Manchester City contra FC Chelsea – das Endspiel in der Fußball-Königsklasse Finale ist eine rein englische Angelegenheit. Das ist kein Zufall, auch weil die Vereine auf der Insel horrende Summen für die TV-Rechte kassieren.
Manchester - Der neue Vertrag ist der alte. Die Premier League hat gerade ihren Fernsehdeal mit den Sendern Sky Sports, BT Sport, Amazon Prime und der BBC verlängert – und zwar zu den aktuellen Konditionen. Der Vertrag garantiert den Clubs von 2022 bis 2025 umgerechnet knapp 1,9 Milliarden Euro im Jahr. Zum Vergleich: Die Vereine der Bundesliga verdienen ab der kommenden Saison rund 1,1 Milliarden Euro.
Die künftige Summe ist der gleiche Betrag, der auch im laufenden TV-Zyklus in England ausgeschüttet wird. Die britische Regierung hatte der Liga gestattet, den Vertrag mit den Sendern einfach zu verlängern, anstatt die Rechte wie üblich auszuschreiben. Das ist ein Zeichen der Zeit. Die Premier League hatte befürchtet, bei einer Ausschreibung wegen der Coronakrise deutlich weniger Geld für die Rechte zu kassieren als mit dem laufenden Deal. Die Intervention der Regierung garantiert der Liga, dass sie zumindest den Status quo halten kann.
Die Pandemie stürzt die Premier League nicht in die Krise
Die Pandemie trifft auch den englischen Fußball – doch auf der Insel ist „the beautiful game“ wohl noch am sichersten vor der Krise. Zumindest am oberen Ende der Pyramide, in der Premier League. Grund dafür sind die horrenden Summen, die die Vereine für die TV-Rechte kassieren. Gerade wurden die Ausschüttungen an die 20 Clubs in der abgelaufenen Spielzeit öffentlich. Selbst der Tabellenletzte Sheffield United verdiente mehr als 110 Millionen Euro. Meister Manchester City, der an diesem Samstag (21 Uhr) im Finale in Porto zum ersten Mal die Champions League gewinnen kann, kassierte umgerechnet knapp 190 Millionen Euro. Endspielgegner FC Chelsea auf Tabellenplatz vier strich mehr als 180 Millionen Euro ein.
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Trotz allgemeiner Verluste wegen der Coronakrise bleibt die Premier League der Krösus im europäischen Fußball. Wie der Beratungskonzern KPMG berechnet hat, ist der Gesamtwert der 32 wertvollsten Vereine des Kontinents im vergangenen Jahr um 15 Prozent gesunken. Unter den zehn Führenden des Rankings befinden sich aber immer noch fünf Vereine aus England, nämlich Manchester United, Manchester City, der FC Liverpool, der FC Chelsea und Tottenham Hotspur. Die gleichen Clubs sind es auch, die beim Umsatz einen Platz unter den zehn Besten Europas haben. Das geht aus der „Deloitte Money“ hervor.
Investitionen für Spieler von insgesamt bis zu 350 Millionen Euro
Trotz Umsatzrückgängen kann angesichts der stabil bleibenden TV-Millionen die englische Besessenheit von großen Transfers weiter ausgelebt werden. Nach Manchester Uniteds Niederlage im Finale der Europa League gegen den FC Villarreal (10:11 im Elfmeterschießen) am Mittwoch spekuliert die Presse auf der Insel fröhlich, wie viele Millionen der Verein für welche Spieler ausgeben muss, um endlich wieder alten Glanz zu erlangen. Investitionen von insgesamt bis zu 350 Millionen Euro für Profis wie Jadon Sancho von Borussia Dortmund oder Harry Kane sind im Gespräch.
Kane dürfte in diesem Sommer die interessanteste Personalie werden. Der englische Nationalmannschaftskapitän will Tottenham verlassen, um endlich Titel zu gewinnen. Interessenten gibt es reichlich, neben Manchester United auch die Champions-League-Finalisten Manchester City und FC Chelsea. Sollte der Angreifer wirklich wechseln, dürfte er den bisherigen Transferrekord der Premier League zerschmettern. Dieser liegt bei den rund 105 Millionen Euro, die Manchester United 2016 für Paul Pogba ausgab.
Englische Dominanz in internationalen Wettbewerben wird weiter wachsen
Bei solchen Zahlen drängt sich die Prognose auf, dass die englischen Clubs in den internationalen Wettbewerben noch dominanter werden, als sie es ohnehin schon sind mit drei Vertretern in den Finals von Europa League und Champions League in diesem Jahr. Doch hier ist Vorsicht geboten. Manchester City hat in den 13 Jahren seit der Übernahme durch Scheich Mansour bin Zayed al Nahyan mehr als zwei Milliarden Euro in Transfers investiert. Trotzdem hat es bis zu dieser Saison gedauert bis zur ersten Teilnahme am Endspiel der Königsklasse. Beim FC Chelsea mit Trainer Thomas Tuchel ist eine langfristige Prognose wegen der notorischen Ungeduld von Besitzer Roman Abramowitsch unmöglich. Jürgen Klopps FC Liverpool muss eine Saison zum Vergessen verarbeiten. Tottenham und Arsenal, Siebter und Achter in der Premier League, dürften international in näherer Zukunft kein große Rolle spielen.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich der englische Fußball im Kampf mit sich selbst befindet. Gleich zweimal haben die großen sechs Vereine versucht, die Coronakrise zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen und Macht und Reichtum unter sich aufzuteilen: im Herbst mit dem sogenannten Project Big Picture und zuletzt mit dem Super-League-Komplott. Die Fans sind aufgebracht, die übrigen Vereine erzürnt. Nur weil Englands Liga den aktuellen Unwägbarkeiten am besten trotzen kann, bedeutet das also noch lange nicht, dass ein Zeitalter der ungebrochenen englischen Dominanz im internationalen Fußball bevorsteht.