Für reichlich Irritationen haben erneute Mehrkosten beim Bau des Feuerwehrgerätehauses in Weilersbach gesorgt. Mittlerweile werden hierfür rund 4,8 Millionen Euro veranschlagt. Was genau steckt hinter der Summe?
Innerhalb kürzester Zeit über 50 Prozent Mehrkosten? Diese Horror-Zahl im Zusammenhang mit dem dringend benötigten Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Weilersbach sorgte im Technischen Ausschuss für einige Aufregung. So informierte die Verwaltung darüber, dass nun rund 4,8 Millionen Euro eingeplant sind.
Für die Stadträte kam diese Summe durchaus überraschend. Denn: Wie auch die Vorlage deutlich machte, war man im Juni vergangenen Jahres noch davon ausgegangen, dass rund 3,6 Millionen Euro investiert werden müssten.
Das stieß ebenso den Freien Wählern mit deren Fraktionssprecher Andreas Flöß bitter auf. Keineswegs wolle man sich gegen den Bau des Gerätehauses stemmen. Dass Baukostensteigerungen mittlerweile zum Alltag gehören, sei bekannt – dass die Verwaltung bei einem Neubau allerdings „unvorhergesehene Mehrkosten“ einplane, sei ein Unding.
Auch Ulrike Salat (Grüne) merkte kritisch an, dass sich Erschließungskosten innerhalb eines Jahres verdreifacht hatten. Hier hatte die Verwaltung aber direkt eine Erklärung parat: Ein Kanal, der für den Neubau genutzt werden soll, erwies sich nun aufgrund der Dimensionen doch als ungeeignet. Dies treibe die Kosten nach oben.
Bührer bringt Licht ins Dunkel
Im Technischen Ausschuss war angesichts des offensichtlichen Diskussionsbedarfs das Votum hinsichtlich des Neubaus keinesfalls einstimmig. Acht Stadträte gaben das OK, drei verweigerten es und dies bei zwei Enthaltungen.
Die Wogen konnten einen Tag später im Verwaltungs- und Kulturausschuss schließlich deutlich geglättet werden. Da erklärte Bürgermeister Detlev Bührer die Hintergründe der ominösen Kostensteigerungen. So sei bei den Berechnungen im vergangenen Jahr kein Puffer eingeplant gewesen, es habe sich um erste Berechnungen gehandelt.
Grundsätzlich 15 Prozent Puffer
Nun würden die überarbeiteten Zahlen vorliegen. Heißt: Aufgrund der Kostensteigerungen in der Bauwirtschaft als auch durch den Ukraine-Krieg sei mit 16 Prozent Mehrkosten zu rechnen – macht in der Summe rund 4,2 Millionen Euro.
Und die weiteren rund 600 000 Euro? Dabei handle es sich um den Puffer in Höhe von 15 Prozent. Diese würde das Bauamt inzwischen immer einrechnen, um keine nachträglichen Mittel im Haushalt anmelden zu müssen. Eben für Unvorhergesehenes. Dabei handle es sich aber um eine rein kalkulatorische Zahl.
Gemeinderat muss grünes Licht geben
Ob diese am Ende tatsächlich weiterhin Bestand haben wird, steht allerdings noch in den Sternen. Grund dafür ist die Haushaltsstrukturkommission, die am Freitag tagt. Dort und in den Fraktionsrunden am Montag können die Stadträte nämlich entscheiden, ob sie den Puffer wieder rausnehmen und so mehr Geld für andere Projekte im ohnehin engen Haushaltsplan haben. Zur Not müsste die Stadt eben wieder zusätzliche Mittel einfordern. Schon jetzt machte aber Klaus Martin (CDU) deutlich, dass der Puffer von 15 Prozent als Sicherheitsreserve beibehalten werden sollte. Das sei ohnehin ein Wunsch der Fraktion gewesen.
Und wie geht es beim Feuerwehrhaus in Weilersbach weiter? Nachdem der Verwaltungs- und Kulturausschuss die Empfehlung für die weitere Planung gab (zwölf Jastimmen, drei Enthaltungen), muss der Gemeinderat am Mittwoch (Sitzung um 16 Uhr in der Neuen Tonhalle) noch endgültig grünes Licht geben. Heißt konkret: Die Bauausführungen sollen dann ausgeschrieben und damit vorbereitet werden.
Fördermittel stehen parat
Denn die Zeit drängt. Nur bis zu einem Beginn der Bauarbeiten im Frühjahr gewährt das Landratsamt Fördermittel in Höhe von 230 000 Euro. Damit die Maßnahmen tatsächlich pünktlich starten können, müssen die Aufträge für die Rohbau- und Technikgewerke in 2023 zwingend vergeben werden.