Bei der Vorstellung der Feuerwehr-Peers (von links): Kreisbrandmeister Frank Jahraus mit Simone Glöckle, Thomas Teufel, Richard Weigold, Florian Züfle, Nina Laschinger-Schenk, Manfred Maier, Tobias Kiefer, Jan Straub, Edwin Schumacher und Pfarrer Timo Stahl. Foto: Fritz

Seit einem Jahr hilft eine Gruppe von Feuerwehrleuten ihren Kameraden, mit belastenden Erinnerungen und Eindrücken aus den Einsätzen umzugehen. Wichtig ist dabei, dass diese Helfer dieselbe Sprache sprechen, denselben "Stallgeruch" haben.  

Freudenstadt - Die Feuerwehren im Kreis Freudenstadt bestehen aus Freiwilligen, die tagsüber, nachts, bei Wind und Wetter, vom Schreibtisch oder vom Kaffeetisch aufstehen, um im Einsatzfall für andere da zu sein. Dafür verlassen sie auch den Arbeitsplatz und lassen alles stehen und liegen.

Wenn die Feuerwehr zur Hilfe gerufen wird, kann es sich um Einsatzgeschehen handeln, aus denen sich zum Beispiel Bilder, Gerüche oder Geräusche dauerhaft einprägen. Tragische Unglücksfälle sind belastend und manchmal kommt auch jede Hilfe zu spät, obwohl man alles gegeben hat, heißt es in einer Pressemitteilung der Feuerwehr-Peers, wie sich die Helfer der Helfer nennen.

Feuerwehrangehörige erfahren die Hilflosigkeit und das Entsetzen Beteiligter wie Unbeteiligter. Sie spüren den Stress nach Extremsituationen, physisch wie psychisch. Das ist der Punkt, an dem auch ein Helfer einmal Hilfe braucht. Es kann passieren, dass die Seele nicht so schnell vergessen kann und der Alltag der Retter durch das Erlebte beeinträchtigt wird.

Reden über das Erlebte

Nach einem tragischen Einsatz ist es wichtig, dass die Einsatzkräfte über das Geschehene und Erlebte mit jemandem reden können, der "dieselbe Sprache" spricht und den "Stallgeruch" hat. Wenn die eigenen Bewältigungsmechanismen nicht ausreichen, kann es zu einer Belastungsreaktion kommen, die sich individuell äußern kann. Um Feuerwehrleute in solch einer besonders belastenden Situation zu unterstützen, kann im Landkreis Freudenstadt seit nunmehr einem Jahr die Hilfe der Feuerwehr-Peers in Anspruch genommen werden.

Der Grundgedanke ist "Kameraden sind für Kameraden da". Feuerwehr-Peers sind im aktiven Einsatzdienst, aber auch im psychosozialen Bereich geschult. Die Peers zeichnen sich dadurch aus, dass sie in ihren Abteilungen besonderes Vertrauen genießen, eigene Einsatzerfahrung haben und regelmäßig Fortbildungen, auch an der Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg in Bruchsal, besuchen und der Verschwiegenheit unterliegen.

Kreis soll erweitert werden

Zu ihren Aufgaben gehört es, nach belastenden Einsätzen für Gespräche zur Verfügung zu stehen, gegebenenfalls zu beraten, zu begleiten und weitere Hilfsangebote zu vermitteln. Unter der Führung von Timo Stahl, Pfarrer in Dornstetten, Notfallseelsorger und Feuerwehrkamerad in Personalunion, treffen sich regelmäßig 13 Feuerwehrleute aus allen Teilen des Landkreises zur Weiterbildung. Dieser Kreis soll noch erweitert werden, damit bei Bedarf auch immer jemand zur Stelle ist, um den Betroffenen zu helfen.

Momentan haben noch nicht alle Feuerwehren im Kreis einen Peer. Das soll sich aber in naher Zukunft ändern.

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