Der Feuerwehrbedarfsplan Efringen-Kirchen ist ein Blick in die Zukunft. Das Standortkonzept sorgt bei Ortschaftsräten aber teils schon jetzt für Aufregung.
Zielszenario für den neuen Feuerwehrbedarfsplan ist das Jahr 2040. Für den Moment bedeutet dies, dass noch nichts sofort geschieht. Dennoch passiert etwas, denn es gibt Ärger: Nach dem Beschluss des auf dem Standortkonzept basierenden Feuerwehrbedarfsplans durch den Gemeinderat im April 2025 hat sich der Ortschaftsrat Blansingen einen Monat später bei der Kommunalaufsicht beschwert: Die Räte sahen ihr Anhörungsrecht verletzt.
Dies sei nach Rücksprache mit dem Landratsamt und einem Fachanwalt zwar nicht der Fall, wie Bürgermeisterin Carolin Holzmüller in der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärte. Aus Sicht der Verwaltung sei zu unterscheiden zwischen vorbereitenden Verfahrensschritten und inhaltlichen Entscheidungen.
„Das Standortkonzept, für das der Ortschaftsrat eine vermeintlich fehlende Anhörung bemängelt, stellt nur eine Vorstufe zu dem noch zu beschließenden Feuerwehrbedarfsplan dar“, heißt es in der Sitzungsvorlage.
Mit diesem Konzept sei noch keine Entscheidung darüber getroffen, in welchem Ortsteil die künftigen Abteilungen verortet werden und welche der derzeit neun Feuerwehrstandorte im Gegenzug „geschlossen“ werden. Dennoch habe der Fachanwalt empfohlen, eine Anhörung nachzuholen, dem die Verwaltung nun nachkomme.
Allerdings habe es für die Ortschaftsräte die Möglichkeit gegeben, zwischen dem 4. November und dem 15. Januar Stellungnahmen einzureichen, wie Holzmüller weiter ausführt.
Die vom Ortschaftsrat Huttingen sei abgelehnt worden, die von Mappach habe die Verwaltung nicht fristgerecht erreicht. Ortsvorsteherin Claudia Scheurer (FDP/Freie Bürger) gab in der Gemeinderatssitzung bekannt, dass sie dies nachholen werde. Die Einschätzung der übrigen sieben Ortsgremien sind der Sitzungsvorlage beigefügt und damit auch öffentlich einsehbar.
„Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nie“
Ein Zimmerbrand in der dritten Etage, ein Wohnungsbrand in Maugenhard oder ein Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person unter Beteiligung eines Gefahrguttransports: Dies sind besondere Szenarien, die bei der Feuerwehrbedarfsplanung von der Gesellschaft Brandschutz Vier berücksichtigt werden. „Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nie. Es wird immer Situationen geben, auf die keiner vorbereitet ist“, erklärte Hermann Spanner, Mitgründer von Brandschutz Vier, in der März-Sitzung des Gemeinderats Efringen-Kirchen.
Ein Standardszenario sei für die Gesellschaft ein kritischer Wohnungsbrand mit Menschenrettung. Die ersteintreffende Einheit sollte nach zehn Minuten vor Ort sein, eine nachrückende Einheit nach 15 Minuten.
Bedarfsplan: Wie viel Feuerwehr braucht Efringen-Kirchen?
Insgesamt geht der Entwurf für die Feuerwehrbedarfsplanung der Frage nach: Wie viel Feuerwehr braucht Efringen-Kirchen? Im Feuerwehrgesetz Baden-Württemberg steht dazu: „Jede Gemeinde hat auf ihre Kosten eine den örtlichen Verhältnissen entsprechende leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen“.
Der Planungsgrundsatz sei den Faktoren Sicherheit und Kosten zugrunde gelegt, erklärte er. Es gebe den landesrechtlichen Mindestbedarf. Hinzu komme das örtliche Risikoniveau. Durch die Bundesstraße 3 und die Autobahn 5 sowie die Bahn mit dem Katzenbergtunnel kämen in Efringen-Kirchen besondere Aufgaben hinzu.
Ortschaftsrat Blansingen sieht ernsthafte Gefahr für Einwohner
So sehen die Ortschaftsräte in Blansingen eine „ernsthafte Gefahr für die Einwohner, bei der Erreichbarkeit in Gefahrenlagen“ und könnten das vorgelegte Standortkonzept nicht befürworten. „In der topografischen Lage, auf dem Berg von Blansingen (Huttingen) sehen wir die Gefahr, dass bei Wetterereignissen wie Starkregen, Sturm, Schneefall und Glatteis (siehe November 2024) die Ortschaften von der Feuerwehr abgeschnitten sind, wenn der Standort im Tal liegt“, heißt es in der Vorlage.
Holzmüller: Aktiv am Feuerwehrbedarfsplan weiterarbeiten
Die Räte in Wintersweiler, Egringen, Welmlingen, Kleinkems und Istein nahmen den Gemeinderatsbeschluss eines Standortkonzepts zur Erstellung eines Feuerwehrbedarfsplans ohne größere Bedenken zur Kenntnis. „Wir hoffen, dass wir nun aktiv am Feuerwehrbedarfsplan weiterarbeiten können“, sagte Holzmüller.
Der Gemeinderat nahm den Sachverhalt einstimmig zur Kenntnis und war sich einig: Die Ortschaftsräte hätten vorab informiert werden sollen. Die Vorberatungen in den örtlichen Gremien fanden aber nach dem Beschluss des Gemeinderats im April zwischen Anfang Dezember 2025 und Mitte Januar 2026 statt.