Die Taten des Brandstifters haben nicht nur Schäden angerichtet und Menschen in Angst versetzt, sondern auch das Klima in der Stadt vergiftet und manche Bürger an den Rand der Selbstjustiz geführt.
Im Prozess gegen den geständigen Mann aus Geislingen haben Polizei und Feuerwehr Einblick in weitere, unerfreuliche Folgen seiner Brandstiftungen im vergangenen Sommer gegeben.
Der Leiter der Ermittlungsgruppe bei der Balinger Kriminalpolizei berichtete in der Verhandlung detailliert über Spurensuche und Befragungen. Der Vorsitzende Richter wollte von ihm unter anderem wissen: „Wie sind die Ermittlungen in der Bevölkerung angekommen?“
Böse Erinnerungen
Die Ermittler hätten zwischen 7. Juni und 16. Juli mehr als 70 Menschen in der Stadt befragt, berichtete der Beamte. Dabei sei deutlich geworden: „In Geislingen traute keiner mehr dem anderen.“
Viele Einwohner hätten sich an eine ähnliche Brandserie im Jahr 2007 erinnert. Damals wurde Feuer an vier Gebäuden in der Stadt gelegt.
Wut und Furcht
„Die Ermittlungen waren extrem schwierig zu führen“, erklärte der Polizist weiter. „Die Stimmung war aufgeheizt.“ Die Wut wegen der Schäden und die Furcht vor weiteren Bränden ließen einige Bürger an ihrer Sicherheit zweifeln und die Idee aufkommen, diese in ihre eigenen Hände zu nehmen.
Es sei doch die Rede von einer „Bürgerwehr“ gewesen, wollte der Richter wissen. Dieser Begriff sei in der Tat gefallen, bestätigte der Beamte. Geschädigte seien damit zur Polizei gekommen, die aus ihrer Sicht nicht in der Lage war, ihre Gebäude zu schützen. Es habe konkrete Pläne gegeben.
Festnahme beendet Serie
Doch weil die Ermittlungen der Kripo verdeckt liefen, konnte man nichts über deren Stand zur Beruhigung der Bürger herausgeben. Anfang Juli gab es einen Verdächtigen, nach dem Brand am 16. Juli wurde dieser festgenommen. Damit endete die Serie.
Es war dem Beamten anzuhören, dass er angesichts der emotional aufgeladenen Atmosphäre im Ort froh war, dem Verdächtigen auf die Spur gekommen zu sein.
Der Mann war seit Februar 2024 arbeitslos, hatte keinen geregelten Tagesablauf, keine Freunde und keine soziale Anbindung: „Der spielt in Geislingen keine Rolle“, hat der Ermittler mehrfach gehört, nachdem bekannt wurde, wer die Brände gelegt haben soll.
Feuerwehr unter Verdacht
Bis dahin hatte es sogar den Verdacht gegeben, einer aus den Reihen der Feuerwehr habe die Brände gelegt. Einen solchen Fall hatte es 2014 gegeben, als ein Feuerwehrmann aus Rangendingen einer Serie von Brandstiftungen überführt wurde.
Der Richter wollte von einem der befragten Feuerwehrleute wissen, wie die Kameraden zu diesem Verdacht standen: „Man hat sich schon Gedanken gemacht“, sagte der Zeuge. „Das war in Geislingen ein Riesenthema.“
Der Geislinger Gesamtkommandant sagte in seiner Befragung, er habe durchaus früh über den Täter nachgedacht: „Irgendwie hast du da ein komisches Gefühl. ,Kommt da noch was? Ist dir doch was aufgefallen?’“ Er selbst sei bei allen Einsätzen meist mit als Erster vor Ort.
Beim letzten Brand habe die Polizei zwei, drei Kameraden aufgehalten, die zum Einsatz wollten. Das hätten einige Anwohner mitbekommen und das habe kurzzeitig dem Ansehen der Feuerwehr geschadet. „Aber das haben wir noch am selben Tag geregelt.“ Die Neuigkeit, dass kein Feuerwehrmann, sondern ein „Niemand“ ohne erkennbares Motiv festgenommen worden war, machte schnell die Runde.