Steigende Spritkosten sorgen für einen Preisdruck bei den Fahrschulen. Doch die hohe finanzielle Belastung ist nicht das einzige Problem.
Donaueschingen – Trotz gestiegenem Umweltbewusstsein – der Führerschein bleibt beliebt – auch bei jungen Menschen. Für 76 Prozent der bis 29-jährigen Führerscheinbesitzer ist die Fahrerlaubnis für das tägliche Leben wichtig oder sehr wichtig. Dies ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im April diesen Jahres im Auftrag des Tüv-Verbandes. Doch den Führerschein in der heutigen Zeit zu erlangen, geht ins Geld.
Fahrschule Weißenberg
Für Simon Weißenberger, der die Fahrschule Weißenberger mit fünf Standorten leitet, sind nicht nur die Spritkosten gestiegen, sondern auch die Preise für die Anschaffung von Fahrzeugen oder die Heiz- und Stromkosten. Hinzu komme auch eine Lohnerhöhung für die Mitarbeiter, damit sie beispielsweise die höheren Lebensmittelpreise zahlen können. "Es ist eine logische Konsequenz, dass auch der Preis der Fahrstunde angepasst wird. Es führt kein Weg daran vorbei, die Preise zu erhöhen", erklärt Simon Weißenberger. Obwohl es sich zeige, dass sich nicht mehr alle Menschen das "Luxusgut Führerschein" leisten können, seien speziell hier in der ländlichen Region die Menschen auf Mobilität, beziehungsweise das Auto angewiesen.
Die Nachfrage sinkt also nicht. Doch es gibt noch ein anderes Problem: "Viele kompetente Fahrlehrer haben sich beruflich zum Fahrprüfer umgesattelt. Zudem sind über 30 Prozent der Fahrlehrer in Baden-Württemberg über 65 Jahre alt", sagt Weißenberger und fügt hinzu: "Bei in etwa gleichbleibender Anzahl an Fahrschülern schrumpft somit die Anzahl der Fahrlehrer. Auch schließende Fahrschulen ohne Nachfolger führen zu erhöhter Nachfrage." Während der Lockdowns habe man fast ein halbes Jahr die Füße stillhalten müssen, was Spuren hinterlassen habe. Schon aus diesem Grund gebe es längere Wartezeiten. Doch die Pandemie hat auch eine Verbesserung mit sich gebracht. "Speziell die Fahrschüler, welche weiter entfernt von unseren Filialen leben, haben seit Corona auch die Möglichkeit, den Theorieunterricht online, von zu Hause aus, zu besuchen."
Thorstens Fahrschule
Thorsten Stüdemann erhöht den Preis der Fahrstunden aktuell wegen der ansteigenden Spritpreise nicht – wenn sich die Entwicklung nicht dramatisch verändert. Grund: Mindestens einmal im Jahr drehe er quasi an der Preisschraube.
IN-Fahrschule GmbH
Ingo Held hat einen schlechten Zeitpunkt für seine Selbstständigkeit erwischt. Er hat mit dem ersten Lockdown im April 2020 die Fahrschule von Raimund Koffler übernommen: Einige Monate ging nichts, dann nur mit Einschränkungen und Hindernissen. Normal arbeiten habe man bis jetzt noch nie können. Nach wie vor arbeite man die Warteliste ab, was nach seiner Einschätzung bestimmt noch bis Mitte des kommenden Jahres andauern werde. Ein weiteres Handicap sei auch die Tatsache, "dass es drei bis vier Monate dauert, bis ein Fahrschüler vom Landratsamt den Antrag auf Fahrerlaubnis ausgehändigt bekommt", erklärt Ingo Held. "Bis jetzt haben wir die Preise für die Fahrstunde noch nicht angehoben. Nun steigen die Spritpreise jedoch stark an, sodass wir nicht mehr anders können, als die Kosten weiterzugeben. Bis 300 Kilometer werden täglich mit den Fahrschulwagen zurückgelegt", gibt er zu bedenken. Dazu kämen noch Nebenkosten für die allgemeinen Betriebsstätten.
Info: Zur Umfrage
92 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben laut der repräsentativen Forsa-Umfrage derzeit einen Auto-Führerschein. Laut Umfrage geben 88 Prozent davon an, dass der eigene Führerschein wichtig oder sogar sehr wichtig dafür ist, die alltäglichen Dinge erledigen zu können. Am wichtigsten erachtet das die Altersgruppe ab 45 Jahren. 63 Prozent der Führerscheinbesitzer gab in der Umfrage an, täglich hinter dem Steuer zu sitzen, weitere 23 Prozent fahren mindestens einmal die Woche mit dem Auto.