Der Dirigent eines Orchester steht immer im Fokus. Oliver Martini rückte beim Jahreskonzert des MV Hart aber nicht nur deswegen ins Blickfeld.
Der Auftritt am Samstagabend in der voll besetzten Eichwaldhalle war nämlich sein letzter mit der Blaskapelle. Nach etwas mehr als fünf Jahren sagt der in Mühlen geborene und in Altheim lebende Martini dem MV Hart Adieu.
„Aller Anfang ist schwer“, beschrieb Mathias Kessler, einer der beiden MV-Vorsitzenden, in seiner Abschiedsrede den schwierigen Start. Dass der Beginn der gemeinsamen Arbeit so kompliziert werden würde, hätte niemand gedacht spielte Kessler auf die Tatsache an, dass Oliver Martini mitten in der Corona-Krise am 1. September 2020 als Dirigent zum MV Hart gestoßen war.
Ein schwieriger Start
Laut Kessler erlebte man in den ersten beiden gemeinsamen Jahren ein Auf und Ab. Erst musste das Jahreskonzert 2020 wegen Corona abgesagt werden, dann gab es im Juli 2021 immerhin ein Platzkonzert in der Dorfmitte mit dem neuen Dirigenten. Die Infektionszahlen rauschten anschließend jedoch erneut nach oben und auch das Jahreskonzert 2021 fiel deshalb ins Wasser. „Es war zum Davonlaufen“, so der MV-Chef.
Ab 2022 lief dann aber alles wieder gewohnt. Das erste Jahreskonzert mit dem neuen Mann am Taktstock fand im November jenen Jahres statt – im dritten Anlauf. Seither wurden laut dem MV-Vorsitzenden 17 Proben und 51 Auftritte mit Oliver Martini absolviert.
Einer der Höhepunkte mit ihm war die Ausrichtung des Stadtmusikfestes in diesem Sommer auf heimischem Boden. „Lieber Oli, wir haben abgesehen von Corona eine schöne Zeit mit dir verbracht“, erklärte Mathias Kessler in Richtung des scheidenden Dirigenten und überreichte ihm als Dankeschön für die musikalische Arbeit ein original Harter Speckvesper.
Ein mitreißendes Programm
Musikalisch zog Oliver Martini mit dem um ein paar Gastmusikanten verstärkten Kapelle am Samstag noch einmal alle Register und bot dem Publikum ein äußerst unterhaltsames Programm.
Eröffnet wurde es mit dem sinfonischen Blasmusikstück „Mount Everest“ von Rossano Galante, dessen mitreißende Dynamik die Größe des höchsten Berges der Welt auf eindrückliche Art und Weise vor Augen führte. „Cassiopeia“ ist ein neunminütiges sinfonische Gedicht des Komponisten Carlos Marques, in dem er eine Geschichte über die schöne, aber eitle Königin und ihre Tochter Andromeda erzählt.
So wie der Abend begonnen hatte, so endete der erst Teil des Konzerts: mit schierer Klanggewalt. Wer kennt nicht „Music“ von John Miles? Die 1976 erschienene Ballade ist eine der größten Hymnen der Rockgeschichte und beschreibt die Liebe zur Musik – mit ihr fäng alles an, mit ihr endet alles. Der MV Hart spielte das Stück in einem Arrangement von Norbert Studnitzky.
Eine Insel mit zwei Bergen
Nach der Pause ging’s schwungvoll weiter. Das Medley „Simply the Best“ war eine Hommage an Rock- und Soulsängerin Tina Turner, in dem vier ihrer größten Hits ineinander verschmolzen. „I Was Made for Lovin‘ You“ der US-Rockband Kiss war ein Riesenhit und ist ein gelungener Mix aus Disco- und Rockmusik – das hörte sich auch in der blasmusikalischen Adaption von Klaus Fiellmann wunderbar an.
Völliger Kontrastwechsel danach: Mit „Lebensfreude pur“ von Kurt Gäbele erklang ein Walzer und mit „Ein Egerländer Traum“ von Alexander Pfluger eine Polka. Und dann kam ein Mega-Finale: Es ging nach „Lummerland“, auf die Insel mit zwei Bergen im tiefen weiten Meer. Die Fahrt mit Lok Emma begann gemächlich, wurde dann aber schneller und schneller. Klar, dass es dafür viel Applaus gab.
Die Zugaben „Fliegermarsch“ und das österreichische Weihnachtslied „Es wird scho glei dumpa“ durfte dann Martinis Nachfolger Johannes Schuler aus Starzeln dirigieren (wir berichten noch). Durchs Programm hatte Rosi Maier geführt.