Den Gürtel enger schnallen muss die die Stadt Bad Dürrheim. Durch den neuen Zensus gibt es erheblich weniger Geld. Foto: © koya979 – stock.adobe.com

Es war unter dem Punkt Verschiedenes, unter dem Bürgermeister Jonathan Berggötz der Öffentlichkeit eine Hiobsbotschaft verkündete, die sich in den vergangenen Tagen ergab. Die Zensus-Erhebung reißt in künftige Haushalte ein großes Loch.

Die Kurstadt – wie andere Städte auch – bekommt pro Einwohner vom Land einen gewissen Betrag. Nun hat der Zensus 2022 – im Grund nichts anderes als eine Volkszählung – ergeben, dass die Kurstadt um einiges weniger Einwohner hat als angenommen.

 

Wie hoch dieser Betrag vom Land ist, der sich aus Schlüsselzuweisung und Investitionspauschale zusammensetzt, schwankt jährlich. Er hängt unter anderem von den Einnahmen aus der Gewerbesteuer ab. Unterm Strich sind es 1,6 Millionen bei den Schlüsselzuweisungen und 200 000 Euro bei der Investitionspauschale, die es weniger gibt.

Im Ergebnis fehlt Bad Dürrheim künftig jedes Jahr 1,8 Millionen Euro. „Das ist eine absolute Hiobsbotschaft“, kommentierte Berggötz die Nachricht. Und: „Bad Dürrheim gehört zu denen, die am meisten bluten.“

Repräsentative Stichprobe

Beim Zensus im Jahr 2022 wurde in repräsentativen Stichproben die Einwohner zu verschiedenen Themen befragt.

In der Erklärung der Vorgehensweise ist auf der Zensus-Hompage folgendes zu lesen: „Anders als bei einer traditionellen Volkszählung, bei der alle Bürgerinnen und Bürger direkt befragt werden, stützte sich der Zensus auch im Jahr 2022 auf bereits bestehende Verwaltungsregister.“

Weniger Einwohner

Eine Vollerhebung wurde bei Bürgern in Wohnheimen oder Gemeinschaftsunterkünften durchgeführt. Im Zensus 2022 wurden damals auch alle Eigentümer von Wohnungen und Gebäuden befragt.

Wie der Staatsanzeiger meldete, hat Baden-Württemberg insgesamt 131 344 Personen weniger als angenommen. Somit ist Bad Dürrheim kein Einzelfall. Im Zensus 2022 wurden im Gegensatz zu 2011, auch Stichproben von Kommunen mit unter 10 000 Einwohnern genommen sowie mehr ehrenamtliche für die Zählung eingesetzt.

Massive Auswirkungen

Das Land hat die Anzahl der Erhebungsstellen deutlich erhöht, von 44 auf 103. Die Stichproben in Baden-Württemberg stiegen von etwa 1,15 Millionen Personen auf rund 1,6 Millionen Personen an.

Das hatte auf andere Gemeinden ebenfalls Auswirkungen, so hat beispielsweise Jagsthausen im Kreis Heilbronn laut Staatsanzeiger mit dem Zensus 2022 rund 14 Prozent weniger Einwohner als man angenommen hatte. In Bad Dürrheim beträgt die Differenz rund 800, so Berggötz in der Gemeinderatssitzung.

Wieso diese Zahlen?

In diesem Zusammenhang stellt sich die berechtigte Frage: Wieso nimmt man nicht die Zahlen des Einwohnermeldeamts? Dazu gibt es zwei Gesetze, die Vorbereitung zum Zensus und das Durchführungsgesetz.

Kommunen kritisieren

Die Kommunen sehen diese Statistik laut Medienberichte aktuell durchaus kritisch. Denn zum Zensus 2031 werden für die genannten Zahlungen nicht mehr die statistischen Werte herangezogen, sondern eben die des jeweiligen Einwohnermeldeamtes einer Kommune. Was eventuell dafür sorgen könnte, dass die Zahlungen wieder sprunghaft steigen.

Klausurtagung zum Geld

Diese Aussicht hilft jedoch in den kommenden Jahren in keinster Weise. Denn: „Bei den Themen, die wir vor der Brust haben ist dies ein wirklich harter, harter Schlag“, äußert sich der Verwaltungschef. Für den neuen Gemeinderat steht das Thema der ersten Klausurtagung schon lange fest: Es ist der städtische Haushalt und die Haushaltskonsolidierungen.