Die Klausurtagung zeigt: Auch Empfingen muss die Prioritäten neu setzen. Die Investitionen bleiben hoch, doch der Spardruck wächst.
Die Gemeinde Empfingen galt lange als Ausnahme unter den Kommunen der Region: solide Finanzen, starke Gewerbebasis, große Investitionskraft. Vieles davon gilt noch immer – doch der Spardruck nimmt inzwischen auch hier spürbar zu.
Das wurde bei der Klausurtagung des Gemeinderats und der Verwaltung am 14. und 15. November deutlich, deren Ergebnisse Bürgermeister Ferdinand Truffner und Kämmerer Pascal Maier nun im Pressegespräch vorstellten.
„Wir haben in Zukunft ein Problem“
Im Mittelpunkt standen die Haushaltslage, Investitionen, Stellenplanung sowie Perspektiven für die kommenden Jahre. Der Haushaltsentwurf soll Ende Januar eingebracht und anschließend beraten und beschlossen werden. Klar sei schon jetzt: „Wir haben in Zukunft ein Problem“, so der Bürgermeister. Und weiter: „Auch in den Folgejahren hat unser Haushalt wenig Luft zum Atmen.“ Die Kommunalaufsicht mahne ebenfalls zur Vorsicht. Die Genehmigungsfähigkeit künftiger Haushalte werde schwieriger. Umso wichtiger sei es, freiwillig Sparmaßnahmen zu prüfen. Truffner betonte jedoch: „Wir sind zuversichtlich. Wir haben lauter Optimisten im Gemeinderat.“
Ein zentrales Thema waren die Investitionsmittel aus dem Sondervermögen des Bundes. Empfingen kann über die nächsten zwölf Jahre rund 2,6 Millionen Euro abrufen. Laut Maier könnte bereits 2026 Projekte mit diesen Mitteln umgesetzt werden. Förderfähig seien ausschließlich Investitionen. Truffner nennt Projekte: die Wasserversorgung, der Kauf des Gemeindehauses St. Georg und Sanierung, mögliche Sanierung in der Mühlheimer Straße 4 oder Maßnahmen am Rathausvorplatz.
Bei einigen Unternehmen läuft es gut, bei anderen nicht
Eigentlich hatte die Verwaltung beim Ergebnishaushalt mit einem Minus von knapp einer Million Euro gerecht. Jetzt liegt das laufende Ergebnis zum Stichtag 14. November mit plus 3,18 Millionen Euro deutlich über Plan, doch relativiert Truffner: „3,2 Millionen – da kommen noch Abgaben dazu. Ich rechne mit 1,5 Millionen Euro.“
Die Gewerbesteuer habe sich 2025 besser entwickelt als geplant – fast fünf statt geplanter 3,4 Millionen Euro. Manche Firmen liefen „richtig gut“, andere hingegen spürten die konjunkturelle Abschwächung. Truffner betont die breite Aufstellung des Standorts: „Wir hängen nicht an einem großen Unternehmen, sondern wir haben eine größere Bandbreite.“ Aber: Von jedem Euro Gewerbesteuer bleibe jedoch nur etwa ein Drittel in der Gemeindekasse. Und der Kreis Freudenstadt habe die höchste Kreisumlage im ganzen Land.
Die Rücklagen der Gemeinde schrumpfen
Verschiebungen bei Projekten wirkten sich 2025 entlastend aus – etwa weil geplante Kreditaufnahmen noch nicht nötig wurden. Die Rücklagen jedoch „schrumpfen deutlich“, wie Truffner warnte. Daher diskutiert der Gemeinderat Einnahme- und Ausgabenseite gleichermaßen: mögliche Gebäudeverkäufe, Gebührenerhöhungen, eine Grundsteuer C sowie die Überprüfung freiwilliger Leistungen.
Unter dem Strich bleibt Empfingen weiterhin solide, aber mit enger werdendem finanziellen Spielraum.