für die Burghof GmbH gibt. Die Freien Wähler sowie die Vertreter von AfD und Bürger für Lörrach stimmten im Ausschuss gegen die Beschlussvorlage und somit gegen die Entlastung der Geschäftsführung.