Das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart begeisterte und bestätigte den Aufwind für den Filmstandort Baden-Württemberg. Diesen gilt es zu nutzen, kommentiert unser Autor.
Erfolg zu erreichen ist das eine, ihn zu bestätigen etwas ganz anderes. Und so ist der neuerliche Erfolg des Internationalen Trickfilm-Festivals Stuttgart als Branchentreff wie als Publikumsereignis keineswegs selbstverständlich.
Dem Team um Festivalleiterin Annegret Richter ist indes nicht nur der Spagat zwischen notwendigem künstlerischem (Wettbewerbs-)Anspruch und frei zugänglichen Angeboten gelungen. Die enorme Nachfrage nach Mitmachangeboten gerade im Vorschulalter zeigt: Animationsfilm ist ein herausragendes Thema kultureller Bildung.
Der Erfolg des diesjährigen Trickfilm-Festivals als Teil einer zahlreiche Film-Themen bündelnden Stuttgart Animated Week passt in den Aufwind für den Filmstandort Baden-Württemberg. Ein Aufwind, der sich auch politischer Rückendeckung verdankt. Arne Braun hat als Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in den vergangenen dreieinhalb Jahren dem Themenbereich Film und Filmförderung neue Bedeutung gegeben. Forderungen an die Beteiligten – auch jene nach stärkerer Cluster-Bildung – gehörten dazu und sorgten keineswegs nur für Beifall.
FilmLänd ist nicht nur ein Wort
Beginnend bei der Sicherung kleinerer Filmfestivals im Land bis hin zum Ausbau der Filmförderung reicht ein Rahmen, der den neuen, international etablierten Verantwortlichen der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg sowie in der Filmakademie Baden-Württemberg klar signalisiert: Das FilmLänd Baden-Württemberg ist nicht nur ein Wort. Schrittmacher Arne Braun aber wird dem neuen Kabinett des designierten Ministerpräsidenten Cem Özdemir nicht mehr angehören.
Umso wichtiger ist es, dass das Thema Film von der neuen Landesregierung in noch engerem Schulterschluss zwischen Wissenschaftsministerium und Staatsministerium weiter vorangetrieben werden soll. Und wenn sich nun Petra Olschowski, erneut Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, bewusst selbst in die erste Filmreihe stellt, ist klar: Ob Animation, künstliche Realität und Spezialeffekte einerseits oder Serien- und Spielfilmproduktion andererseits, ob Hochschulausbildung oder kulturelle Bildung: Wer mit dem Thema Film umgeht, kann sich auf noch klarere Anforderungen an ein belastbares Gesamtprofil einstellen.
Entsprechende Anläufe verbanden sich in den vergangenen 30 Jahren gerne mit dem Begriff Kreativwirtschaft. Meist zur Verteidigung der Förderung gebraucht, gilt es nun, Kreativwirtschaft als reale Chance in der Transformation von der Produktions- in die Digitalgesellschaft zu gewichten. Die Macht Bewegtbild bestimmt unsere Wahrnehmung bis hinein in jüngste Entwicklungen der Medizintechnik. Nein, all dies ist nicht alles Film. Aber mehr denn je schafft sich die Produktion bewegter Bilder Eigenrealitäten, die uns ebenso neue Einblicke in unsere Körper ermöglichen, wie sie uns auch verführend träumen lassen.
Film ist ein Gewicht im Innovationswettlauf
Von all diesem erzählten in der Stuttgart Animated Week das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart, die Animation Production Days und die Fachkonferenz FMX – Film & Media Exchange. Mehr Film für das Land! – dies ist keine weltfremde Parole, sondern spiegelt schlicht die Notwendigkeit, im nationalen wie im internationalen Innovationswettlauf das aufgenommene Tempo zu halten und zu steigern.