Teddy (Ethann Isidore), Indiana Jones (Harrison Ford) und Helena (Phoebe Waller-Bridge, v. l.) ) in „Indiana Jones und das Rad des Schicksals“. Foto: Lucasfilm/Festival de Cannes/dpa/Lucasfilm Ltd.

Bei den Filmfestspielen von Cannes stellt Regisseur James Mangold die mit Spannung erwartete Fortsetzung der Abenteuerfilmreihe mit Harrison Ford in der Titelrolle vor. Sein Kollege Hirokazu Kore-eda liefert das eindrucksvolle Werk „Monster“ ab.

Traditionen werden in Cannes gepflegt wie bei kaum einem anderen Filmfestival sonst, und eine davon ist die der großen Hollywoodspektakel, von denen alljährlich mindestens eines die Croisette als Kulisse für seine Weltpremiere nutzt. Dieses Jahr stellt keine Ausnahme dar – und so stand am Donnerstag die mit Spannung erwartete Rückkehr des „Indiana Jones“ an, mit feierlichem Gala-Screening und anschließender Party am Strand.

 

Das ist der mutmaßlich letzte Streich von Indiana Jones

15 Jahre ist es her, dass der legendäre Archäologe mit Hut und Peitsche auf der Leinwand (und ebenfalls in Cannes) zu sehen war, und lange konnte man sich nicht sicher sein, ob es – auch angesichts des fortschreitenden Alters von Hauptdarsteller Harrison Ford – ein Wiedersehen geben würde. Doch nun ist es in „Indiana Jones und das Rad des Schicksals“ (ab dem 29. Juni auch in den deutschen Kinos) zum mutmaßlich letzten Mal so weit.

James Mangold hat von Steven Spielberg die Regie übernommen und bemüht sich, einerseits das etwas altmodische Abenteuerflair der 1981 begonnenen Filmreihe einzufangen und andererseits mit modernen Blockbuster-Konventionen von heute mitzuhalten.

Los geht es mit einer Rückblende in die Endtage des Zweiten Weltkriegs, wo Dr. Jones zu verhindern versucht, dass Hitler ein kostbares, von Archimedes geschaffenes Artefakt in die Hände fällt. Doch die eigentliche Handlung setzt dann 1969 ein.

Patentochter Helena ist von Archimedes’ Erfindung besessen

Während in New York die Mondlandung bejubelt wird, hat Indy eher wenig zu feiern: Sein Sohn ist in Vietnam gefallen, Ehefrau Marion will die Scheidung, und die Rente steht auch vor der Tür. Dann allerdings taucht Patentochter Helena (Phoebe Waller-Bridge als willkommene Ergänzung) auf, die von Archimedes’ Schöpfung, mit der sich womöglich durch die Zeit reisen lässt, ähnlich besessen scheint wie einst ihr Vater und vor allem der deutsche Wissenschaftler Voller (Mads Mikkelsen), der mit seinen Schergen hinter ihr her ist.

Der neue Film bedient sich der bewährten Indy-Stilmittel

Nazis als Bösewichte, dunkle Höhlengänge, die zu versteckten Grabmälern führen, ein jugendlich-naseweiser Taschendieb, der zum wichtigen Handlanger wird, ein Wiedersehen mit dem alten Kumpel Sallah (John Rhys-Davies) – in einer Tour verneigt sich der neue Film nostalgisch vor der früheren, auch mit viel nicht immer frischem Humor. Gleichzeitig bemüht sich Mangold um zweieinhalb Stunden rastlose Action und Verfolgungsjagden (auf Zugdächer, in Tuk-Tuks oder zu Pferd im U-Bahn-Schacht) als sei man in einem „Mission: Impossible“-Film, was der Sache wiederum einiges ihres ihr durchaus innewohnenden Charmes beraubt und mitunter etwas ermüdet. Ganz zu schweigen davon, dass die Story gegen Ende dann doch ein paar abstruse Volten zu viel schlägt.

Derweil startete in Cannes aber natürlich auch der Wettbewerb, und der japanische Regisseur Hirokazu Kore-eda, der vor fünf Jahren hier für „Shoplifters“ die Goldene Palme gewinnen konnte, lieferte gleich zu Beginn ein abermals eindrucksvolles Werk ab.

Ausgehend von einer alleinerziehenden, verwitweten Mutter und ihrem noch nicht ganz jugendlichen Sohn verhandelt er auch in „Monster“ verschiedenste, nicht immer funktionale Familiendynamiken, wobei die Geschichte, die zunächst als eine über Mobbing durch eine Lehrkraft beginnt, mehrfach unerwartete Perspektivwechsel vornimmt.

Sean Penn als Rettungssanitäter in New York

Am Ende geht es auch um Homophobie, die Entdeckung des Andersseins, Lebenslügen und die Kurzsichtigkeit (erwachsener) Autorität, was Kore-eda mit der ihm eigenen Leichtigkeit zu einem sehr berührenden, menschlichen und nicht zuletzt hoffnungsvollen Ganzen verwebt, stimmig untermalt von der Musik des kürzlich verstorbenen Ryuichi Sakamoto.

Alles andere als subtil dagegen „Black Flies“, eine amerikanische Romanverfilmung inszeniert vom Franzosen Jean-Stéphane Sauvaire. Sean Penn und Tye Sheridan spielen zwei Rettungssanitäter in New York, der eine abgebrüht bis verbittert, der andere als Neuanfänger von der Jobrealität erschüttert, aber optimistisch. Aufdringlich in Ton und Bild geriert sich der Film dabei als gnadenlos und tiefschürfend, ist in Wirklichkeit aber eher eine Art Elendsporno, der nicht wirklich etwas zu sagen hat und zum Finale richtig peinlich wird.

Altmeister Wim Wenders präsentiert einen Dokumentarfilm in 3-D

Dann doch lieber den cineastischen Blick schweifen lassen auf das Nebenprogramm abseits der Palmen-Konkurrenz. Als Sondervorführung feierte dort der 3-D-Dokumentarfilm „Anselm“ Premiere, erster von zwei neuen Filmen des Altmeisters Wim Wenders. Weniger eindrucksvoll als vor zwölf Jahren „Pina“ ist es dennoch unbedingt sehenswert, wie der Regisseur den immer wieder mit der deutschen Vergangenheit und ihren Mythen ringenden Maler und Bildhauer Anselm Kiefer durch seine Ateliers begleitet, seine Arbeitsweise und das Werk in Szene setzt und das Ganze mit Archivmaterial und ein paar überflüssigen Spielszenen kombiniert. Keine konventionelle Doku-Biografie, sondern das Aufeinandertreffen zweier deutscher Ausnahmekünstler.