Bis 2030 will Tübingen klimaneutral werden. Wie das klappen soll, erklärte OB Boris Palmer in Horb. Dort wird die Klimapolitik derzeit angeblich von einem Förderchaos überschattet. Am ehrenamtlichen Klimapaten Horbs drohen Kosten hängenzubleiben.
Das Land Baden-Württemberg. Zumindest bei der Linderung der möglichen Gäubahn-Kappung und der S-Bahn Verlängerung bis Horb bisher ein verlässlicher Partner. Doch gerade beim Klimaschutz und den erneuerbaren Energien scheint es ein Förderchaos zu geben.
Die Hohenberghalle Horb. Hundert Bürger, OB Peter Rosenberger (CDU), Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP), Stadtwerke-Chefin Monika Mitzkat und als Promi Tübingens OB Boris Palmer. Der ehrenamtliche Klimapate Eugen Vorbeck will mit einem Workshops hundert interessierten Bürgern die Energiewende näherbringen.
Doch in seiner Eröffnungsrede der Schock. Vorbeck: „Die Unterorganisation des Landes hat mir zwar die Förderung für die Veranstaltungen zugesagt. Doch jetzt hieß es zuletzt: Diese Veranstaltungen sind nicht förderfähig.“
Im Vorfeld hieß es, die Finanzierung ist kein Problem
Es geht um das Förderprogramm KLIKKS. Vorbeck erläutert gegenüber dieser Redaktion: „Ich habe bisher zwei Veranstaltungen gemacht. Die im Kloster mit der Psychologin, in der es um den Abbau der Hemmnisse des Einzelnen geht. Dann diese Veranstaltung mit Boris Palmer. Ich habe im Vorfeld nachgefragt, da hieß es: Kein Problem. Geben Sie das Geld schon aus, wir fördern auf jeden Fall. Jetzt sagt die Organisation: Diese Veranstaltungen sind auf keinen Fall förderfähig.“
Bleibt Horbs Klimapate auf über 3000 Euro sitzen?
Damit droht das bisher einmalige Engagement von Eugen Vorbeck in Horb vorzeitig das Aus. Der Klimapate: „Ich habe bisher aus privater Kasse über 3000 Euro investiert. Eine dritte Veranstaltung war geplant, die habe ich erst einmal auf Eis gelegt.“
OB Rosenberger will unterstützend eingreifen
Horbs Klimapate hofft, dass er jetzt gemeinsam mit Horbs OB Peter Rosenberger doch noch etwas erreichen kann. Vorbeck: „Wir werden jetzt einen gemeinsamen Brief aufsetzen. Der OB unterstützt mich, und ich hoffe, dass die mündlich zugesagte Förderung doch noch kommt.“
OB Rosenberger sagt dazu in der Hohenberghalle: „Wir werden dem Land auf die Füße treten. Wir als Rathaus sind froh, dass wir mit dem Klimaschutzpaten einen neuen Impulsgeber haben, der unabhängig von uns die Chance bietet, neue Impulse für die klimaneutrale Impuls zu setzen.“
Palmer hat gute Erinnerungen an Horb
Dann ist Boris Palmer dran. Der wohl bekannteste OB von Deutschland. Palmer schmunzeln: „Es ist mir eine große Ehre, dass ich eine Einlassgenehmigung nach Horb bekommen habe. Ich bin ja aus der einen oder anderen Organisation rausgeschmissen worden. Gelächter. Anspielung auf die Querelen mit den Grünen. Jetzt gehört Palmer zu den Freien Wählern.
Palmer weiter: „Ich komme gerne nach Horb. Das Flusswasserwerk mit den Stadtwerken Tübingen und Horb ist bei den Ritterspielen entstanden. Der damalige Wirtschaftsförderer (Axel Blochwitz, d. Red.) kam auf mich zu. Damals haben wir dann das Wasserkraftwerk gebaut. Wir können uns auf die Schulter klopfen, was wir damals geschafft haben.“
Dann beschreibt er, wie Tübingen bis 2030 das Klimaziel schaffen will: Ausbau der Fernwärme mit einem Ringleitungsnetz. Die Busse der Stadtwerke sind bald Elektro (20 Mio. Bundesförderung, 15 Mio. Eigenanteil. Radbrücke über die Eisenbahn. Ab diesem Jahr gibt’s keinen Umsonst-Parkplatz mehr in Tübingen – Anwohnerparken kostet 30 Euro/Monat. Palmer: „Damit finanzieren wir unsere Maßnahmen.“
Dann geht es in die Workshops. Klar, dass es für den baldigen Windkraft-Projektierer Patrick Djuga intensive Diskussionen mit den Rexingern Waltraud und Eberhard Göttler sowie dem Nabu-Vorstand Lambert Straub gibt.
Palmer: Gute Angebote sind das A und O
Zum Schluss soll Boris Palmer aus einer Erfahrung sagen, wie Horb die Wende im Klimaschutz schaffen kann.
Vorab hatte er dieser Redaktion etwas zu den bisher gescheiterten Nahwärme-Offensive in Teilorten in Horb gesagt: „Ein erfolgreicher Ausbau hängt sicherlich von der Anschlussdichte ab. Die ist im dicht besiedelten Tübingen natürlich höher als in Horb.“
Zu den anderen Punkten verkündet er sein Credo: „Wir hatten einen einstimmigen Beschluss im Gemeinderat, das Klimaziel 2030 zu erreichen. Es ist sicherlich sinnvoll, dass man den Menschen von Seiten der Kommune Angebote macht.“
Zum Windkraft-Konflikt sagt Palmer: „Bei uns in Tübingen hat sich Kusterdingen dafür entschieden, dass die Windräder in den Wald sollen. Weil die Offenlandflächen für Freiraum sorgen, die Wälder sind weiter weg.“
Klimapate Vorbeck: „Wie schaffen wir es, mehr Bürger für die Klimaschutzwende zu begeistern?“
Palmer: „Wir hatten 400 Leute bei unseren Workshops. Sie haben hier hundert. Wenn man das umrechnet auf die Bevölkerung, ist das genauso viel wie in Tübingen. Den Leuten gute Angebote zu machen und gutes Infos ist wichtiger, als seine Lebenszeit zu sehr einzusetzen. Lohnt es sich, Rad zu fahren, wenn kein Radweg da ist?“