Sie setzen sich für die psychische Gesundheit von Einsatzkräften ein. Nun reisen zwei Haslacher Feuerwehrmänner nach Kanada und in die USA, um ihr Konzept vorzustellen.
Ob in Japan, Taiwan, Mexiko, Norwegen, Kanada oder in Deutschland: Wenn Menschen in Not sind, tun Rettungskräfte alles in ihrer Macht Stehende, um ihnen zu helfen. Doch nicht jeder Einsatz endet mit dem Feierabend. Manchmal nehmen Feuerwehrleute, Polizisten sowie Rettungs- oder Pflegekräfte schlimme Erlebnisse mit nach Hause. Und manchmal hinterlässt ein traumatisches Geschehen im Einsatz tiefe Spuren in den Seelen derer, die helfen wollen.
Tim Messner und Dominik Kloppe kennen das Problem. Die beiden Feuerwehrleute aus Haslach beschäftigen sich schon seit ein paar Jahren mit der psychischen Gesundheit von Einsatzkräften und halten mehrmals im Jahr Vorträge. In diesen geht es um die Verarbeitung traumatischer Erlebnisse bei ihrer Arbeit. Dabei wollen die beiden ihren Kollegen schon präventiv an die Hand geben, wie sie mit schwierigen Erlebnissen umgehen können. Dieses Konzept ist einzigartig – nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit. Aus diesem Grund wurden die beiden nun nach Kanada und in die USA eingeladen, um dort ab Mitte Juni bei Tagungen und Treffen ihre Kenntnisse weiterzugeben.
Die beiden Haslacher sind Kollegen und beste Freunde
Eine vollkommene Überraschung war das nicht für Messner und Kloppe. Die Freunde und Kollegen – sie arbeiten zusammen als Bestatter – sind in den sozialen Medien unter dem Namen ihres Projekts „Broject for Life“ sehr aktiv und haben dort Kontakte zu Einsatzkräften in der ganzen Welt geknüpft. Dort lernten sie mehrere Gruppierungen und Organisationen kennen, die, genau wie sie, das Thema mentale Gesundheit von Einsatzkräften in den Fokus rücken. Zu diesen gehörte unter anderem „We See You“ aus Kanada. „Wir haben schnell gemerkt, dass es zwischen uns passt und uns gut verstanden“, berichten Messner und Kloppe über die ersten Kontakte, denen regelmäßige Videocalls folgten. Eine „dicke Freundschaft“ sei entstanden und bald kam eine Einladung nach Kanada, um dort vor Ort ihr „Broject for Life“ bei Seminaren und Workshops vorzustellen. „Lustigerweise wurden wir nach Steinbach in der Nähe von Winnipeg eingeladen. Eine Gemeinde, die von Deutschen gegründet wurde“, erzählen die beiden Haslacher im Gespräch mit unserer Redaktion.
Parallel dazu erhielten sie aber auch ein Angebot aus Miami. Dort findet einmal im Jahr ein „Mental Health Day“ (Tag der mentalen Gesundheit) für die dortigen Feuerwehrleute statt und ein Captain des Miami Fire Departments fragte Kloppe und Messner, ob sie Lust hätten, dabei zu sein und sich anzuhören, was dort erzählt wird. „Wir hatten ja schon den Flug nach Kanada gebucht und noch etwas Puffer. Also haben wir zugesagt“, so die Haslacher. Nach ihrer Zusage erhielten sie einen Videocall vom stellvertretenden Chef des Fire Departments.
Bücher sind mittlerweile auch auf Englisch erhältlich
Er hatte einige von Messners und Kloppes Büchern gelesen, die mittlerweile auch auf Englisch erhältlich sind, und fragte sie, ob sie sich auch vorstellen könnten, einen einstündigen Vortrag zu halten. Natürlich sagten Kloppe und Messner zu.
Doch die beiden werden ihren Aufenthalt in Kanada und den USA nicht nur mit Präsentationen und einem Erfahrungsaustausch verbringen. Sie dürfen auch hautnah erleben, wie die Kollegen auf der anderen Seite der Welt arbeiten. „Wir haben alle Papiere fertig, dass wir auch mal eine Schicht mitfahren dürfen“, berichten sie. Dass es da einige Unterschiede gibt, wissen sie schon.
So gebe es zum Beispiel in Steinbach nur drei Feuerwehrfahrzeuge für die 15.000 Einwohner umfassende Gemeinde. „Das heißt, die sind eigentlich ständig draußen“, fasst Messner zusammen. Auch die Helme würden sich unterscheiden – zumindest im Design. „Wir Deutsche werden für das Aussehen unserer Helme immer etwas belächelt. Die amerikanischen sind von der Funktion zwar gleich, aber einfach schnittiger“, erklärt Kloppe. Nach Steinbach und Miami steht auch das Silicon Valley auf der Reiseroute der beiden. Dort wollen sie sich ebenfalls mit Feuerwehrleuten vor Ort austauschen. „Da fehlt uns aber noch das 100-prozentige Okay“, sagen die Feuerwehrmänner.
Die 40-Jährigen freuen sich auf die Fahrzeuge
Die beiden 40-Jährigen freuen sich in den USA und Kanada vor allem auf die Fahrzeuge, wie sie sagen. „Da drüben ist einfach alles größer, auch die Feuerwehrautos. Und natürlich wird es ein besonderer Moment sein, das einzigartige amerikanische Signal zu hören“, sagen die beiden. Sie blicken mit großer Vorfreude auf ihren Trip, nervös sind sie nicht. „Wir sind aufgeregt, ja. Aber Lampenfieber haben wir bei Vorträgen schon lange nicht mehr. Da haben wir mittlerweile Routine“, sagen Messner und Kloppe. Weil sie mittlerweile fast täglich mit Einsatzkräften aus der ganzen Welt per Videotelefonie Kontakt haben, sei ihr Englisch nun auch fließend und sie befürchteten keine Sprachbarriere.
Die Reise ist für die beiden der vorläufige Höhepunkt ihrer Arbeit – und sie blicken mit ein bisschen Ungläubigkeit auf die vergangenen zwei Jahre zurück. „Anfangs wurden wir etwas belächelt, es gab ein paar Rückschläge, aber allmählich merken wir, dass unsere Inhalte ankommen, die Menschen bewegen und etwas erreichen“, freut sich Messner. Ihre Motivation hinter all ihren Mühen: „Änderungen ins System zu bringen“.
Weltweites Netzwerk
Weltweit beginnen Polizisten, Feuerwehrleute, Soldaten und Rettungskräfte sich in dem Netzwerk „Global Responder Network“ zu verbinden. Im Internet können sie unter www.global-responder-netowrk.com Kontakte knüpfen, sich organisieren und Informationen austauschen. Mittlerweile sind 50 Menschen Mitglieder, Tendenz steigend.