Yves Hartung (von links), Philipp Großmann und Christoph Heinzmann sind die First Responder in Epfendorf. Darüber freut sich nicht nur Gesamtfeuerwehrkommandant Alexander Heim. Foto: Cools

Bei einem Notfall zählt jede Sekunde. Jetzt gibt es in Epfendorf noch schnellere Hilfe. Wir erklären, warum.

Zwölf Minuten: So lange darf es laut Gesetz maximal dauern, bis der erste Rettungswagen bei einem Notfall eintrifft. Die Realität sieht in manchen Fällen freilich anders aus – etwa wenn alle Rettungswagen im Umkreis bereits im Einsatz sind. Für die Angehörigen vor Ort fühlt sich das Warten auf qualifizierte Hilfe in jedem Fall ewig an. Hier kommen die First Responder (qualifizierte Ersthelfer) ins Spiel. In Epfendorf sind das Yves Hartung (19), Philipp Großmann (35) und Christoph Heinzmann (37).

 

Sie sind ehrenamtlich tätig, werden bei einem Notfall gleichzeitig mit dem Rettungsdienst über die Integrierte Leitstelle alarmiert, sind dadurch, dass sie in der Gemeinde leben, in der Regel schneller vor Ort und überbrücken die Zeit zwischen der Alarmierung und dem Eintreffen des Rettungsdienstes. Dabei übernehmen sie, je nach Situation vor Ort, unterschiedliche Aufgaben.

Medizinische Hilfe

Allen voran natürlich die Behandlung des Patienten – ganz nach dem Grundsatz der Notfallmedizin: „Treat first what kills first“ (Behandle das zuerst, was als erstes tötet), wie Heinzmann erklärt. First Responder müssen dafür mindestens die Ausbildung des Sanitätshelfers vorweisen.

Die drei Epfendorfer sind allesamt sogar ausgebildete Rettungssanitäter. Sie sind dabei nicht als Ersatz für den Rettungsdienst zu sehen, sondern als ergänzende Unterstützung.

Informationen zur Einsatzstelle

Als Erste vor Ort übernehmen sie oftmals nicht nur medizinische Aufgaben. Sie geben etwa Rückmeldung an die Rettungsleitstelle, ob der Einsatzort wie angegeben stimmt, ob ein Notarzt nötig ist und ob es mehrere Verletzte gibt. Denn manches Mal stelle sich die Situation vor Ort anders dar, als bei der Alarmierung angenommen.

Wenn der Rettungsdienst eintrifft, unterstützen die First Responder diesen außerdem, beispielsweise wenn Patienten aus einem oberen Stockwerk heruntergetragen werden müssen.

Betreuung der Angehörigen

Aber auch die Betreuung der Angehörigen vor Ort gehört zu den Aufgaben. „Wenn die uns sehen, sind viele sofort erleichtert und froh, dass sie die Verantwortung nun abgeben können“, erklärt Heinzmann.

Und wenn der Rettungsdienst sich dann um den Patienten kümmere und dabei natürlich keine Zeit habe, die Angehörigen zu betreuen, dienen die First Responder oftmals als Ansprechpartner und teils auch als kurzfristige psychologische Betreuung für vom Notfall traumatisierte Angehörige.

Mehr als 20 Einsätze seit März

Seit März wurden die First Responder in Epfendorf schon zu 22 Einsätzen gerufen, davon zehn im April. Dazu zählten neben Verkehrsunfällen auch Stürze, allergische Reaktionen, Kreislaufstillstände und ein Kollaps.

Die bisherige Erfahrung zeige: „Wir können, was die Belastung angeht, einiges abfedern“, sagt Christoph Heinzmann und meint damit sowohl die Angehörigen als auch den Rettungsdienst. Und auch wenn sich das im Nachhinein schwer sagen lasse, heißt es auf unsere Nachfrage: Ja, bei einem oder zwei Einsätzen hätte es ohne das schnelle Eingreifen der First Responder schlecht für den Patienten ausgehen können.

Entschädigung und Material

Für ihre wichtige Arbeit erhalten die First Responder übrigens die gleiche Einsatzentschädigung wie Feuerwehrkräfte beim Einsatz. Das hat der Gemeinderat im März beschlossen.

Auf Antrag beim Förderverein der Feuerwehr haben die First Responder außerdem rund 1000 Euro für Einsatzjacken und einen Notfallrucksack, der auch einen Defibrillator enthält, bekommen. Der Bürgermeister habe zudem finanzielle Unterstützung für eine weitere Einsatzjacke zugesagt, berichtet Gesamtfeuerwehrkommandant Alexander Heim.

Für ihn sind die First Responder nicht nur für die Gemeinde eine große Bereicherung, sondern auch für die Feuerwehrkräfte – Stichwort: Eigenschutz bei Einsätzen.

Übrigens: Auch wenn die First Responder quasi in der Nachbarschaft sind: Bei einem Notfall muss ein Notruf über die 112 abgesetzt werden. Damit werden auch die Epfendorfer Ersthelfer automatisch informiert. Ein Anruf über die private Nummer ist deshalb nicht angezeigt.