Das Feuerwehrgebäude in Tuningen. Foto: Cornelia Hellweg

Die Feuerwehr Tuningen blickt auf das 150-jährige Bestehen zurück. Zwei Feuerwehrmänner berichten.

Auf eher unkonventionelle Weise kam Kurt Glökler zur Tuninger Wehr. „Zum Fest 125 Jahre Feuerwehr Tuningen wurde eine Bühne benötigt. Dazu musste man Holz aus dem Wald holen.“ Damit er für den Fall eines Falles versichert sei, habe ihm der damalige Feuerwehrkommandant Martin Götz einen Eintritt in die Wehr nahegelegt.

 

Dieser Anregung kam Kurt Glökler nach – und blieb. „Ich habe im Laufe der Zeit alle Lehrgänge gemacht, war an der Feuerwehrschule in Bruchsal“, berichtet er. Als gelernter Kfz-Mechaniker lag es nahe, unter anderem den Posten des Gerätewartes auszufüllen. Von 1996 bis 2001 leitete er die Tuninger Wehr als Kommandant.

Erste Feuerwehrfrau

Heute steht der 76-Jährige der Altersmannschaft vor, die sich aktuell aus neun Männern und einer Frau zusammensetzt. „Die erste Feuerwehrfrau im Schwarzwald-Baar-Kreis kommt aus Tuningen“, sagt er. Sie besetzte den Funkraum und unterstützte mit dieser Arbeit die Wehr. Die Bandbreite der Einsätze in seiner aktiven Zeit reichte von der Entfernung von Wespennestern bis zu schweren Verkehrsunfällen und Großbränden. Besonders in Erinnerung geblieben ist Glökler ein von einem Falschfahrer auf der A 81 ausgelösten Verkehrsunfall, bei dem vier Menschen starben. So etwas muss man als Helfer vor Ort verkraften. „Die Kameradschaft hilft, und man lernt dazu“, fasst er seine Erfahrung zusammen.

Unter Kameraden

„Man ist ja nicht allein, um schwerwiegende Ereignisse bei Einsätzen zu verarbeiten“, sagt auch der amtierende Feuerwehrkommandant Thorsten Büttner. Die ehrenamtliche Tätigkeit als Feuerwehrmann sei interessant – auch wenn die Bürokratie insbesondere für die Leitung stetig zunehme. „Die Arbeit ist in großen Städten nicht umsonst hauptamtlich.“

Mit dem Erreichen des 65. Lebensjahres geht der aktive Einsatzdienst in der Feuerwehr zu Ende. Danach kann man in die Altersmannschaft wechseln, um der Wehr weiter verbunden zu bleiben. Hier wird Geselligkeit gepflegt, Ausflüge unternommen. Und bei besonderen Gelegenheiten wie einem Fest, wird ebenfalls unterstützt. Kurt Glökler bringt mit seiner Erfahrung als Mechaniker ältere Feuerwehrpumpen auf Vordermann.

Feuerwehrkommandant Thorsten Büttner, Kurt Glökler und Simon Klamert (von links). Foto: Cornelia Hellweg

Die Feuerwehr Tuningen hat nicht nur in der Gemeinde ihre Einsätze sondern ist außerdem Stützpunktfeuerwehr für einen Teil der Autobahn 81, der Autobahn 864 bei Bad Dürrheim sowie eines Teilabschnitts der Bundesstraße 523. „Wir haben ordentliche Einsatzzahlen, die Mehrheit ist auf der Autobahn“, erläutert Thorsten Büttner. Seit dem Jahr 2022 gibt es den modernen Anbau für die Feuerwehr. „Das war eine große Investition für die Gemeinde.“

Simon Klamert ist seit 2019 Gemeinderat in Tuningen und trat 2022 der Feuerwehr im Ort bei. Der 27-Jährige ist von Beruf persönlicher Referent des Ersten Bürgermeisters in Herrenberg. Hier kann er auch im Home Office tätig sein, und davon profitiert dann die Feuerwehr. Denn wenn tagsüber ein Einsatz ist, dann kann auch er mit ausrücken. Ist beispielsweise ein Zimmerbrand gemeldet, muss der erste Wagen nach sieben bis neun Minuten raus sein, sagt Thorsten Büttner. Das liege daran, dass durch moderne Möbel und die Nutzung von zunehmend digitalen Geräten ein Feuer sich schneller ausbreite als früher.

Die Vielfalt macht’s

Simon Klamert hat seit seinem Eintritt bei der Wehr „von der Pike auf gelernt“. Heute ist er vollwertiges Feuerwehrmitglied mit Atemschutzausbildung. Zwischen 35 und 40 Aktive stehen bei einer Alarmierung zur Verfügung. „Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, diese Zahl zu stabilisieren“, erläutert der Feuerwehrkommandant. Die Aufgabengebiete seien so vielfältig, dass jeder einen Platz findet, ist er überzeugt. „Wenn man zur Einsatzstelle fährt, weiß man nicht genau, was auf einen zukommt. Das Miteinander macht es aus. Die Kameradschaft ist für mich eine der treibenden Elemente“, sagt Simon Klamert.

Am Samstag, 31. Mai, findet als eine der Jubiläumsveranstaltungen in diesem Jahr der Leistungswettbewerb in Tuningen statt. Ein Festakt ist am 27. Juni, ein Festgottesdienst und ein Tag der offenen Tür stehen am 29. Juni auf dem Programm.