Erneuerbare Energien vor der Haustüre, an denen sich Bürger finanziell beteiligen können, bieten die Teckwerke in Hechingen mit einer PV-Anlage auf dem Feuerwehrhaus. Unsere Redaktion erklärt den Weg zur Rendite mit dem Ökostrom.
Die Regionalgruppe Hechingen der Teckwerke hat sich bei ihrer Gründung im Herbst 2023 zum Ziel gesetzt, die Bürger vor Ort an der Energiewende auch finanziell zu beteiligen. Nun steht ein Großprojekt in den Startlöchern, bei dem genau dieses Versprechen in die Praxis umsetzt wird.
Auf das Dach des Feuerwehrhauses in der Ermelesstraße baut die Regionalgruppe eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von rund 100-Kilowatt-Peak, wie Almut Petersen von der Regionalgruppe unsere Redaktion informiert. Der Pachtvertrag für die Dachfläche des Feuerwehrhauses zwischen Stadt und Regionalgruppe ist inzwischen in trockenen Tüchern. Das bestätigt Stadtsprecher Thomas Jauch auf Anfrage: „Der Pachtvertrag wurde unterschrieben, derzeit wird die Übergabe der Dachflächen vorbereitet.“ Bis gebaut wird, sei es nur noch eine Frage der Zeit, lediglich die Terminfindung zur Übergabe stehe noch aus, erklärt Petersen. So schnell wie möglich sollen die PV-Anlagen – administrativ betrachtet sind es sogar zwei – in Betrieb gehen. Im Optimalfall könne schon der anstehende Sommer zur Stromproduktion genutzt werden.
Mitgliedschaft nötig
Interessant für die Hechinger Bürgerschaft ist das PV-Großprojekt wegen der Bürgerbeteiligung. Voraussetzung, um von der Anlage auf dem Feuerwehrhaus finanziell zu profitieren, ist eine Mitgliedschaft bei den Teckwerken, die eine Genossenschaft sind. Der Mindestbetrag, um Genossenschaftsanteile zu erwerben, beträgt 100 Euro; der Höchstbetrag 10 000 Euro. „Die Einstiegshürde haben wir bewusst gering gewählt, um die breite Bevölkerung zu beteiligen“, sagt ein Teckwerke-Sprecher unserer Redaktion. Die Mitgliedsanteile werden verzinst und ermöglichen es, Geld in bestimmte Projekte mit fester Laufzeit und festem Zins anzulegen. So auch im Falle der PV-Anlage auf dem Feuerwehrhaus in Hechingen.
Zins: Drei bis vier Prozent
Die Teckwerke nennen diese Form der Beteiligung an lokalen Vorhaben „Mitgliederdarlehen“. Die Mitglieder geben der Genossenschaft quasi ein Darlehen zum Bau von Anlagen für die Erzeugung von Ökostrom. Um ein Mitgliedsdarlehen zu zeichnen, sollte man bereits zwei Monate Mitglied sein. Konkrete Angaben zu Höhe der Einlage, Laufzeit und Rendite im Fall der PV-Anlage des Hechinger Feuerwehrhauses möchte der Teckwerke-Sprecher nicht geben. Auf der Internetseite der Teckwerke ist unter Mitgliederdarlehen von einer Verzinsung je nach Laufzeit von drei bis vier Prozent, ab einem Betrag von 2500 Euro mit einer Laufzeit von sieben bis zwölf Jahren die Rede. Das Darlehen ist mit ein bis zwei Jahren Kündigungsfrist vorzeitig kündbar. Weitere Informationen erhalten Interessierte per E-Mail an info@teckwerke oder an hechingen@teckwerke.de.
Stadt profitiert von Anlage
Die Nachfrage nach Mitgliederdarlehen für das Hechinger Projekt sei groß. „Das Ziel ist, dass sich möglichst viele Bürger beteiligen“, sagt auch Petersen. Ist der Investitionsrahmen für das Hechinger Projekt ausgeschöpft, ermöglichen die Teckwerke Mitgliederdarlehen auch für Vorhaben in anderen Kommunen.
Neben den Bürgern profitiert auch die Stadt von der PV-Anlage auf dem Feuerwehrhaus. Ein Teil der administrativ zwei Anlagen deckt den Strombedarf des Feuerwehrhauses. Und dieser ist durchaus hoch. Wie aus dem jüngsten Energiebericht hervorgeht, hat die Feuerwehr 2023 knapp 80 000 Kilowattstunden Strom verbraucht, was rund 30 000 Euro gekostet hat. Der administrativ zweite Teil der PV-Anlage speist den Strom ins Netz ein.
PV-Offensive in Hechingen
Dass städtische Dachflächen von Dritten mit Photovoltaikanlagen bebaut und genutzt werden, wird aber offenbar die Ausnahme bleiben, wie Thomas Jauch weiter mitteilt. Vielmehr sei von Seiten der Stadtverwaltung vorgesehen, selbst aktiv zu werden. Ein entsprechender Grundsatzbeschluss hat der Gemeinderat im Juni 2021 gefasst. Geeignete kommunale Dachflächen sollen für die Installation städtischer PV-Anlagen vorgehalten werden – so beispielsweise auch bei der derzeit in der Generalsanierung befindlichen Alten Hofapotheke.