Von links: Korbinian Schmitt (Ton), Asfaha Kindishe (Script), Regisseurin Else de Waal, Filmemacher Julian Wirth aus Hechingen, Ceyda Meral (Maske) und Hauptdarstellerin Anna Setzer. Foto: Hurm

Kürzlich war für mehrere Tage ein Filmteam im Haigerlocher Stadtteil Weildorf zu Dreharbeiten. Was hatte es damit auf sich? Wer hat da gefilmt und worum ging es? Wir klären auf.

Zufällig vorbeikommende Passanten mögen sich vielleicht gewundert haben, als ein kleinerer Möbelwagen beim Eckhaus Edelmann-/Theresienstraße vorfuhr, Sachen auslud und ins Haus schaffte, später zeigte sich eine größere Gruppe überwiegend junger Leute vor dem Haus. Dann sprach es sich herum: Da wird ein Film gedreht.

 

Auslöser war eine Internet-Anzeige

Doch zurück zum Anfang. Simon Hurm und seine Partnerin Patrizia Pieper hatten erst kürzlich das Haus gekauft. Da ein Umbau anstand, wurde die Einbauküche zum Verkauf ins Internet gestellt, doch statt potenzieller Käufer meldete sich eine Frau Scheb und meinte, dass diese Küche „die ideale Location“ für einen Teil eines geplanten Kurzfilms wäre. Kurz kam der Gedanke auf, ob es sich um einen Scherz von Freunden handeln könnte, dann wurde klar: Ja, das ist echt.

Weitere Anrufe und Besuche vor Ort folgten, um auszuloten, was sowohl räumlich als auch zeitlich möglich war, denn die frischgebackenen Hausbesitzer wollten ja eigentlich bald mit dem Umbau des Hauses beginnen. Zuletzt wurde ein Vertrag geschlossen.

Filmemacher kommt aus Hechingen

Der „Filmemacher“, Julian Wirth ist ein sympathischer und begabter junger Mann aus Hechingen, der sich nach dem Abschluss seines Bachelorstudiums an der Merz-Akademie in Stuttgart mit dem geplanten Kurzfilm für ein weiteres Studium an der Filmakademie in Ludwigsburg bewerben will.

Passt alle? Filmemacher Julian Wirth prüft eine Einstellung an der Profi-Kamera. Foto: Hurm

Im Film geht es vereinfachend gesagt um die komplizierte Beziehung einer Mutter und ihrer Tochter. Die beiden haben sich sehr entfremdet. Über das Tanzen, über das Ballett, nähern sie sich wieder an. Im Finale tanzt Jana dann vor ihrer Mutter. Für diesen zweiten Teil bot sich die Ballettschule Armin Weiß in Albstadt-Ebingen als Drehort an.

Dreharbeiten für den Laien spannend

Es war spannend, in Weildorf direkt am Set dabei sein zu dürfen und mitzuerleben, wie gut der Zusammenhalt im Team war. Es bestand vor allem aus Freunden und freiwilligen Helfern, nur die Rollen der Mutter und der Tochter wurden mit professionellen Schauspielerinnen besetzt.

Immer wieder wieder wurde von lockerer Stimmung in Sekundenschnelle auf hochkonzentrierte und hochprofessionelle Arbeit umgeschaltet. Neben Julian Wirth immer mitten im Geschehen: Produzentin Celine Scheb, die „gute Seele“ des Filmteams und Regisseurin Else de Waal, die ihr Studium bereits abgeschlossen hat. Nicht zu vergessen der ganze logistische Aufwand: Die teure Ausrüstung beschaffen (vieles davon war geliehen), Quartiere buchen, für Essen sorgen und vieles mehr gehörten zum Aufgabenheft.

Dreharbeiten live übertragen

Und auch die Weildorfer Einwohnerschaft sollte etwas von den Dreharbeiten haben. Deshalb wurde in der Garage ein großer Monitor aufgebaut. Wer Lust hatte, konnte bei gespendetem Kaffee und Kuchen verfolgen, wie oben in der Küche und im angrenzenden Wohnzimmer gefilmt wurde – oder sich in den Drehpausen mit dem Filmteam unterhalten.

Die Hausbesitzer lehnten es ab, für die Bereitstellung der Räumlichkeiten Geld anzunehmen. Stattdessen schlugen sie vor, für den Kaffee- und Kuchenverzehr eine Spende an die Kinderkrebsklinik in Tübingen zu geben.

Nach Drehschluss folgt die Bearbeitung des Materials

Nach dem Abschluss der Dreharbeiten folgt noch viel Arbeit. Laut Julian Wirth müssen die Szenen aus den verschiedenen Einstellungen geschnitten werden, am aufwändigsten werde dabei die Ballettchoreographie sein. Dazu kommen noch die Nachbearbeitung von Ton und Farben. Insgesamt blieben pro Drehtag nur etwas zwei Minuten Film übrig, da die Bewerbungsfilme der Kandidaten insgesamt nicht länger als zwölf Minuten sein dürfen.

Den fertigen Film will der Hechinger dann „bei einer Vielzahl von Festivals einreichen“ in der Hoffnung, dass er da und dort gezeigt wird.