Der Neubau des Feuerwehrhauses in Neuweiler hat in der Vergangenheit bereits oft für Diskussionen gesorgt. Diesmal ging es im Rat aber weniger um die Kosten – sondern eher um die Frage, ob es gerecht ist, dieses Gebäude mit allem auszustatten, während andere Abteilungen sich selbst kümmern müssen.
Das neue Feuerwehrhaus in Neuweiler wird wahrlich kein Schnäppchen. Das war von Beginn des Projektes an klar.
Schon eine Kostenschätzung im Jahr 2021 stellte eine Summe von 2,7 Millionen Euro in den Raum. Am Ende werden es wohl deutlich mehr. Im Sommer vergangenen Jahres rechnete Bürgermeister Martin Buchwald damit, am Ende wohl bei rund 4,3 Millionen Euro zu landen.
Die Summen, um die es in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Neuweiler ging, wirken dagegen vergleichsweise bescheiden: 66 186,15 Euro für Schreinerarbeiten sowie 16 494,72 Euro für Elektrogeräte standen zur Debatte. Und debattiert wurde gründlich.
Debatte um Gleichbehandlung
Zum einen drehte sich die Diskussion um eine Eckbank, eine Küche und einen Konvektomat (ein Heißluftofen, der in großen Küchen oder im Catering benutzt wird, um Speisen aufzutauen oder zu erhitzen).
Zum anderen debattierten die Räte aber über etwas viel Grundsätzlicheres – und zwar über die Frage, ob es in Ordnung sein kann, wenn manche deutlich mehr als andere bekommen.
„Ich find’s gegenüber den anderen Feuerwehren nicht richtig“, meinte etwa Samuel Wolf. So würden im neuen Feuerwehrhaus einfach drei Spülmaschinen eingebaut, eine der anderen Wehren habe sich selbst eine gekauft – aus der Kameradschaftskasse. Auch Möbel seien andernorts selbst gebaut worden. Wolf zeigte sich überzeugt, dass künftig niemand mehr selbst etwas leisten werde, wenn die Gemeinde im Fall des neuen Feuerwehrhauses alles ausstatten und somit einen Präzedenzfall schaffen würde.
Micha Stockinger schloss sich dieser Ansicht an. „Wir leisten uns hier meiner Meinung nach Luxus“, erklärte er. Und warnte ebenfalls davor, die „Büchse der Pandora“ zu öffnen, also Tür und Tor für künftige Wünsche anderer zu öffnen, die gleiche Behandlung einfordern könnten.
Jonathan Stockinger zeigte Verständnis für diese Ansicht, argumentierte aber trotzdem, hier würden Äpfel mit Birnen verglichen. Immerhin handle es sich um einen Neubau. Würde beispielsweise das Feuerwehrhaus einer anderen Wehr abbrennen, würde das ja auch von Grund auf neu errichtet und ausgestattet. Trotzdem blieb er zwiegespalten.
Bürgermeister Martin Buchwald gab zu bedenken, dass dieser Neubau nicht allein der örtlichen Wehr zur Verfügung stehen, sondern auch Schulungsräume sowie Platz für die Alters- und Jugendwehr der ganzen Gemeinde bieten werde. Auch deshalb sei es nicht ganz vergleichbar.
Dieter Seeger plädierte dafür, nachdem man schon so weit sei, jetzt auch alles „richtig fertig zu machen“, statt auf halbe Lösungen zu setzen.
Wolf blieb bei seiner Ansicht: Für ihn könne der Raum für eine geplante dritte Küche vorerst leer bleiben und die Feuerwehrleute dürften diesen dann selbst füllen, inklusive selbst gebauter Möbel.
Der Kompromiss
Reinhard Kussack sprach sich schließlich für einen Kompromiss aus: eine günstige Küche von der Stange statt des handgemachten Einbaus und keine Eckbank. Ein – günstiges – Angebot für eine solche Küche hatte Architekt Carol Eibach bereits eingeholt.
Gemeinderat Anton Höschle, der auch als Gesamtkommandant der Freiwilligen Feuerwehr fungiert, bot in diesem Zuge an, für die Eckbank wenigstens die Teile sägen zu lassen, die Wehr werde sie dann selbst zusammenschrauben.
Diesen Vorschlägen folgte das Gremium bei zwei Enthaltungen. Wie Buchwald auf Nachfrage unserer Redaktion ausführte, spare die Gemeinde dadurch insgesamt etwa 15 000 Euro.
Elektrogeräte-Beschluss vertagt
Diskussionen gab es direkt danach dann aber nochmals, als es um die Elektrogeräte ging. Bernd Greule bemängelte etwa, durch die Sitzungsunterlagen zu wenige Informationen für eine Entscheidung zur Verfügung zu haben. Und der angedachte Konvektomat, der trotz eines großen Rabatts immer noch rund 4500 Euro koste, sei eine Profi-Maschine, die nicht benötigt werde.
Micha Stockinger befiel erneut das Gefühl, dass „wir hier im Luxus schwelgen“. So werde einerseits Vertrauen in der Bevölkerung verspielt, anderseits tue man auch den Feuerwehrleuten keinen Gefallen, wenn sie sich später für diese Ausstattung rechtfertigen müssten.
Buchwald argumentierte, der Konvektomat sei auch zur Versorgung im Notfall gedacht.
Am Ende war die Mehrheit aber nicht überzeugt. Da den Räten Informationen fehlten, beschloss das Gremium mehrheitlich, diese Entscheidung zu vertagen.