Louis Geyer (re.) gelang ein Touchdown, Stuttgart Surge verlor am Ende aber das ELF-Finale. Foto: dpa/Federico Gambarini

Es hat nicht geklappt. Stuttgart Surge unterlag nach großem Kampf im Endspiel der European League of Football dem Team von Rhein Fire. So lief das packende Duell.

Sie hatten nie aufgegeben, Rückschläge weggesteckt und dem Favoriten einen großen Kampf geliefert. Am Ende aber jubelte Rhein Fire – und die Spieler von Stuttgart Surge verließen abgekämpft und mit hängenden Köpfen das Spielfeld der Duisburger Schauinsland-Arena. Nach einer überraschend starken Saison verpassten die Stuttgarter die Krönung der Spielzeit. Sie unterlagen im Championship Game der European League of Football Rhein Fire mit 34:53. „Es hat nicht sollen sein“, sagte Suni Musa, der Surge-Geschäftsführer, „aber das Team hat in dieser Saison Großartiges geschafft.“ Und die noch junge europäische Profiliga hat im dritten Jahr ihres Bestehens den dritten Titelträger nach Frankfurt Galaxy (2021) und den Vienna Vikings (2022).

 

Die vermeintliche Übermacht der Rhein Fire hatte sich schon lange vor der Partie deutlich gezeigt. In der Bahn, vor dem Stadion, dann auch auf den Rängen der Arena in Duisburg waren die Fans des Düsseldorfer Teams klar in der Überzahl. Kein Wunder, trägt die Mannschaft doch all ihre Heimspiele im Stadion des MSV Duisburg aus. Und auch ein Blick auf die Geschehnisse vom Vortag sprachen sportlich klar für Rhein Fire.

Im vor dem Finale gewählten All-Star-Team der ELF standen gleich neun Akteure der Düsseldorfer. Jim Tomsula wurde zum Headcoach des Jahres gewählt, und auch der wertvollste Spieler der ELF-Saison ist einer jenes Teams, das keine einzige Niederlage hat einstecken müssen: Fire-Quarterback Jadrian Clark. Und Stuttgart Surge?

Wollte sich trotz allem nicht als Außenseiter präsentierten – entsprechend selbstbewusst traten die Stuttgarter zu Beginn der Partie auf.

Traumstart durch Louis Geyer

Schon in der sechsten Minute dieses Endspiels gelang ihnen der erste Touchdown. Louis Geyer fing das Ei in der Endzone, das Team machte also genau da weiter, wo es im Halbfinale aufgehört hatte – und überraschte einen anscheinend übermächtigen Kontrahenten. Überhaupt ist Stuttgart Surge ja das Überraschungsteam der Saison.

Noch 2022 war der Mannschaft von der Waldau kein einziger Sieg gelungen. Dann heuerte Jordan Neuman in Stuttgart an, was auch andere Trainer und einige Spieler dazu bewegte, den Weg von den Schwäbisch Hall Unicorns (GFL) zu Surge zu gehen. Der Neuanfang gelang – „wir haben unseren Plan sogar übererfüllt“, lobte Musa. Denn Surge schaffte nicht nur den erhofften EInzug in die Play-offs, sondern auch einen überraschenden Sieg im Halbfinale bei Titelverteidiger Vienna Vikings – und eben den Traumstart im Endspiel vor 31 500 Zuschauer in der ausverkauften Duisburger Arena. Doch dann zeigte Rhein Fire seine Klasse.

Einem Touchdown durch Nate Robitaille folgte ein weiterer durch Harlan Kwofie und noch einer durch Florian Eichhorn. Und weil auch die Extrapunkte erzielt wurden, lagen die Gäste Mitte des zweiten Viertels mit 6:21 zurück. Uneinholbar? Von wegen.

Angeführt von Quarterback Reilly Hennessy erreichte Kai Hunter die Endzone noch vor der Pause, ebenfalls gelang dies Paul Steigerwald, ein Fire-Pass wurde zudem abgefangen, lediglich Kicker Lenny Krieg hatte keinen guten Tag erwischt. Aber: Surge war zur Pause wieder dran, lag nur noch 20:24 zurück. Eine entscheidende Szene spielte sich dann aber kurz nach Beginn der zweiten Hälfte ab.

Stuttgart Surge leistet bis zum Ende Gegenwehr

Rhein Fire war mit einem Touchdown gestartet (Sergej Kendus), dann war der Stuttgarter Yannick Mayr auf dem Weg zu den nächsten Punkten für die Surge. Er hatte die Endzone so gut wie erreicht, als er doch noch von einem Fire-Verteidiger attackiert wurde. Die Schiedsrichter gaben zwar zunächst einen Touchdown, doch nach Ansicht der Videobilder war klar: Mayr war vor der Endzone gestoppt worden – auf eine Art, die Rhein Fire sogar den Ballbesitz ermöglichte. „Es war ein entscheidender Moment“, sagte Neuman, „aber ich weiß nicht, ob es der alles entscheidende war.“ Denn sein Team gab es immer noch nicht geschlagen.

Kurz vor dem Ende des dritten Viertels fing Darrel Stewart einen Pass von Hennessy, Surge holte sich noch Zusatzpunkte – und war wieder auf fünf Zähler dran. Erst als Rhein Fire ein weiterer Touchdown gelungen und Glen Toonga mit einem nächsten spektakulären Lauf in die Endzone gepunktet hatte, war die Entscheidung beim 28:46 fünf Minuten vor dem Ende quasi gefallen.

Ein Touchdown gelang den Stuttgartern noch (zum 34:46), danach schwand der Glaube an den Sieg, Rhein Fire punktete noch einmal – dann war der Traum vom Titel für Surge endgültig geplatzt. Der Ehrgeiz aber nicht erloschen. „Das hat“, sagte Suni Musa, „auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht. Wir wollen etwas aufbauen und arbeiten gleich morgen weiter daran, uns zu verbessern.“