Der Figure Humaine Kammerchor begeisterte die Konzertbesucher mit seinem deutsch-französischen Programm „Es muss ein Wunderbares sein“ und mit dem Bariton-Solisten Thomas Scharr, Kerstin Mörk am Klavier, unter der Leitung von Denis Rouger. Foto: Silvia Lorek

Der Kammerchor Figure Humaine begeisterte beim Konzert in Freudenstadt mit einer Reise durch geheimnisvolle Sphären.

Mit französischen und deutschen Werken und Bearbeitungen für Chor und Klavier der Komponisten Liszt, Brahms, Fauré, Boulanger und weiteren, lud der Kammerchor Figure Humaine unter der Leitung von Denis Rouger auf eine nächtliche Klangreise ein. Darunter waren Bearbeitungen und vier Erstaufführungen von Rouger. Mit ihren exzellenten Stimmen, dem Solisten Thomas Scharr (Bariton) und der Pianistin Kerstin Mörk am Flügel brachten die Künstler sämtliche musikalischen Sterne zum Leuchten.

 

„Gestern noch in der Liederhalle Stuttgart, heute in Freudenstadt“, freute sich Hans Rebholz, Vorsitzender des Fördervereins Freunde der Musik in der Taborkirche über das Gastspiel des Kammerchors. Der Figure Humaine Kammerchor, 2016 von Chorleiter Rouger gegründet, widmet sich in seinen Konzerten deutschem und französischem Liedgut als Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft.

Glasklare Sopranistinnen auch in den höchsten Tönen

Hannah Kaupp (Sopran) gab vor dem Konzert einen Einblick in die Welt vor 150 Jahren als die Nächte noch sehr dunkel und Mond und Sterne die einzigen Lichtquellen waren. Deutsche Romantik stehe im ersten Konzertteil im Vordergrund, bevor es im zweiten Teil französisch werde mit der entschlossenen Vermutung und dem gleichzeitigem Programm-Motto: „Es muss ein Wunderbares sein.“

Bereits mit den ersten Tönen der Ballade „Harald Op.106/2“ von Josef Rheinberger bezauberte Figure Humaine und nahm die Konzertbesucher mit auf die mythische Reise des kühnen Helden Harald und ließ mit reichem Klang die Sterne ein erstes Mal beim „Nachtgesang“ aufleuchten. Dicht und legato vom Chor vorgetragen mit zarten piano Passagen zu Beginn und glasklaren Sopranistinnen auch in den höchsten Tönen und Altistinnen mit warmklingendem Timbre. Dabei virtuos und mit perlenden Klängen am Flügel von Kerstin Mörk begleitet.

Fröhlich anmutendes „Abendlied“

Solist Thomas Scharr ließ seine ausdrucksstarke, klare Baritonstimme mit Musik von Johannes Brahms, dem fröhlich anmutenden „Abendlied“, einem „Sommerabend“ bis zum „Mondenschein“ erklingen, gefolgt von Franz Liszts „Du bist wie eine Blume“. Einfühlsam und virtuos von Mörk am Klavier begleitet. Dafür gab es viel Applaus.

Regelrechtes Klangbaden war bei „Waldeinsamkeit“ und „Trost“ von Max Reger angesagt. Sehr innig, nahezu seufzend schön, traten nicht nur die Frauenstimmen, sondern auch die tiefen Bässe und leuchtenden Tenöre hervor. Ebenso, wie beim mit Spannung erwarteten Lied und Motto „Es muss ein Wunderbares sein“ von Liszt. Hier glänzte der Chor vielstimmig mit fantastischer Dynamik von piano bis fortissimo.

Ein Klangerlebnis mit fast schwebenden Tönen, voller Strahlkraft, bot der Frauenchor mit „Cantique de Paques“ von Arthur Honegger, bei dem die Dunkelheit allmählich weicht.

Erstaufführungen erklingen

Wie schön die Bearbeitungen von Rouger für fünfstimmigen Chor klingen können, ließen Figure Humaine bei „Hymne Op.7/2“, der Morgendämmerung „Aurore Op.39/1“ und „Notre Amour Op.23/2“ von Gabriel Fauré hören. Als „Erstaufführungen“ (Rouger/Figure Humaine) erklangen „La cigalle Op.13/4“ und „Le colibri Op.2/7“ von Ernest Chausson sowie „Phidylé“ von Henri Duparc im unverkennbar französischen Stil. Zum krönenden Abschluss folgte die stimmlich beeindruckende „L´invitation au voyage“.