Eric Gauthier tanzt mit Jolanda Correa vor dem Opernhaus in Oslo. Foto: Jeanette Bak

Die letzte Folge der SWR-Filmdoku-Serie „Dance Around the World“ führt in den hohen Norden. Reiseleiter Eric Gauthier begegnet dort Künstlern, die eine ganz besondere Botschaft teilen.

Letzte Station für Eric Gauthiers Filmreise durch die Tanzwelt: „Skandinavien“ ist das Ziel der achten Folge der Doku-Serie des SWR; die vor sechs Jahren mit einem Ausflug in die Tanzszene Tel Avivs an den Start ging. Pünktlich zur Zeit, in der es sich viele an langen Abenden mit einem Film auf dem Sofa gemütlich machen, ist nun Teil 8 von „Dance Around the World“ in der ARD-Mediathek verfügbar.

 

Unbedingt sehenswert ist der letzte Beitrag des nun insgesamt achtstündigen Tanz-Roadmovies aus mehreren Gründen.

  • Eric Gauthiers Begeisterung ist zum Finale nicht zu toppen und enorm ansteckend.
  • Zudem ist die Tanzszene in Finnland, Norwegen, Dänemark und Schweden von einer positiven Energie angetrieben, die sogar am TV-Bildschirm mitreißt.
  • Eine gut ausgestattete Kunstszene, kann man lernen, wird zum Spiegel einer Gesellschaft, die auch Zukunft gut gestalten will.
  • Zu dieser Offenheit passt, dass die Mehrheit der kreativen Köpfe, die Eric Gauthier trifft, Frauen sind.

Die Kamera ist Eric Gauthier dicht auf den Fersen

Noch einmal zeigt die von Joachim Lang und Sandra Dujmovic konzipierte und von Andreas Ammer umgesetzte Serie, wie man Kultur leicht zugänglich macht. Eric Gauthier holt sein Publikum im Wortsinn ab. Die Kamera bleibt ihm dicht auf den Fersen, wenn er hinter Kulissen blickt oder zum nächsten Termin in einem versteckten Ballettsaal eilt. Die Menschen, die der kreative Kopf von Gauthier Dance dort trifft, sagen Sätze, die Leitmotive für ein gutes Zusammenarbeiten und -leben schlechthin sein könnten.

Eric Gauthier besucht auch das finnische Nationalballett. Foto: Jeanette Bak

In Helsinki arbeitet Tero Saarinen mit seiner Kompanie heute dort, wo einst Handys produziert wurden. „Jeder Mensch ist extrem talentiert“, sagt der Choreograf, der mit seiner Tero-Technik das Bewusstsein mit Bildern aktiviert und jeden zum Tanzen bringt. Beim Finnischen Nationalballett ums Eck sagt Javier Torres, Chef von mehr als 70 Tänzern: „Meine Lebensaufgabe ist, sie zum Strahlen zu bringen. Das kann man trainieren. Ich will meine positive Energie an die ganze Kompanie weitergeben.“ Die ist regelrecht spürbar.

In Göteborg haben die Bürger ein Opernhaus gleich am Wasser finanziert. Tanzchefin Katrín Hall erläutert, wie sie mit zeitgenössischem Tanz Menschen begeistert und 1200 Plätze füllt. „Hammer“, ein Stück über die Macht sozialer Medien, schickt die Tänzer ins Publikum, später flanieren sie mit dem Kopf in einer wattigen Kunstwolke zwischen den Pausengästen. Weiter geht’s nach Oslo, wo Ingrid Lorentzen in der Oper das Sagen hat. Ihr Haus, dem die Passanten über lange Rampen aufs Dach steigen dürfen, sieht sie auch als demokratisches Statement. Im ebenso neuen Opernhaus von Kopenhagen sagt Chefchoreografin Marina Mascarell, dass sie über den Tanz alte Muster infrage stellen will. „Wir hören auf die Körper der anderen und achten auf den Raum um uns.“ Diese Achtsamkeit passt bestens in eine Stadt, die als erste der Welt klimaneutral werden will.

On Tour in Helsinki: Eric Gauthier tanzt mit Tero Saarinen an einem Fähranleger. Foto: Jeanette Bak

Eine Stunde lang kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. In den skandinavischen Städten scheint die Sonne auch dann zu scheinen, wenn Nebel die Aussichten trübt - wie bei Gauthiers Treffen mit der Ballerina Jolanda Correa auf einer über Oslo thronenden Skisprungschanze. Der Tanz setzt im Norden besonders leuchtende Akzente - schon in den ersten Szenen sieht man Ausschnitte aus Stücken, in denen Tänzer farbenfrohe Wischmopps als Perücken tragen und in Luftballonkostümen auftreten.

Der Norden tanzt divers und modern

Am meisten überrascht hat Eric Gauthier die Diversität und die Liebe zur Moderne. Überhaupt ist dieser Beitrag der perfekte Abschluss seiner Tanzreise und eine Verbeugung vor einer Kunst, wie Gauthier resümiert, „die das Leben und die Unterschiede zwischen uns feiert“.

In der ARD-Mediathek sind alle Folgen von „Dance Around the World“ weiterhin abrufbar: