Die Feuerwehr rückte am Montag zum Hesse-Museum in Calw aus, um den Keller auszupumpen. Foto: Klormann

Mit viel Ausrüstung rückte die Feuerwehr am Montag zum Calwer Hesse-Museum aus. Der Grund: Durch strengen Frost war eine Wasseruhr geplatzt. Kellerräume standen meterhoch unter Wasser.

Wann genau sich das Unglück ereignete, ist unklar. Doch fest steht: Irgendwann während der Feiertage platzte im Hermann-Hesse-Museum eine Wasseruhr. Die Folge: Zehntausende Liter Wasser flossen ungehindert ins Gebäude.

 

Calws Stadtbrandmeister Marcus Frank sprach am Montag vor Ort von einem „ganz klassischen Frostschaden“ – den jedoch längere Zeit niemand bemerkte. Denn aktuell ist das Hesse-Museum eine Baustelle. Und seit Weihnachten standen die Arbeiten still.

Wasser stand bis zu 1,6 Meter hoch

Erst an diesem Montag fiel die Überflutung dann auf. Und die war inzwischen gewaltig angewachsen.

Vom Erdgeschoss drang das Wasser direkt durch den Boden nach unten; in zwei Gewölbekellern sammelte sich das Wasser schließlich bis zu 1,6 Meter hoch.

Gegen 11.30 Uhr rückte dann die Feuerwehr mit neun Kräften, zwei Fahrzeugen und ordentlich Material aus dem Hochwasserzug an – einer Einheit, die auf Überschwemmungen vorbereitet ist.

Mit vier starken Generatoren und vier Pumpen, die unter Idealbedingungen jeweils bis zu 2000 Liter pro Minute befördern können, saugte die Feuerwehr das Wasser ab. Insgesamt rund 190 Kubikmeter, berichtete Frank. Also etwa 190 000 Liter.

Gegen 15 Uhr war der Einsatz vor Ort beendet; Feuerwehrkommandant Frank rechnete aber noch mit gut einer weiteren Stunde Arbeit; unter anderem, um die verschlammten Geräte zu reinigen.

„Natürlich wird man sich die Balken anschauen müssen“

Da sich das Museum aktuell noch im Rohbauzustand befindet, schätzte Frank den Schaden als vergleichsweise gering ein. Unter anderem, weil das Wasser direkt durch den Boden in den Keller abgelaufen war.

„Natürlich wird man sich die Balken anschauen müssen“, meinte der Stadtbrandmeister. Das Holz könnte durch das Wasser in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Der Bodenaufbau im betroffenen Raum besteht maßgeblich aus Holzbalken und Brettern.

Der Keller im Calwer Hesse-Museum stand meterhoch unter Wasser. Foto: Klormann

Glück im Unglück, könnte man sagen – wobei das Projekt Museums-Sanierung von Beginn an nicht gerade vom Glück verfolgt war.

Im Mai 2020 hatte der Calwer Gemeinderat die Generalsanierung des Gebäudes beschlossen. 2,85 Millionen Euro waren dafür ursprünglich eingeplant; 2023 sollte alles fertig sein. Doch es kam anders.

Schimmelbefall, Schädlinge, Asbest im Boden

Nach und nach traten durch Gutachten und Untersuchungen immer weitere Mängel zu Tage: Schimmelbefall, Schädlinge, Asbest im Boden. Immer mehr wurde klar, dass das ganze Haus entkernt und neu aufgebaut werden müsse.

Hinzu kamen steigende Bau- und Rohstoffpreise, Diskussionen mit dem Denkmalamt und Probleme bei den Vergaben der einzelnen Bauarbeiten.

Im November 2024 lag die Kostenschätzung schließlich bei rund 8,7 Millionen Euro. Der Gemeinderat entschied daraufhin, den geplanten Neubau eines Saals nicht weiterzuverfolgen, um Kosten zu sparen.

Im November vergangenen Jahres berichtete Thomas Frank aus dem Bauamt, dass das zuletzt vorgesehene Budget von 7,5 Millionen Euro zum damaligen Zeitpunkt durch weitere Einsparungen noch nicht ausgeschöpft sei.

Und es gab einen Eröffnungstermin für das sanierte Hesse-Museum: den 3. Juni 2027. Das ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil am 2. Juli 2027 Hermann Hesses 150. Geburtstag wäre – und 2027 somit ein Hesse-Festjahr wird.

Ob und inwieweit sich der Wasserschaden nun auf den Zeitplan auswirken könnte, bleibt abzuwarten. Im Frühjahr sollen die Innenputz-, Trockenbau-, Fließen- und Schreinerarbeiten sowie die Haustechnik vergeben werden, hieß es im November 2025.