Vom Rauch ist schon nichts mehr zu sehen: Die Einsatzkräfte der Feuerwehr mit Atemschutz (rechts im Bild) lassen die chemische Reaktion im Hof der Firma kontrolliert zu Ende ablaufen. Foto: Ricosta

Eine chemische Reaktion führte zu einer Rauchentwicklung. Die genaue Ursache ist allerdings noch unklar.

Plötzlich steigt Rauch vom Betriebsgelände des Schuhherstellers Ricosta in der Raiffeisenstraße auf, Mitarbeiter verlassen die Gebäude, die Feuerwehr Donaueschingen rückt mit 20 Einsatzkräften und mehreren Fahrzeugen an, ein Rettungswagen des DRK und zwei Streifenwagen treffen ein. Feuer ist jedoch nicht zu sehen. Was ist passiert?

 

Dieses Szenario ereignete sich am späten Mittwochnachmittag. Kurz vor 17 Uhr ging bei der Feuerwehr Donaueschingen der Alarm ein. „Die Brandmeldeanlage der Firma hat ausgelöst“, erklärt Philippe de Surmont, Sprecher der Donaueschinger Wehr. In solchen Fällen rücke ein kompletter Löschzug samt Drehleiter zum Einsatzort aus. Dieses Mal wurden auch der Kreisbrandmeister Florian Vetter sowie ein Fachberater Chemie des Landkreises hinzugezogen. Grund dafür war, dass für die Rauchentwicklung eine chemische Reaktion verantwortlich war.

Aus Flüssigem wird Festes

Jörg Ertl, Mitglied der Geschäftsführung bei Ricosta, erklärt es so: Zu der Rauchentwicklung sei es bei einer gängigen chemischen Reaktion gekommen, die schon lange im Unternehmen zum Einsatz kommt. Dabei würden zwei flüssige Materialien miteinander vermischt, die dann über zwei Stunden zu einem festen Bauteil aushärten. Eine Methode, die hier im Formenbau Anwendung findet. Genauso werde mit Restmengen der Flüssigkeiten verfahren, um nach dem Aushärten den Feststoff einfacher entsorgen zu können. So auch am Mittwochnachmittag.

Mitarbeiter reagiert schnell

Anders als bei allen vorangegangenen Reaktionen, habe dieses nach der Aushärtezeit angefangen zu rauchen, beschreibt er den weiteren Ablauf. Der Rauch verteilte sich schnell in der Produktionshalle und löste die Brandmeldeanlage aus. Warum dies am Mittwoch ganz anders verlief, als üblich, „das wissen wir noch nicht“, so Jörg Ertl.

Ein Mitarbeiter hatte das rauchende Gebinde schnell in einen Eimer gepackt, nach draußen auf den Hof befördert und so eine schlimmere Verrauchung der Halle verhindert. Die Feuerwehr bettete diesen Behälter nach Eintreffen in ein sogenanntes Überfass um, wo die bis dato unbekannte Reaktion kontrolliert zu Ende gehen konnte, bis kein Rauch mehr zu sehen war.

Reststoff wird untersucht

Den dabei übrig gebliebenen Reststoff will Ricosta nun genau untersuchen lassen, um herauszufinden, was schiefgelaufen ist und um Wiederholungen auszuschließen. Für Mitarbeiter, Anwohner und umliegende Firmen bestand keine Gefahr. Verletzt wurde niemand. „Der Rauch wurde vom Wind in Richtung Norden abgetrieben und hat sich im Freien schnell verdünnt“, erklärt Philippe de Surmont. Auch die Messgeräte der Einsatzkräfte hätten keine Gefahren angezeigt, so Ertl.

Als die Feuerwehr bei Ricosta eintraf, befanden sich alle Mitarbeiter bereits außerhalb des Gebäudes, wie Philippe de Surmont berichtet. „Das hat gut geklappt“, bilanziert Jörg Ertl die Evakuierung. Erst vor ein paar Wochen habe man solch ein Szenario geübt. Glück war auch, dass sich zum Zeitpunkt der Rauchentwicklung nur noch rund 20 Mitarbeiter in der Firma befanden, vor allem im Verwaltungsbereich. In der Produktionshalle seien bereits alle Kollegen im Feierabend gewesen, so Ertl.

Nachdem die Einsatzkräfte den restlichen Rauch mit Ventilatoren aus der Halle ausgetrieben hatten, wurde das Gebäude gegen 22 Uhr wieder freigegeben. Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb hatte der Vorfall nicht. Am Donnerstagmorgen konnte die Produktion wieder normal anlaufen.

Das Unternehmen

Ricosta
Der Kinderschuh-Hersteller Ricosta ist seit seiner Gründung durch Roland Rieker 1955 ein inhabergeführtes Familienunternehmen. Seit 1996 lenkt der Sohn des Gründers, Ralph Rieker, die Geschicke. Ihm ist es zu verdanken, dass Ricosta fest in der Stadt verwurzelt ist. Der Name leitet sich ab von Rieker, Co. und stabil. Etwa 170 Mitarbeiter zählt das Werk in Donaueschingen.