Das Feuerwehrhaus in Gültlingen muss zeitnah ertüchtigt werden, nachdem von der Unfallkasse Baden-Württemberg sicherheitsrelevante Missstände festgestellt wurden.
Der große Wurf mit einem Anbau von zwei Fahrzeugboxen an das Feuerwehrhaus in der Ortsmitte ist derzeit allerdings noch nicht möglich, stellte die Verwaltung in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats mit Blick auf die finanzielle Situation der Schäferlaufstadt klar.
Gleichwohl stehen Verwaltung und Gemeinderat in der Pflicht, die Mängel unverzüglich abzustellen und eine dauerhaft sichere Einrichtung zu schaffen. Wie Bürgermeister Ulrich Bünger jetzt unter Hinweis auf die Historie vorausschickte, seien die Feuerwehren Wildberg, Effringen und Schönbronn in einem gemeinsamen Gerätehaus am Oberen Welzgraben zusammengeführt worden, während anschließend der Neubau des Sulzer Feuerwehrhauses in Angriff genommen wurde.
Mängel seit 2020 bekannt
Zwar seien die Mängel am Gerätehaus in Gültlingen seit 2020 bekannt, aber bis vor Kurzem war die Standortfrage hier noch offen. „Wir hatten große Bedenken, ob Feuerwehr, Kindergarten und Schule dort Platz finden“, rief Ulrich Bünger die vergebliche Suche nach einem alternativen Feuerwehr-Standort in Erinnerung.
Zwischenzeitlich hat eine Machbarkeitsstudie des Stadtbauamtes zum Ergebnis geführt, den bestehenden Standort der Feuerwehr doch zu erhalten. Die Gesamtbaukosten für einen Anbau von zwei Fahrzeugboxen und die nötige Ausstattung werden nach aktuellem Stand bei rund 2,5 Millionen Euro liegen. Bei einer geschätzten Förderung in Höhe von 950 000 Euro würde sich der städtische Eigenmittelbedarf somit auf 1,55 Millionen Euro belaufen.
Stadt will 20 000 Euro bereitstellen
„Wir stehen jetzt vor der Frage, wie wir mit dem akuten Handlungsbedarf umgehen“, machte der Bürgermeister deutlich. Vor diesem Hintergrund schlug die Verwaltung vor, im Zuge einer Interimslösung die dringendsten Mängel zeitnah zu beseitigen – und dafür 20 000 Euro bereitzustellen.
Im kommenden Jahr sollen dann die erforderlichen Maßnahmen für den Anbau eingeleitet werden, so Bünger mit Blick auf den Zuschussantrag oder die Ausschreibung der Planungsleistungen. In seinen Augen wäre das zu diesem Zeitpunkt „ein wichtiges Signal, und das würde so auch von der Rechtsaufsicht mitgetragen“.
Der Gültlinger Ortsvorsteher Walter Baur drängte darauf, die Mängel unverzüglich anzugehen, um die Feuerwehrangehörigen zu schützen. Er hätte sich zudem einen früheren Planungsbeginn gewünscht, und Baur betonte: „Die Feuerwehr muss baulich so ausgestattet sein, dass sie ihren Aufgaben nachkommen kann.“
Gemeinsame Lösung schaffen
Für die CDU erinnerte deren Fraktionsvorsitzender Gerhard Ostertag an den Vorschlag seiner Fraktion, ein gemeinsames Feuerwehrhaus für die Abteilungen Gültlingen und Sulz zu schaffen – der aber von der Ratsmehrheit verworfen wurde. Seine Fraktion vertrete vor dem schwierigen finanziellen Hintergrund die Meinung, dass man erst im Herbst 2026 mit den Planungen beginnen sollte – und mit dem Bau frühestens 2027 nach Fertigstellung des Sulzer Gerätehauses zu beginnen.
Rolf Dittus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, erinnerte an das Bestreben des Gemeinderates, eine gute Ausstattung der Feuerwehr sicherzustellen. Klar gebe es jetzt Mängel im Gültlinger Feuerwehrdomizil, „aber es besteht keine akute Lebens- und Gesundheitsgefahr“. Deshalb werde seine Fraktion dem Vorschlag der Verwaltung zustimmen.
Gremium folgt Vorschlag
Mit dem Hinweis, „wir müssen die Zeit überbrücken“, warb auch der Wildberger Gesamtwehrkommandant Daniel Nuding für den Verwaltungsvorschlag, „damit wir nicht noch mehr Zeit verlieren“. In der folgenden Abstimmung folgte der Gemeinderat einstimmig der Beschlussempfehlung hinsichtlich einer Interimslösung, um die dringlichsten Mängel so gut wie möglich abzustellen. Sechs Enthaltungen gab es indes beim Beschluss, im kommenden Jahr mit den Planungsleistungen zu starten und im Frühjahr 2026 die entsprechende Förderanträge zu stellen.